Engagement Thüringen-Gala im Zeichen des Mauerfall-Jahrestags

An vielen Orten in ganz Deutschland feiern die Menschen am Samstag. Sie feiern den 30. Jahrestag des Mauerfalls. In Thüringen hat am Freitag schon eine Veranstaltung den Auftakt zu den Feierlichkeiten gemacht. Das war die Thüringen-Gala mit rund 400 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie waren der Einladung der Thüringer Ehrenamtsstiftung in den Parksaal des Steigerwaldstadions gefolgt.

Stargast des Abends sollte eigentlich der erste und letzte demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR werden, Lothar de Maizière (CDU). Durch einen Sturz war der 79-Jährige allerdings kurzfristig verhindert. Trotzdem gab es für die Gäste der Gala einiges aus dem Kabinett de Maizière zu hören.

Ex-DDR-Regierungssprecher erinnert an Arbeitspensum

Moderator Peter Rüberg (links) und MDR-THÜRINGEN-Hörfunkchef Matthias Gehler bei der Thüringen Gala 2019 in Erfurt
Moderator Peter Rüberg (links) und MDR-THÜRINGEN-Hörfunkchef Matthias Gehler bei der Thüringen Gala 2019 in Erfurt Bildrechte: MDR/Katharina Melzer

Der ehemalige DDR-Regierungssprecher und heutige Hörfunkchef von MDR THÜRINGEN, Matthias Gehler, berichtete von der spannenden Zeit: "Es gingen täglich Tausende in den Westen. Die Verhältnisse mussten sich sofort ändern. Außenpolitisch war das Fenster knapp. Wir haben in diesen sechs Monaten in der Regierung 759 Vorlagen im Kabinett gehabt und 96 Gesetze verabschiedet. 150 Vorlagen wurden Verordnungen. Wir haben drei große Staatsverträge verhandelt und noch einiges mehr", so Gehler.

Ministerpräsident Bodo Ramelow erinnerte sich in seiner Rede an die emotionalen Eindrücke aus der Wendenacht, blickte aber auch auf die Zeit danach. Er kritisierte die Treuhand-Politik scharf als radikalen industriellen Schlag gegen die Ostdeutschen. Dafür habe es sicher Alternativen gegeben.

Ramelow lobte Thüringen dafür, sich schnell von diesen wirtschaftlichen Einschnitten erholt zu haben. "Thüringen hat sich viel stärker entwickelt als alle anderen Bundesländer, die aus der gleichen Lage kamen", so Ramelow.

Den 9. November bezeichnete er als Fest der Bürger, nicht der Regierenden. "Denn die hatten damit nichts zu tun", sagte er. Denen, die die Kraft hatten, sich vor der Staatsmacht nicht zu beugen, gebühre seine Hochachtung. Mit dem Blick auf die heute gelebte deutsche Einheit wünschte sich Ramelow einen neuen "Wind of change" für Deutschland und Europa. "Den haben wir wieder nötig, um den Demokratieverächtern nicht Deutschland und Europa zu überlassen", so der Ministerpräsident.

Neben dem Mauerfall stand auch das Ehrenamt im Mittelpunkt des Abends. Stellvertretend für alle Ehrenamtlichen, die in Thüringen tätig sind, zeichnete eine Jury drei sogenannte Engagement-Botschafter aus: die Erfurter Revierförsterin Uta Krispin, Frank Baumgarten von der Stiftung Landleben und den Bürgermeister von Ponitz, Marcel Greunke. Sie dürfen die Erlöse des Abends für ihre ehrenamtlichen Projekte ausgeben.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 09. November 2019 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2019, 15:07 Uhr

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