Hochschulen Warum ein Teilzeitstudium in Thüringen immer noch die Ausnahme ist

In Thüringen studieren bislang nur wenige Menschen in Teilzeit, der Freistaat liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Dabei ist der Unterschied zwischen staatlichen und privaten Hochschulen immens. Landesweiter Spitzenreiter für berufsbegleitendes Studieren ist die private Fachhochschule für Gesundheit in Gera.

Studenten sitzen in einem Hörsaal.
400 junge Menschen studieren in Gera Medizinpädagogik. Es ist Thüringens beliebtester Teilzeitstudiengang. Bildrechte: MDR/Astrid Mudra

Ob Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen, eine Startup-Gründung oder eine Karriere im Sport - Gründe für ein Teilzeitstudium gibt es viele. Tatsächlich nutzten aber lediglich 1800 von 50.000 Studierenden in Thüringen das Angebot. Das entspricht einem Anteil von 3,6 Prozent. Bundesweit sind es fast doppelt so viele (7,1 Prozent). Diese Zahlen hat das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) für das Wintersemester 2017/18 erhoben. In Hamburg studierte sogar jeder Fünfte in Teilzeit, die meisten an privaten Hochschulen.

Teilzeitstudium mit Bürokratie verbunden

"Im Gegensatz zum Arbeitsleben, wo Teilzeit etabliert ist, gibt es an den staatlichen Hochschulen noch ziemlichen Bürokratieaufwand", meint Jan Thiemann von Centrum für Hochschulentwicklung. An staatlichen Hochschulen werden fast immer schriftliche Begründungen und Nachweise gefordert. Dass es auch anders geht, erfahren die Studierenden an privaten Hochschulen, so Thiemann. "Ein Kreuzchen auf dem Antrag genügt dort meist."

Studium in Teilzeit: Zahlen aus Thüringen

Ein Blick auf die Landkarte des Hochschulstandorts Thüringen bestätigt das Bild. Die Teilzeitquote an den großen Universitäten des Landes zwischen Jena, Weimar und Erfurt schwankt zwischen 1,5 Prozent und 5,4 Prozent. Spitzenreiter ist die private Fachhochschule für Gesundheit SRH in Gera. Hier studierte im vergangenen Wintersemester jeder Dritte in Teilzeit (35,5 Prozent).

Die Grafik zeigt den Anteil von Teilzeitstudenten an Hochschulen in Thüringen: Hochschule für Gesundheit in Gera 35,5 Prozent, Ernst-Abbe-Hochschule Jena 8,1 Prozent, Universität Erfurt 5,4 Prozent, Bauhaus-Universität Weimar 5,2 Prozent.
Die Grafik zeigt den Anteil von Teilzeitstudenten an Hochschulen in Thüringen. Bildrechte: MDR/MCS Grafik

Medizinpädagogik in Gera ist beliebtestes Teilzeitstudium

Der Anteil derer, die neben dem Beruf ein Studium aufnehmen, wächst rasant. Der beliebteste berufsbegleitende Studiengang Thüringens ist Medizinpädagogik. 400 Interessierte haben sich an der SRH Gera für dieses Fach entschieden. Die Rettungssanitäter, Krankenschwestern oder Ergotherapeuten treffen sich einmal im Monat von Donnerstag bis Montag mit ihren Dozenten zum Blockseminar. Für die nächsten zwei bis drei Jahre seien alle Termine geplant, sodass auch die Studierenden mit ihrem Arbeitgeber und ihren Familien gut planen können, sagt Studiengangs-Leiter Sebastian Koch. "Ein Teilzeitstudium ist ein Zukunftstrend", meint Koch. Dieses Studien-Modell verlange eine sehr gute Organisation.

Studenten sitzen in einem Seminarraum an der Hochschule für Gesundheit Gera, sie studieren Medizinpädagogik
An der Hochschule für Gesundheit wird unter anderem in Blockseminaren über das Wochenende gelehrt. Bildrechte: MDR/Astrid Mudra

In Thüringen gibt es 178 Studienangebote in Teilzeit. In der Land- und Forstwirtschaft können Studieninteressierte alle Fächer in Teilzeit belegen. Im Lehramt oder den Sozial- , Sprach und Kulturwissenschaften bietet jeder zweiten Studiengang diese Option, zeigt die Studie des CHE.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

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