Netzausbau Südlink-Stromtrasse soll durch Thüringen verlaufen

Die geplante Starkstromtrasse Südlink führt nach den Plänen des Netzbetreibers Tennet auch durch Teile Thüringens. Der östlichste der bisher vorgestellten Korridore für die Erdkabel wird als Vorschlag bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Das kündigte Lex Hartman von der Tennet-Geschäftsführung am Dienstag in Berlin an. Bis Mitte März will das Unternehmen die Unterlagen offiziell abgeben.

Die Nord-Süd-Trasse (in der Karten die dicke blaue Linie) erreicht den Plänen zufolge Thüringen auf der Höhe von Nordhausen und verläuft östlich von Mühlhausen. Nördlich von Eisenach knickt der Trassenkorridor nach Westen ab, weicht in einer Schleife dem Westrand des Thüringer Waldes aus und verläuft im Werratal wieder ein Stück nach Osten, bevor er westlich von Meiningen Richtung Bayern abbiegt.

Mein Tag ohne Strom
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Zweite Variante verläuft überwiegend durch Hessen

Tennet hatte am Dienstag den Bundestagsabgeordneten die Pläne mitgeteilt. Der breiten Öffentlichkeit sollten die Trassen-Pläne erst am Mittwoch vorgestellt werden. Ob die Südlink-Erdkabel tatsächlich im Freistaat verlegt werden, ist aber noch nicht abschließend geklärt. Eine zweite Variante (in der Karte die dünne blaue Linie) würde in der Mitte Deutschlands überwiegend durch Hessen verlaufen. Laut Tennet-Vorstand Hartman sind technisch beide Varianten für das Unternehmen gleichwertig.

Umweltministerin lehnt Vorschlag ab

Umweltministerin Anja Siegesmund bezeichnete den neuen Vorschlag als nicht akzeptabel. Sie sagte MDR THÜRINGEN, die Trasse werde zweimal das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze durchschneiden sowie die Rhön und den Thüringer Wald tangieren. Siegesmund forderte von Tennet mehr Transparenz. Nach ihren Angaben hat Thüringen planerische und naturschutzfachliche Bedenken.

Thüringen habe bereits mit der neu gebauten 380-KV-Leitung über den Thüringer Wald einen immensen Beitrag für die Energiewende geleistet habe. Das Land werde jetzt die Bundesnetzagentur bitten, zu prüfen inwiefern die Planungsanträge sachlich und fachlich richtig seien. Die Stromtrasse wird nach Siegesmunds Worten nicht vor 2025 in Betrieb gehen können

Kritik von CDU-Bundestagsabgeordneten und aus dem Landtag

Auch der Nordthüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Grund warnte am Dienstag vor einer Belastung der Region durch die geplante Stromtrasse. Der Abgeordnete sagte MDR THÜRINGEN, es sei schlimm, dass von drei neuen Höchstspannungsleitungen alle drei durch Thüringen führen sollen. Ähnlich äußerte sich auch der Thüringer CDU-Bundestagsabgeordnete Tankred Schipanski. Es dürfe keine weiteren Trassen durch Thüringen geben.

Die Linke-Fraktion im Landtag sprach von einem "Skandal" und einer unnötigen Trasse. Sie zerstöre die Natur und sorge für höhere Strompreise. Die SPD-Landtagsfraktion bezeichnete die Pläne als "nicht nachvollziehbar und nicht hinnehmbar". Die Last des Netzausbaus dürfe nicht allein von Thüringen geschultert werden. Dies wäre nicht zumutbar und würde die Akzeptanz für die Energiewende verringern. Die Grünen-Fraktion erklärte, der Freistaat besitze gerade im Westen und Südwesten mit dem Biosphärenreservat Rhön, dem Nationalpark Hainich und dem Grünen Band Naturlandschaften mit den höchsten Prädikaten.
Aus Sicht der CDU-Fraktion muss sich die Bundesnetzagentur auf die durch Hessen verlaufende Variante konzentrieren, da Thüringen mit der 380-KV-Trasse bereits seinen Beitrag geleistet habe. "Es kann nicht sein, dass Thüringen die Lasten des deutschen Netzausbaus alleine stemmen muss", sagte der energiepolitische Sprecher Stefan Gruner. Es wäre nur folgerichtig, die Trasse mit der der Autobahn A7 zu bündeln, so wie es in Ostthüringen entlang der A9 mit einer weiteren Stromtrasse geplant sei.

Protest aus Südthüringen

Politik und Industrie in Südthüringen wollen gegen die geplante Trasse vorgehen. Schmalkalden-Meiningens Landrat Peter Heimrich (SPD) erklärte, "das Bürgerbeteiligungsverfahren" sei "zur Farce verkommen." "Die mehr als 100 Hinweise der Fachdienste" seien auf "anderthalb A4-Seiten abgefrühstückt" worden. Dabei sei das Thema Artenschutz, etwa in der Rhön und dem Werratal, komplett ausgeklammert. Heimrich kündigte an, "politisch, juristisch und behördlich alles Erdenkliche tun, um diese unnötige Stromtrasse zu verhindern."

Die IHK Südthüringen befürchtet nach eigenen Angaben höhere Stromkosten und negative Auswirkungen auf den Tourismus. Hauptgeschäftsführer Ralf Pieterwas erklärte, Rhön und Thüringer Wald hätten eine "herausragende touristische" Bedeutung. Zunächst sollte das aktuelle Netz ausgebaut und nicht gleich neu gebaut werden. Eine mögliche Stromtrasse müsse möglichst gradlinig gebaut werden. Geschwungene Verläufe bedeuteten längere Strecken und höhere Kosten.

Tennet: Geologie in Thüringen günstiger als in Hessen

Tennet hatte die Stromleitung ursprünglich als oberirdische Freileitung geplant und an Thüringen vorbei führen wollen. Nachdem der Bundestag Ende 2015 beschlossen hatte, dass neue Stromtrassen vorrangig unter der Erdoberfläche verlegt werden sollen, wurden die Planungen verändert.

Das Unternehmen begründet die Trasse durch Thüringen unter anderem mit den geologischen Bedingungen. Eine unterirdische Verlegung sei hier weniger aufwändig als etwa in den Kasseler Bergen in Hessen.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07.03.2017 | 15:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07.03.2017 | 19:00 Uhr
MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 07.03.2017 | ab 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2017, 14:33 Uhr

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13 Kommentare

08.03.2017 12:04 Graf von Henneberg 13

Eine kleine Erläuterung scheint angebracht: Also, das was die Trasse überträgt und beim Endverbraucher ankommt ist ausschließlich elektrische Energie, das Produkt aus Stromstärke mal Spannung, aber kein Strom. Der Strom kann nicht anders und fließt gottgewollt immer im Kreis. Soviel zu den Begrifflichkeiten welche immer wieder fehlerhaft benutzt werden. Im übrigen benutzen die Politiker mangels Bildung diese Begriffe auch falsch und die Medien plappern das nach.
Wenn es denn eine HGÜ (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) werden soll ist das technisch in Ordnung, sinnvoll und machbar.
Aber: das ist eine schweineteuere Lösung, welche die Endverbraucher bezahlen müssen. Und der Platzbedarf in der Landschaft wird ähnlich einer Freileitungstrasse sein. Und aller 1000 m wird ein Muffenhaus stehen. Man sollte hier über die Nutzung des Grenzsteifens intensiv nachdenken. Da ist ein Grünsteifen vorhanden welcher nicht bestockt werden soll.

08.03.2017 10:21 martin 12

...in 5 Jahren ist alles vorbei und die Werra bleibt versalzen ...