Stromtrasse Breite Front gegen Südlink

Der Schock sitzt tief: Der Netzbetreiber Tennet will die Starkstromtrasse Südlink am liebsten durch Thüringen verlegen lassen. Thüringer Politiker, Verbände und Bürgerinitiativen wollen das mit allen Mitteln verhindern.

Thüringens Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) will die Verlegung der Starkstromtrasse Südlink durch Westthüringen nicht so einfach hinnehmen. Wie Kellers Ministerium am Mittwoch mitteilte, wird das Land einen eigenen Vorschlag zum Trassenverlauf einbringen. Dieser solle sich tatsächlich an dem gesetzlich geforderten gradlinigen Verlauf nach Baden-Württemberg orientieren - im Gegensatz zu den bisherigen Vorschlägen. Bis zur endgültigen Entscheidung bestehe noch mehrfach die Gelegenheit, Thüringer Interessen deutlich zu machen, so das Infrastrukturministerium.

Klage bereits vorbereitet

Birgit Keller spricht bei der Regierungsmedienkonferenz der Thüringer Landesregierung am 8. Dezember 2015 in der Thüringer Staatskanzlei.
Birgit Keller Bildrechte: IMAGO

Der Netzbetreiber Tennet hatte am Dienstag seine bevorzugte Trasse für die Erdkabel vorgestellt. Der östlichste der bisher vorgestellten Korridore wird demnach als Vorschlag bei der Bundesnetzagentur eingereicht - mit einem Verlauf durch Thüringen und nicht durch Hessen. Bis Mitte März will das Unternehmen die Unterlagen offiziell abgeben.

Betroffene Landkreise und Städte wollen gegen den Trassenverlauf durch Thüringen mit allen Mitteln vorgehen. Der Kreis Schmalkalden-Meiningen, der Wartburgkreis und die Stadt Eisenach bereiten derzeit eine Klage vor. Auch andere Regionen könnten sich anschließen, sagte ein Sprecher des Landratsamtes in Meiningen am Mittwoch. Der Meininger Landrat Peter Heimrich (SPD) sagte, man werde, "politisch, juristisch und behördlich alles Erdenkliche tun, um diese unnötige Stromtrasse zu verhindern". 

Bauernverband ruft zum Widerstand auf

Der Eichsfelder Landrat Werner Henning (CDU) bezeichnete die vorläufige Streckenfestlegung der Südlink-Stromtrasse durch Thüringen als  "ungerecht und nicht überzeugend". Bei einem geradlinigen Streckenverlauf wäre eher Hessen als Thüringen betroffen. Nun müsse sich die Thüringer Landesregierung positionieren, sagte Henning. Bedenken gibt es auch von Verbänden und aus der Wirtschaft. So rief der Thüringer Bauernverband Landwirte zum Widerstand auf. Die Pläne belasteten die Bauern massiv, ohne dass eine angemessene Entschädigung sichergestellt sei, so der Verband. Die IHK Südthüringen befürchtete höhere Stromkosten und negative Auswirkungen auf den Tourismus.

Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels für die Stromtrasse SuedLink.
Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels für die Stromtrasse Südlink. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Bei Landes- und Bundespolitikern haben die Tennet-Pläne kurz nach Bekanntwerden am Dienstag einen Proteststurm ausgelöst. Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) bezeichnete den neuen Vorschlag als "nicht akzeptabel". Der energiepolitische Sprecher der Thüringer Union, Stefan Gruner, sagte "es kann nicht sein, dass Thüringen die Lasten des deutschen Netzausbaus alleine stemmen muss". Der Landtagsabgeordnete Steffen Harzer von der Linken bezeichnete die Pläne als "Skandal".

Um Energie vom Norden in den Süden Deutschlands zu transportieren, plant die Bundesregierung zwei neue Stromtrassen. Sie sollen größtenteils unterirdisch verlaufen und 2025 ans Netz gehen. Folgt die Bundesnetzagentur den Plänen von Tennet, würden mit Südlink und Südostlink beide Stromtrassen durch Thüringen laufen. Südostlink soll den Plänen zufolge entlang der A9 durch Ostthüringen führen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08.03.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2017, 16:43 Uhr

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5 Kommentare

09.03.2017 09:32 steffen_jg63 5

Jahrzehntelang profitierte Thüringen indem es hier keine Kraftwerksschlote gab, keine riesigen Mondlandschaften, fast keine verlorenen Dörfer. Der Strom kam aus der Steckdose, die Briketts mit dem LKW. Auch jetzt bleibt das Land weitestgehend von Energieerzeugungsanlagen verschont. Schon allein, dass verkabelt werden soll, ist ein teures Zugeständnis, das der Verbraucher an seiner Rechnung merken wird. Ob Müllverbrennung, Autobahnzubringer oder Stromtrasse: ja schon, aber weit genug weg von meiner Haustür! Kleingeister aller Länder, vereinigt Euch!

08.03.2017 22:02 Schiedsrichter 4

Waren es nicht die Grünen, die sich für die Abschaltung der Kraftwerke einschalteten? Und den grünen Strom wollen die Grünen auch nicht. Strommasten wollen sie nicht. Erdkabel wollen sie auch nicht. Mais soll nicht zur Stromerzeugung genutzt werden. Autos sollen nur noch mit Strom aus der Steckdose fahren. Usw., usf. Dagegen sein aus Prinzip. Fordern, aber keine Konzepte. Es gibt weitaus wichtigeres derzeit als Erdkabel oder Nord-Süd-Ost-West-Link. Aber die die Süd-Nord-Autobahn für Ankömmlinge kann gar nicht breit genug ausgebaut sein. Mehr Pragmatismus könnte allen nicht schaden!