Energiepolitik Bundesnetzagentur lehnt Thüringer Südlink-Vorschlag ab

Das Land will die geplante Stromtrasse Südlink durch den Freistaat unbedingt verhindern. Zuletzt schlug es eine Alternativroute durch Hessen vor. Die Bundesnetzagentur wies den Thüringer Vorschlag nun zurück. Die Entscheidung fällt nun zwischen einem Korridor durch Thüringen und einem durch Hessen.

Die Bundesnetzagentur hat einen Vorschlag des Landes Thüringen für einen alternativen Verlauf der Stromtrasse Südlink abgelehnt. Das bestätigte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur in Bonn MDR THÜRINGEN. Die Landesregierung schlug in ihrem Entwurf einen Korridor westlich von Thüringen vor, um zu verhindern, dass die Stromtrasse durch den Freistaat gebaut wird.

Nach Angaben des Thüringer Infrastrukturministeriums ist aber immer noch ein Verlauf außerhalb Thüringens möglich. Die Bundesnetzagentur prüfe jetzt zwei mögliche Korridore für die Gleichstromtrasse: einen durch Osthessen und einen durch Westthüringen. Ein Ergebnis dürfte den Angaben zufolge nicht vor 2019 vorliegen. Thüringen wollte mit seinem Antrag erreichen, dass ein dritter Korridor zusätzlich geprüft wird, der teilweise durch Westhessen und Nordrhein-Westfalen verläuft. Die Bundesnetzagentur wies dies nun zurück und folgte damit der Argumentation der Netzbetreiber Tennet und TransnetBW.

Bundesnetzagentur folgt Netzbetreibern

Die Unternehmen bemängelten, dass der Thüringer Vorschlag 70 sogenannte Konfliktstellen enthalte, die dem Verlauf der Trasse entgegenstünden. Die anderen beiden möglichen Korridore wiesen nur 41 beziehungsweise 61 Konfliktstellen auf. Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, sagte, "der Thüringer Vorschlag ist fachlich fundiert. Er weist aber eine deutlich höhere Anzahl an Konfliktstellen auf als der Trassenkorridorvorschlag von Tennet und TransnetBW". Daher werde er im Genehmigungsverfahren nicht weiter verfolgt.

In Thüringen kocht nach der Entscheidung der Ärger hoch. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, es sei nicht hinnehmbar, dass die Trasse ein Naturschutzgebiet durchschneide und zudem dreimal das Grüne Band - die frühere innerdeutsche Grenze - quere. Man werde sich hart damit auseinandersetzen und die betroffenen Menschen rechtlich unterstützen, kündigte der Regierungschef an. Der Bundesnetzagentur warf Ramelow eine "irritierende Kaltschnäuzigkeit" vor.

Thüringer Politiker sind verärgert

Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) sagte, "wir sind verärgert, dass unser alternativer Trassenvorschlag abgelehnt wurde". Man bleibe beim Nein zum Südlink durch Thüringen und werde weiter mit Sachargumenten für einen anderen Verlauf streiten. Auch die Energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Eleonore Mühlbauer, reagierte verärgert: "Es kann nicht wahr sein, dass Thüringen wohl erneut von einer Stromtrasse durchquert werden soll. Zumal Thüringen davon null komma null profitiert". Die CDU-Landtagsfraktion äußerte sich empört über die Entscheidung der Bundesnetzagentur. Damit würden Thüringen zusätzliche Lasten der Energiewende aufgebürdet, sagte Fraktionschef Mike Mohring.

Die gut 700 Kilometer lange Südlinktrasse soll im Zuge der Energiewende Strom von Nord- nach Süddeutschland leiten. Den Plänen zufolge soll die Gleichstromtrasse 2025 in Betrieb genommen werden.

Eine Landkarte mit den Varianten der Stromleitung Südlink
Vorgeschlagene Varianten der Netzbetreiber. Bildrechte: TENNET

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 23. Januar 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2018, 20:28 Uhr

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24 Kommentare

27.01.2018 14:44 Eulenspiegel 2 24

Ach ja die Rotorblätter die momentan gebräuchlich Kombination Holz, Kunstharz und Glasfaser da gibt es bei der Entsorgung Probleme. Ich denke die Entsorgungsfrage ist lösbar z.B. in den man andere Materialien einsetzt. Denn man bedenkt das wir 50 Jahre AKWs betreiben in der Hoffnung das wir die Entsorgungsfrage irgendwann lösen können und eigentlich in den letzten Jahre erst halbwegs begriffen haben wie problematisch diese Frage ist. Ich denke da sollte man nicht so tun als wäre das Problem mit den Windrädern das alles andere in den Schatten stellt.


27.01.2018 14:42 Eulenspiegel 23

Hallo der_Silvio
Sind sie eigentlich auch gegen Flugzeuge und für die Stilllege aller Flughäfen weil dort Vögel getötet werden? Sind sie auch für die Stilllegung aller Bahnlinien weil dort Wildtiere getötet werden? Sind sie eigentlich auch für die Stilllegung aller Autobahnen und Schnellstraßen weil da Wildtiere getötet werden. An allen drei Beispielen werden jeweils das zigfach, wenn nicht sogar das viele hundertfache an Tieren getötet als bei Windräder.
„Man kann nicht, wie in D, beispielsweise die e-Mobilität vorantreiben, ohne sich über die Folgen im Klaren zu sein.“
Sie meinen also man kann nicht auf e-Mobilität umsteigen und gleichzeitig auf regenerative Energie umsteigen. Das sollten sie mal differenziert erklären zumal ein Umstieg auf e-Mobilität mit Kohlestrom nur eine Problemverschiebung ist und keine Problemlösung.
Meine Aussage das Windräder nur wenig Fläche brauchen können sie nichts entgegensetzen.

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