Umstrittenes Projekt in Jena Quent wird Direktor von Dokustelle

Der Jenaer Soziologe Matthias Quent leitet die neue Dokumenationsstelle für Menschenrechte, Grundrechte und Demokratie. Das teilte die Amadeu Antonio Stiftung am Montag mit. Quent sei seit 1. August Leiter der neuen Einrichtung. Die Stiftung hatte im Juni vom Thüringer Bildungsministerium den Auftrag bekommen, die Dokumentationsstelle aufzubauen und zu betreiben.

Quent zeichne sich neben seiner wissenschaftlichen Reputation auch durch seine gute Vernetzung innerhalb der Zivilgesellschaft in Thüringen aus, so die Stiftung. Er sei zudem er einzige Bewerber für die Stelle des Direktors gewesen.

Die Gründung der Dokumentationsstelle und die Vergabe der Trägerschaft an die Amadeu Antonio Stiftung sind umstritten. Die Opposition im Thüringer Landtag, CDU und AfD, kritisiert die geplante Schwerpunktsetzung auf Rechtsextremismus sowie die Tatsache, dass der Auftrag für das Projekt nicht ausgeschrieben wurde. In linken Kreisen wird hingegen bemängelt, dass mit der Amadeu Antonio Stiftung eine Organisation den Auftrag erhalten hat, die mit Sicherheitsbehörden zusammenarbeitet. In einem vergangene Woche publizierten offenen Brief verweisen mehrere linke Initiativen und Organisationen explizit auf die Tatsache, dass der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, im Stiftungsrat der Amadeu Antonio Stiftung ist. Zu den Unterzeichnern gehören die Berliner "Kampagne Blackbox Verfassungsschutz" und die Kölner Initiative "Keupstraße ist überall".

Die Dokumentationsstelle ist nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums ein Projekt des 2009 vom Landtag beschlossenen Landesprogramms für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit. Sie wird zunächst mit rund 207.000 Euro finanziert. Sie soll öffentlich zugängliche Informationen über "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" sammeln - also beispielweise über ausländerfeindliche Hetze und Propaganda - und wissenschaftlich auswerten. Der Thüringer Landtag wird sich am 11. August in einer Sondersitzung mit dem Thema beschäftigen.

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2016, 19:09 Uhr

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23 Kommentare

03.08.2016 10:06 Nachdenklicher 23

Ich finde es unsäglich, wie hier mit Steuergeldern umgegangen wird. Erstens wird eine Dokumentationsstelle eingerichtet, die auf dem linken Auge ganz offenkundig blind ist. Dann erfolgt keine Ausschreibung (mit dem Hinweis, es stand doch im Koalitionsvertrag, dass wir sowas beabsichtigen ... ???). Und dann wird die Direktorenstelle mit einem 30-jährigen Berufseinsteiger ohne jegliche Erfahrung besetzt, der dafür aber über eine "gute Vernetzung" in die "Zivilgesellschaft" (was ist das eigentlich? PDS? SED? ehemalige IM?...) verfügt. Und das hat alles überhaupt keinen Beigeschmack ...

02.08.2016 19:01 Deutschleerer 22

Gute Sache! Die Herr_Innen Konsensdemokraten von den "verschiedenen" Parteien koennen dem Volk gar nicht deutlich genug zeigen, auf wessen Seite sie stehen.