Neuer Streit um Stromleitung Vorschlag für die Erweiterung von Südlink sorgt in Thüringen für Empörung

Die Planung für die Gleichstromleitung Südlink steht noch am Anfang. Klar ist aber schon, dass für das Verlegen der Erdkabel deutlich weniger Fläche gebraucht wird, als zu Beginn gedacht. Die Netzbetreiber und die Politik in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wollen das offenbar für eine vorsorgliche Erweiterung der Leitung nutzen.

Demo Südlink Fambach 2020
In vielen Bundesländern gab es von Anfang an Proteste gegen die Trasse, wie hier in Fambach. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Zwischen Thüringen und den Bundesländern Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein bahnt sich ein Streit um die Erweiterung der Gleichstromleitung Südlink an. Grund ist ein Brief, den die Energieminister der genannten Bundesländer schon im Juni an Bundeswirtschaftsminister Altmaier geschickt hatten. Darin fordern sie Altmaier auf, auf der Trasse für die geplante Gleichstromleitung Südlink eine dritte Leitung zu verlegen.

Bisher war geplant, dass auf der Trasse von Südlink über weite Strecken zwei Leitungen parallel verlegt werden: Südlink 1 von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach in Baden-Württemberg und Südlink 2 von Wilster in Schleswig-Holstein nach Bergrheinfeld in Bayern. In ihrem Brief greifen die vier Energieminister einen Vorschlag der Netzbetreiber TransnetBW und Tennet auf, noch eine dritte Leitung auf dieser Trasse zu verlegen. Sie soll von Heide in Schleswig-Holstein nach Altbach in Baden-Württemberg führen und würde nach dem Vorschlag der Energieminister ebenfalls durch Thüringen verlaufen.

Empörung beim Thüringer Ministerpräsidenten

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow reagierte empört auf den Brief, der vom 17. Juni 2020 stammt. Die vier Umweltminister würden so tun, als habe die Trasse nichts mit Thüringen zu tun und darauf verzichtet, im Vorfeld mit dem Land zu reden. Stattdessen nutze man ein höchst umstrittenes Verfahren, um nun eine dritte Leitung durch Thüringen durchzuprügeln.

Ich bin empört und drücke das so aus, dass man im 30. Jahr der Deutschen Einheit offenkundig denkt, wir wären irgendwie nur das Stromklo Deutschlands.

Bodo Ramelow

Die Bundesnetzagentur habe die Leitung Heide/West-Altbach eigentlich schon verworfen. Nach wie vor hält das Land Thüringen eine mögliche Trassenführung von Südlink durch Thüringen für rechtswidrig.

Weitere Klage angekündigt

Ramelow wiederholte seine Forderung, die Trassenführung von Südlink müsse nach dem gesetzlich vorgegebenen Prinzip der kürzesten Strecke zwischen Anfang und Ende der Leitung eigentlich entlang der A7 Richtung Fulda verlaufen. Mit einer ersten Klage gegen den Verlauf durch Thüringen war das Land Ende 2019 vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert. Ramelow kündigte heute erneut eine zweite Klage an. Für die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag reagierte deren energiepolitischer Sprecher Thomas Gottweis und sagte: "Thüringen hat mit den bisher geplanten Trassen schon genug zu stemmen und darf nicht länger zum Lastesel der Energiewende degradiert werden.“

Für den Verlauf des Sued.Link-Trassenkorridors durch Thüringen sind nach wie vor mehrere Varianten im Gespräch.
Für den Verlauf des Südlink-Trassenkorridors durch Thüringen sind nach wie vor mehrere Varianten im Gespräch. Die Entscheidung darüber hatte die Bundesnetzagentur zuletzt zweimal verschoben. Bildrechte: MDR/TransnetBW

Chancen für vorsorgliche Erweiterung

Das Verfahren, in dem die Bundesnetzagentur den ein Kilometer breiten Korridor festlegt, in dem die Südlink-Trasse am Ende konkret verlaufen darf, ist für den Thüringer Abschnitt offiziell noch nicht angeschlossen. Die Behörde hat die Entscheidung inzwischen zweimal verschoben. Ende 2019 hatten sich aber die Netzbetreiber in einer wichtigen Frage festgelegt: Für den Bau der 4-Gigawatt-Leitung sollen hochleistungsfähige 525 Kilovolt-Kabel verwendet werden. Mit dieser Technik müssen für Südlink 1 und 2 vier Kabel in zwei Gräben verlegt werden. Ursprünglich waren die Planer von vier Gräben und acht Kabeln ausgegangen. Damit hätte sich der für den Leitungsbau nötige Flächenverbrauch erheblich reduziert. Dieser Effekt soll nun offenbar dafür genutzt werden, auf der vorgesehenen Trasse eine dritte Leitung zu verlegen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. Juli 2020 | 19:00 Uhr

23 Kommentare

Hans Frieder leistner vor 17 Wochen

Die Batterien müssen doch vor Ort aufgeladen werden. Wollen die keine Autos in Süddeutschland verkaufen? Außerdem ist das Stromnetz derzeit nicht für Millionen E Autos ausgelegt.

Erichs Rache vor 17 Wochen

@Lothar Thomas

Bei Gleichstrom entsteht ein statisches magnetisches Gleichfeld. Der Personenschutz definiert einen Grenzwert von 1 mT für maximal 6 Stunden täglich als unschädlich.

Lothar Thomas vor 17 Wochen

FORTSETZUNG 2. Teil

Es ist schon viele Jahre her, kaum jemand wird sich vielleicht noch daran erinnern, aber die Firma SIEMENS war einmal im hohen Norden beheimatet und nur deshalb jetzt in Bayern, weil damals der Freistaat so ärmlich war, dass von Regierungsseite aus beschlossen wurde Bayern zu helfen und die Firma SIEMENS mit vielen Anreizen nach München gelockt wurde.

Irgendwie ist da so etwas noch in meinem Hinterkopf hängen geblieben, aus meiner Kinderzeit und dem damaligen vielen "Westfernsehen".

Bitte warum sollte es in den heutigen Tagen nicht möglich sein, Energieintensive Betriebe dort in der Nähe zu errichten, wo die Energie erzeugt wird.

Kluge Köpfe gibt es auch im Norden und nicht nur in Bayern und BW.

Somit hätte man sogar den Effekt von Übertragungsverlusten minimiert und der Umwelt würde viel Elektrosmog erspart bleiben.

Aber da gegen werden die Bayern schon "Sturm" laufen.

Immer nur Haben wollen und nichts Abgeben, das ist doch die Devise.

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