Waldschäden in Thüringen Kampf gegen Borkenkäfer: Forstwirtschaft setzt zusätzliche Waldarbeiter ein

In Thüringens Wäldern helfen Waldarbeiter aus mehreren europäischen Ländern. Der Sprecher der Landesanstalt "Thüringenforst", Horst Sproßmann sagte MDR THÜRINGEN, die Thüringer Kapazitäten seien weitgehend ausgereizt bei der Aufarbeitung der Borkenkäfer-Schäden.

Im Freistaat gibt es knapp 350 private Forstunternehmen. Meist handelt es sich um Mittelständler und Kleinbetriebe. Laut Sproßmann kommt Abhilfe von einem gut funktionierenden europäischen Dienstleistungsmarkt. Professionelle Forstleute etwa aus Tschechien, Norwegen, England und Frankreich seien immer wieder zum Einsatz gekommen - etwa nach dem Sturm Kyrill, als 30 Millionen Festmeter Holz geräumt werden mussten. Damals waren Forstleute aus diesen Ländern im Landeswald im Einsatz.

Waldarbeiter fällen Bäume im Wald
Waldarbeiter bei der Arbeit an einem gefällten Baum (Archivbild) Bildrechte: colourbox.com

"Das System ist immer relativ ähnlich", sagt Sproßmann. "Die gehen mit großen Forstmaschinen in die Bestände 'rein, bei Nadelholz mit Harvestern zu Dutzenden. Dazu stellen sie Trupps von Waldarbeitern mit Motorsägen." Es seien routinierte Unternehmer mit wenig Personal und großen Maschinen. Sproßmann erwartet Ähnliches in diesem Jahr. Die Forstanstalt selbst will ebenfalls zusätzliches Personal einstellen.

Auch der Forstunternehmerverband Thüringen beklagt, dass in Deutschland kaum Mitarbeiter zu finden seien für die körperlich schwere Arbeit im Wald. Einer der größeren Betriebe ist der von Manfred Schmid in Effelder im Eichsfeld. Er verfügt über einen Vollernter und drei Rückemaschinen und hat in seinem Unternehmen bis zu zehn Forstarbeiter beschäftigt. Jetzt setzt er auf zusätzliche Unterstützung aus der Slowakei.

Aber auch aus Rumänien, Ungarn und westlichen EU-Ländern kommen professionelle Arbeitstrupps, um die riesigen Mengen Schadholz aufzuarbeiten. Der sogenannte motor-manuelle Einschlag - also das Fällen mit der Motorsäge - ist harte Arbeit. Die Dienstleister bieten sich europaweit an. Je größer der Bedarf ist, um so höhere Preise können sie für ihren Einsatz verlangen. Laut Schmid wird die Arbeit mit geschädigten Buchen zunehmend zum Risiko für die Waldarbeiter. Die Buchen würden im Trockenstress große Äste und manchmal die ganze Krone abwerfen. Für die Männer an der Motorsäge ist der Einsatz beim Fällen lebensgefährlich. Schmid will in den nächsten Tagen testen, ob ein Käfig aus Metall seine Arbeiter vor der Gefahr von oben schützen könnte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 05. August 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. August 2019, 10:49 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

05.08.2019 16:22 filou 5

Auch in Sachsen-Anhalt's Forstämtern bzw. Landesforstamt wird nicht richtig bezahlt, da müssen die Leute für ihnen zustehenden Zuschläge kämpfen. Zum zweiten haben Sie in Ihrer Ausbildung, das fällen von Bäumen ect. erlent und dürfen es jetzt selbst nicht ausüben, sondern wird durch Fremdfirmen erledigt. Zum dritten, soll das Arbeitsklima zum Teil erschreckend sein.
Wenn die Leute Ihre zustehenden Zuschläge einfordern oder Dinge ansprechen, die es zu verbessern gibt, wird Ihnen zum Teil mit Kündigung gedroht.Da brauch man sich nicht wundern, das die Leute abhauen . Ordentliche und Pünktliche Bezahlung, für ordentliche und schwere Arbeit ! Punkt ! Und wenn die alteingesessenen Büroleute das nicht kapieren möchten/wollen, sollten Sie Ihren Platz räumen und jüngeren, motivierenden Leuten die Chance geben, etwas zu verändern und zu verbessern.

05.08.2019 15:35 martin 4

@3 m: So ganz unrecht hat #1 sachse43 nicht. Auch bei Thüringen Forst ist der Facharbeitermangel z.T. hausgemacht bzw. "von oben verordnet".

Die Landesforst wurde zu lange primär als Einnahmequelle gesehen und entsprechend "betriebswirtschaftlich optimiert" - sprich Stellen wurden abgebaut, weil Subunternehmen das angeblich wirtschaftlicher machen. Das mag im Normalfall vielleicht sogar stimmen. Aber ich behaupte, dass den Einsparung nun Zusatzkosten in mehrfacher Höhe gegenüber stehen. Es wird gespart - koste es, was es wolle!

Mehr aus Thüringen

Steffen Quasebarth im Hörfunkstudio 1 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN