Tradition Thüringer Juden feiern Chanukka-Fest

In jüdischen Familien und Gemeinden wird seit Sonntag Chanukka gefeiert. Das Fest ist ein wichtiger Höhepunkt im Judentum. Symbolisiert wird es in vielen Häusern durch Kerzen-Leuchter im Fenster.

von Paul-Philipp Braun

Während thüringenweit die Weihnachtsmärkte geöffnet haben und allerorten zu Adventskonzerten eingeladen wird, feiern die rund 800 Angehörigen der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen ab Sonntag das Chanukka-Fest.

Alexander Nachama in der Synagoge in Erfurt
Alexander Nachama in der Synagoge in Erfurt Bildrechte: MDR/Paul-Philipp Braun

Dabei habe dieses Fest selber eigentlich nichts mit der weihnachtlichen Tradition zu tun, erklärt der Rabbiner der Landesgemeinde Alexander Nachama: "Zwar fällt Chanukka, das am 25. des jüdischen Monats Kislew beginnt und acht Tage dauert, meist in die Advents- beziehungsweise die Weihnachtszeit, trotzdem gibt es zwischen beiden Festen keine historischen Bezüge."

Dabei führt Nachama an, dass der Ursprung Chanukkas im Jahr 165 vor Christus läge. Damals hatte König Antiochius IV. von Syrien die Ausübung der jüdischen Religion verboten und den Tempel in Jerusalem entweiht. Erst nach einem erfolgreichen Aufstand durch die Anhänger Juda Makkabis konnte der Tempel wieder geweiht werden.

ein mehrarmiger Leuchter in der Synagoge in Erfurt
Ein neunarmiger Chanukka-Leuchter Bildrechte: MDR/Paul-Philipp Braun

Für Angehörige des jüdischen Glaubens sei Chanukka daher, so erklärt der Rabbiner, ein besonderes Freudenfest, das man auch gern nach außen tragen wolle. "Einige Juden stellen anlässlich des Festes ihre Chanukkia - also einen acht- oder neunarmigen Leuchter - ins Fenster, damit die Menschen sich an dessen Licht erfreuen können", sagt Alexander Nachama. Jener Leuchter sei von zentraler Bedeutung für das jüdische Hochfest, das auch als Lichterfest bezeichnet wird. Allabendlich wird, im Kreis der Familie, eine weitere Kerze des Leuchters entzündet, umrahmt von Gesängen und Gebeten. "Chanukka ist vor allem ein klassisches Familienfest, bei dem alle zusammenkommen und die Kinder hin und wieder sogar eine Kleinigkeit geschenkt bekommen", berichtet Alexander Nachama. Trotzdem betont der Rabbiner, dass der Brauch, kleine Geschenke zu machen, erst in der Neuzeit aufkam.

Eine öffentlich aufgestellte Chanukkia gibt es auf dem Erfurter Fischmarkt. Das erste Licht des symbolischen Kerzenständers wurde am Sonntag, dem 2. Dezember um 17 Uhr durch den Landesrabbiner entzündet.

Ein Chanukka-Leuchter auf dem Fischmarkt in Erfurt.
Am Erfurter Fischmarkt wurde am Sonntag das erste Licht des diesjährigen Chanukka-Festes entzündet. Bildrechte: MDR/Katrin Kurth

Angehörige der Landesgemeinde begehen das Fest zusammen mit Gästen aus Politik und Gesellschaft, darunter Ministerpräsident Bodo Ramelow und Vertreter der Kirchen, am 8. Dezember mit einem großen Chanukka-Ball im Erfurter Kaisersaal. Für Rabbiner Nachama ist dies ein positives Signal, zeige es doch, dass es vielen Menschen im Freistaat wichtig sei, dass jüdisches Leben in Thüringen aktiv gestaltet wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 02. Dezember 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2018, 18:32 Uhr

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