Nord-Süd-Stromautobahn Thüringen macht Front gegen SuedLink

Thüringens Landesregierung will sich mit allen Mitteln gegen die geplante Gleichstromleitung SuedLink wehren. Sie soll den Westteil des Landes durchqueren. Der vom Netzbetreiber Tennet geplante Trassenverlauf sei inakzeptabel, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow am Dienstag in Erfurt.

Das gesamte Kabinett werde dagegen politisch, notfalls auch juristisch kämpfen, kündigte der Regierungschef an. Es könne nicht sein, dass drei von vier neuen Stromtrassen zum Transport von Windstrom aus dem Norden zu den Verbrauchern im Süden durch Thüringen führten. Auch das Kanzleramt wolle er einschalten. Er habe den Eindruck, Tennet habe die Trassenführung überraschend nach Thüringen verlegt, weil das Unternehmen mit größerem Widerstand in Westdeutschland rechne, sagte Ramelow weiter. Die CDU als größte Oppositionsfraktion im Thüringer Landtag signalisierte Unterstützung beim Widerstand gegen die SuedLink-Trasse.

Mein Tag ohne Strom
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Auf der Karte sind ausschnittsweise die Vorschläge zu möglichen Korridoren zu sehen, die Thüringen berühren. Die Korridore sind als schematisch anzusehen und sind in den Details (< 10 km) nur angenähert. Quelle: TenneT.

Umweltministerin Anja Siegesmund forderte, dass strengere Planungskriterien angelegt werden müssten. Die Trasse müsse weg vom Grünen Band, raus aus dem Biosphärenreservat Rhön und näher ran an die Autobahn 7, die von Nord nach Süd an Thüringen vorbei durch Hessen führt.

Besser geht's mit 50 Hertz

Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels für die Stromtrasse SuedLink.
Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Positiver als die Zusammenarbeit mit Tennet bewerteten die Regierungsvertreter die Kommunikation mit dem Stromnetzbetreiber 50Hertz, der die Trasse "Südostlink" im Osten des Freistaats plant. 50Hertz habe auf Kritik reagiert und sorge für mehr Transparenz und Information, hieß es in Erfurt. Auch die Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) lehnt den Bau der SuedLink-Trasse durch Thüringen ab. Es bestehe bereits die "Thüringer Strombrücke" des Netzbetreibers 50Hertz. Der Bau einer weiteren Trasse führe zu noch höheren Netzentgelten. Bereits jetzt sei Thüringen von überdurchschnittlich hohen Netzentgelten betroffen, teilte die IHK weiter mit.

Die Bundesnetzagentur hat mit Unverständnis auf die Kritik der Thüringer Landesregierung reagiert. Pressesprecherin Carolin Bongartz sagte MDR Thüringen, ob die Trasse tatsächlich einmal durch Westthüringen führen werde, sei vorläufig weiter offen. Verantwortlich für die Planung der neuen Gleichstromtrassen sind der Bund und die Bundesnetzagentur. Am 29. November hat die Frist der ersten Beteiligungsphase geendet. Im Frühjahr 2017 beginnt mit dem offiziellen Antrag des Netzbetreibers die erste Phase der offiziellen Planung.

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2016, 19:30 Uhr

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11 Kommentare

01.12.2016 09:04 Martin Holgert 11

Woran liegt es das die Entrüstung der Linken und Grünen in Thüringen über solche Pläne nur in West-Thüringen so hoch ist,dagegen über Pläne in Ost-Thüringen regelrechte Freudentänze aufgeführt werden? 50Herz und Windenergie-Vorranggebiete? Wohnen welche von den Politikern die solche Sachen beschließen, oder besser "durchboxen" in den von 50 Herz und Windenergie-Vorranggebiete betroffenen Gegenden?

30.11.2016 14:11 der_grenzgänger 10

Natürlich haben die gewählten Vertreter in den Landesregierungen das Recht, nein sogar die Pflicht, sich dazu zu positionieren! Und selbstveständlich müssen erst einmal die Netz- und Stromkosten gleichmäßig auf alle Regionen und Städte in Deutschland verteilt werden. Und ebenso auf Unternehmen! Es ist ein Unding, dass "wir" hier in Thüringen mehr für Netze und Strome bezahlen müssen, obwohl "wir" einen Großteil der Leitungen haben. Wenn sich wieder alle mal nach den Querulanten aus Bayern richten sollen, dann bitte nur mit Gegenleistung. Und durch das Biosphärenreservat Rhön und Naturschutzgebiete eine Megaleitung zu bauen ist schändlich.