Debatte um Zustände in Schlachthöfen Thüringer Fleischwirtschaft sieht schärfere Corona-Auflagen gelassen

Corona-Infektionen in westdeutschen Schlachthöfen haben ein Licht auf Zustände in der Branche geworfen - mit Leiharbeit und Sammelunterkünften. Nun soll schärfer kontrolliert werden. In Thüringen sieht man das gelassen, da es hier keine Groß-Schlachthöfe mehr gibt..

Schlachthofmitarbeiterinnen nehmen Schweinehälften aus.
Schlachthofmitarbeiterinnen nehmen Schweinehälften aus. (Archivbild) Bildrechte: Colourbox.de

Die Thüringer Fleischwirtschaft hat gelassen auf die verschärften Auflagen für Schlachtbetriebe im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie reagiert. Wie der Landesinnungsverband des Fleischerhandwerks MDR THÜRINGEN am Mittwoch mitteilte, gibt es in Thüringen keine Groß-Schlachthöfe mit hunderten Werks- oder Leiharbeitern mehr.

Anfang des Jahres hatte sich der Fleischkonzern Vion Food Group aus der industriellen Schweine-Schlachtung an seinem Standort in Altenburg zurückgezogen. Über 100 Mitarbeiter verloren ihren Job. Dort werden seitdem nur noch Rinder in geringer Zahl geschlachtet.

Laut Innungsverband gibt es in Thüringen nur noch sogenannte Schlachtstätten, wo Handwerksbetriebe angelieferte Tiere in geringer Stückzahl (unter zehn) schlachten. Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Der Thüringer Geschäftsführer Jens Löbel sagte MDR THÜRINGEN, im Freistaat gebe es keine Großschlachtereien mehr - und darum auch kaum Werks- oder Leiharbeiter.

Die Gesetzesinitiative der Bundesregierung für mehr Arbeitsschutz in der Fleischindustrie gehe in die richtige Richtung. Die NGG fordere schon seit Jahren bessere Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung der oft aus Osteuropa stammenden Mitarbeiter. Aber das könne nur ein Anfang sein. In der Backindustrie, der Geflügelwirtschaft oder bei Erntehelfern gebe es die gleichen Probleme.

Werkverträge und Leiharbeit werden verboten

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch Eckpunkte eines "Arbeitsschutzprogramms für die Fleischwirtschaft" beschlossen. Geplant sind demnach verschiedene gesetzliche Regelungen, wie ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie ab dem kommendem Jahr und höhere Bußgelder bei Verstößen gegen Arbeitszeitvorschriften. Zudem sollen die Schlachthöfe schärfer kontrolliert werden.

Auch das Thüringer Arbeitsministerium kündigte mehr Kontrollen an. Das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz als die zuständige Arbeitsschutzbehörde überprüft seit Anfang der Woche Thüringer Schlacht- und Zerlegungsbetriebe. Auch in der Landwirtschaft und auf Baustellen soll es mehr Kontrollen geben.

Nach einer Reihe von Corona-Infektionen in westdeutschen Schlachtfabriken stehen die Arbeitsbedingungen mit Subunternehmern und Sammelunterkünften mit vielen osteuropäischen Beschäftigten in der Kritik.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. Mai 2020 | 07:00 Uhr

1 Kommentar

Ein Linker Zensor vor 1 Wochen

Hauptsache Fleisch bleibt billig, sonst kommt es zu Unruhen.

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