Thüringen Corona-Pandemie bremst Ausbildungsmarkt aus: Viele Firmen suchen noch Azubis

Am 1. August hat das neue Ausbildungsjahr offiziell begonnen. Trotzdem suchen noch viele Unternehmen Jugendliche, die einen Job von der Pike auf bei ihnen lernen wollen. Doch viele Jugendliche gehen offenbar lieber länger zur Schule oder setzen auf eine schulische Ausbildung anstatt eine Lehre zu beginnen. Grund sind die Auswirkungen der Corona-Krise. Sie hat den Ausbildungsmarkt in Thüringen deutlich ausgebremst. Das machen die jüngsten Zahlen der Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie der Handwerkskammern (HWK) in Thüringen deutlich.

Ein Drittel weniger Neuverträge

Bis zu 28 Prozent weniger neue Azubi-Verträge wurden demnach unterschrieben. Nach vorläufigen Zahlen gibt es zum Start des neuen Ausbildungsjahres bislang rund 3.300 Neuverträge. Gründe für den massiven Rückgang sind die fehlenden Messen und Ausbildungsbörsen, die aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt wurden. Zudem konnten sich Schüler wegen geschlossener Schulen und Arbeitsagenturen im März nicht ausreichend über ihre berufliche Zukunft informieren. Außerdem gab es gar keine oder nur eingeschränkte Betriebspraktika. Die potenziellen Bewerber drücken deshalb nun lieber länger die Schulbank oder absolvieren ein Berufsvorbereitungsjahr. Dabei ist die Bereitschaft, Lehrlinge auszubilden, bei den Unternehmen trotz kriselnder Wirtschaft sehr hoch. Nur in wenigen Branchen wie im Gastgewerbe oder der Veranstaltungsbranche, ist das Angebot an Ausbildungsstellen geringer.

Fehlende Berufsberatung wegen Coronavirus

Besonders eingebrochen sind die Zahlen bei den von der IHK vertretenen Berufen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der neuen Lehrverträge in Nord-, Mittel- und Westthüringen um 20 Prozent. In Ostthüringen waren es 24,6 Prozent und im Süden des Landes sogar 28 Prozent. Dabei gibt es fast überall genauso viele Lehrstellenangebote wie im vorigen Jahr. Was fehlt, sind die Bewerber. Der Hauptgrund dafür liegt in der fehlenden Berufsberatung seit März. Und auch jetzt gibt es nur Notberatungen. Offensichtlich spielen aber auch Ängste der Eltern eine Rolle, wie die IHK Südthüringen mitteilt. So wirken Kurzarbeit in Unternehmen und eventuell drohende Insolvenzen auf sie verunsichernd. Eltern schicken ihre Kinder daher wieder eher auf weiterführende Schulen oder lassen sie schulische Ausbildungsgänge absolvieren.

IHKen bleiben zuversichtlich: Bis Jahresende mehr Verträge

Doch trotz des aktuellen Einbruchs sind die Industrie- und Handelskammern zuversichtlich, dass sich die Situation noch verbessert. So geht die IHK Südthüringen davon aus, das sich die Vertragsabschlüsse in diesem Jahr nur zeitlich verzögern, weil die Bewerbergespräche Pandemie-bedingt verschoben wurden. Mit einem kompletten Ausgleich des Defizites werde aber nicht gerechnet. Abhängig sei das von den anhaltenden Auswirkungen in allen Branchen. Ein belastbarer Vergleich wird jedoch erst zum 31. Dezember möglich sein. Auch die IHK Erfurt rechnet damit, das sich die Zahl der Verträge noch erhöht. Bewerbungs- und Auswahlverfahren seien etwa zwei Monate verspätet. Die derzeitigen Vertragseingänge lassen laut IHK-Ausbildungsleiter Thomas Fahlbusch aber erwarten, dass diese Verspätung sukzessive aufgeholt wird.

Besonders viele Azubis werden derzeit noch in der Industriebranche, im Handel oder im Logistik-Bereich gesucht. Dort sind aktuell 30 Prozent weniger Lehrstellen besetzt als noch im Vorjahr. Im Gastgewerbe sind es knapp zehn Prozent. Zuwachs gibt es nur in der Baubranche.

Ausbildung im Handwerk trotz Corona gefragt

Letzteres spiegelt auch die Situation im Handwerk wider. Eine handwerkliche Ausbildung ist trotz Corona nach wie vor gefragt. Laut Handwerkskammer sanken die Zahlen deutlich weniger als bei den IHK-geführten Berufen. Die Ostthüringer Handwerkskammer meldete ein Minus von 14 Prozent und die Südthüringer Kammer 16 Prozent. Bei der Handwerkskammer Erfurt betrug das Minus Ende Juni im Vergleich zum Juni vorigen Jahres dagegen nur 3,7 Prozent. Doch da ist den Angaben zufolge noch Luft nach oben. Denn für gewöhnlich würden die meisten Ausbildungsverhältnisse in den Monaten Juli, August und September geschlossen und an die Lehrlingsrolle gemeldet, sagt Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerksammer Erfurt. Aktuell würden daher alle Hebel in Bewegung gesetzt, um möglichst viele junge Menschen bis zum Bewerbungsschluss für eine Ausbildung im Handwerk zu begeistern und auf das Vorjahresniveau von rund 1.600 Verträgen zu kommen.

Laut Lehrstellenbörse werden aktuell besonders viele Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Elektroniker sowie Metallbauer gesucht. Wenige freie Ausbildungsstellen wurden in diesem Jahr von Augenoptikern, Friseuren oder Konditoren gemeldet. 

Am 1. August beginnt in Deutschland das neue Ausbildungsjahr. Die Berufsschulen beginnen nach den Sommerferien ab 31. August. Ein späterer Beginn ist mit Eintritt in das Ausbildungsjahr 2020/2021 bis Dezember möglich. Laut Empfehlung der Handwerkskammer Erfurt sollte eine Ausbildung im Handwerk jedoch nicht nach dem 1. Oktober starten.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. August 2020 | 14:00 Uhr

2 Kommentare

part vor 24 Wochen

Was kommt eigentlich ungelegener als ein neuer Virus, der benutzt werden kann, die Weltwirtschaft neu zu erklären. Ein Drittel der Spekulationsmenge an Bargeld ist nicht durch reale Wertschöpfung gedeckt, die Menge des Giralgeldes erhöht sich ständig weiter und lässt neue Neuverschiuldungen entstehen. Der große Knall wird weiterhin mit Null- oder Negativzinsen nur verschoben, bis die große Umverteilung oder eine neuer größrer Weltkrieg wieder für mehr Aufschwung sorgt. Für den Mittelstand bedeutet Ausbildung aber heute: Zuschüsse kassieren und nicht übernehmen oder nur die Besten übernehmen nach Bedarf. Und dem hiesigen Mittelstand geht es noch bedeutend besser als dem US-Pedant.

Lothar Thomas vor 24 Wochen

Ausbildung ist verdammt wichtig.

Wenn man den richtigen Beruf gewählt hat, macht es sogar Spaß.

Vorher ausreichend Informationen über jedes Berufsfeld sammeln, mit Eltern, Freunden und Bekannten über alles sprechen und dann den Beruf wählen, den man auch in 10 und 20 Jahren noch interessant finden würde.

Meine Berufsausbildung liegt nun schon sehr lange zurück, aber ich bin heute noch stolz darauf, den für mich gesehen besten Lehrmeister gehabt zu haben.
Der Meister hatte mich nie abgewiesen, wenn ich eine Frage hatte und hatte mir auch sonst vieles mit auf meinen Lebensweg vermittelt, wo ich manchmal später immer darüber nachgedacht hatte, "wie würde dieses Problem jetzt vom Meister angegangen werden".

Zu meiner Zeit durfte jeder Handwerksmeister nur einen Lehrling pro Jahr ausbilden und ich hatte das große Glück eine Ausbildung im Handwerk absolvieren zu dürfen, auch wenn ich dadurch ein halbes Jahr länger in der Lehre war.

Ich wünsche allen neuen Azubi's eine gute Lehrzeit.

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