Es fehlen Ärzte und Pfleger Thüringer Krankenhäuser: Personalsuche wird mühsamer

Thüringer Krankenhäuser spüren Engpässe auf dem Arbeitsmarkt. Sowohl im pflegerischen Bereich wie auch in der Ärzteschaft werde es schwieriger, frei gewordene Stellen neu zu besetzen. Das ergab eine Umfrage von MDR THÜRINGEN unter Thüringer Kliniken.

"Es wandelt sich etwas", sagte etwa der Sprecher des Katholischen Krankenhauses, Till Haufs. So sei es inzwischen besonders schwer, alle offenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Grund hierfür sei vor allem der demographische Übergang, in dem geburtenschwache Jahrgänge zunehmend in den Arbeitsmarkt eintreten. Rund 25.000 Angestellte arbeiteten laut statistischem Landesamt Ende 2015 in den 44 Thüringer Krankenhäusern. Die Zahlen waren den vergangenen Jahren leicht angestiegen.

Helios Klinikum Erfurt
Helios Klinikum in Erfurt Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Die nun zunehmend spürbaren Personalprobleme treffen grundsätzlich alle Kliniken - egal ob kommunal, konfessionell gebunden oder konzerneigen. Ein wesentlicher Grund liegt in der zunehmenden Spezialisierung der Tätigkeitsfelder in der Medizin. Neue Technologien, Untersuchungsverfahren und Behandlungsmethoden haben zu einer Diversifizierung und Vielfalt in den Fachbereichen geführt. "Das erschwert es, immer den genau passenden Arzt oder Pfleger für den jeweiligen Fachbereich zu finden", sagt Ina Henning-Rußwurm, Regionalleiterin Personal der Helios Region Mitte. Hinzu kommt: "Die Gewinnung von Ärzten ist in den letzten Jahrzehnten mit gleichbleibend rund 10.000 Absolventenzahlen im Studienfach Medizin schwieriger geworden", so Henning-Rußwurm.

Karrierecenter für Ärzte

Längst müssen die Kliniken neue Wege einschlagen, wollen sie neue Fachkräfte gewinnen. So hat zum Beispiel Helios für die Region Mitte ein klinikübergreifendes Karrierecenter gegründet. Dessen Ziel ist es unter anderem, Ärzte als Mitarbeiter stärker an die Kliniken zu binden. Es begleitet und berät die Mediziner während ihrer Weiterbildung und eröffnet Perspektiven für eine ärztliche Karriere in dem Krankenhauskonzern. Im Aufbau ist derzeit eine vergleichbare Struktur für das pflegerische Personal.

Denn auch beim Pflegepersonal steht Helios - wie die Konkurrenz - vor wachsenden Herausforderungen. Auch diese Arbeitsplätze in den Kliniken werden abseits der Arbeit am Patienten immer anspruchsvoller. Beherrscht werden müsse IT und Krankenhaussoftware, Dokumentation, Kommunikation und Prozessorganisation, heißt es.

Antrittsgeld für Krankenschwestern

Das SRH Zentralklinikum Suhl zahlt sogar Antrittsgelder bei Unterschrift des Arbeitsvertrages. 3.000 Euro erhalte jeder Rettungssanitäter für den OP oder jede examinierte Krankenschwester, so eine Sprecherin. "Standen früher Bewerberinnen und Bewerber noch Schlange, arbeiten wir heute nicht nur mit Zeitungsannoncen, sondern auch mit Radiowerbung oder Werbung in den Sozialen Medien, um geeignete Personen zu finden."

Die Saalfelder Feengrotten werden am 30.06.2010 in Saalfeld (Thüringen) von Besuchern besichtigt.
Saalfelder Feengrotten: Freizeitangebote der Region sind ein wichtiger "weicher" Faktor. Bildrechte: dpa

Gerade abseits der großen Städte ist es mitunter Überzeugungsarbeit, Bewerber von den Vorzügen eines neuen Arbeitsplatzes zu begeistern. "Es wird in Vorstellungsgesprächen schon gefragt, was man an unseren drei Standorten in Rudolstadt, Saalfeld oder Pößneck nach 16 Uhr machen kann", sagt Stephan Breidt, Leiter der Unternehmenskommunikation in den Thüringen-Kliniken. Weiche Standortfaktoren wie Kitaplätze, Kulturangebot und Verkehrsanbindung seien wichtig, sagt er. Umgekehrt würden viele Mitarbeiter gerade einen Einstieg in kleinere, kommunal geführte Häuser suchen, weil sie die großen Klinikkonzerne in den großen Städten mitunter als unpersönlich empfinden würden.

Noch gelingt es laut Breidt auch hier, ausreichendes Personal zu gewinnen, "aber wir müssen mehr tun als noch vor Jahren". So präsentieren sich die Thüringen-Kliniken regelmäßig auf Jobmessen der Region oder biete Pflegern wie Medizinstudenten Praktika im Haus an. Aus-, Fort- und Weiterbildung werde auch hier bezahlt, die Mitarbeiter dafür bezahlt freigestellt. Bei den Thüringen-Kliniken habe man die Erfahrung gemacht, dass solche Angebote ebenso wichtig seien wie eine gute Bezahlung. "Wir zahlen nicht so viel wie in München, aber die Lebenshaltung hier ist auch günstiger", sagt Breidt. Das wissen die Bewerber.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 08.07.2017 | Nachrichten | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2017, 12:04 Uhr

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15 Kommentare

09.07.2017 19:44 Anonymous 15

Ich werde garantiert nicht jammern wenn er wieder nach Syrien geht wo er wie gesagt viel dringender gebraucht wird. Und warum kann er denn dort nicht praktizieren? Der IS ist fast besiegt und es gibt schon viele Gebiete in Syrien in denen Frieden jetzt herrscht. Oder Gebiete in denen sogar syrische Flüchtlinge Urlaub machen (die anerkannten Medien berichteten). Die staatlich finanzierten Kurse sind sicherlich nicht nachteilig für ihn. Allerdings sollte dies nicht das Pauschlrecht darstellen um für immer in D zu bleiben. Denken sie doch mal an die Zustände die in Syrien herrschen werden wenn D zB. alle Ärzte abwirbt. Machen sich dann nicht die Befürworter mitschuldig wenn dort durch mangelnde medizinische Betreuung Kinder, Alte und Schwache sterben? Oder interessieren Sie diese Menschen nicht? Dann wäre es eine verantwortungslose Doppelmoral die an den Tag gelegt wird

09.07.2017 18:40 Petra Stein 14

Sie sind angeblich: "deutsch, Mitte, parteilos, gebildet, weitblickend und heimatverbunden" - genau all das bin ich auch, und zwar tatsächlich. Ich setze mich hier für mein Land Thüringen und die hiesige Gesundheitsversorgung ein.

Dagegen ist es überhaupt nicht heimatliebend und weitblickend, dass Sie einem Augenarzt lieber in Syrien, wo er gar nicht praktizieren kann, sehen wollen als in Erfurt, wo ein ganz erbärmlicher Ärztemangel herrscht. Im Übrigen hat er eine Aufenthaltsgenehmigung und alle Sprachkurse bis C1 (auf Staatskosten!) absolviert. Und jetzt soll er hier nur rumsitzen? Dann jammern Sie aber nicht, wenn er a. weiter Geld kostet oder b. lieber nach Hessen abwandert, wo das Berufsanerkennungsgesetz flexibler ist (oder gehandhabt wird).

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