Soziologische Langzeitstudie Thüringen-Monitor: Antisemitismus nimmt zu

Immer mehr Menschen in Thüringen stimmen antisemitischen Thesen zu. Das geht aus dem aktuellen "Thüringen-Monitor" hervor. Politiker sehen das mit Sorge.

Ein durchgestrichener Davidstern ist an einer Gedenkstätte am Nordbahnhof in Berlin zu sehen.
Antisemitisches Graffiti - hier am Nordbahnhof in Berlin. Bildrechte: dpa

In Thüringen haben sich antisemitische Haltungen verstärkt. Das geht aus Untersuchungen für den diesjährigen Thüringen-Monitor hervor. Demnach stimmen 16 Prozent der Thüringer der Aussage zu, Menschen jüdischen Glaubens hätten etwas besonderes an sich "und passen nicht so recht zu uns". Bei der Studie 2018 hatten dieser Aussage nur neun Prozent der Thüringer zugestimmt.

Politik reagiert besorgt

Die Linke in Thüringen hat den wachsenden Antisemitismus im Freistaat als "äußerst bedenklich" bezeichnet. Linke-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow sagte MDR THÜRINGEN, Vorurteile und die Abwertung von Menschen aus rassistischen Motiven stellten für die Demokratie ein großes Gefahrenpotential dar.

Auch die Thüringer FDP reagierte besorgt. Parteichef Thomas Kemmerich sagte MDR THÜRINGEN, Antisemitismus sei offenbar eine "unausrottbare Seuche". In Thüringen müsse jeder nach seiner Fasson glücklich werden können, solange er sich auf dem Boden des Grundgesetzes befinde und Achtung und Respekt vor seinen Mitmenschen zeige.

Grünen-Fraktionschef Dirk Adams sprach von einem "großen Alarmzeichen". In den letzten Jahren sei die Grenze des Unsagbaren immer weiter verschoben worden, der Antisemitismus werde dadurch der Gesellschaft tröpfchenweise verabreicht.

Laut dem Thüringen Monitor der Friedrich Schiller-Universität Jena steigt im Freistaat die Zahl der Thüringer, die Menschen jüdischen Glaubens ablehnen. Demnach sind 16 Prozent der Befragten der Ansicht, Juden würden nicht zur Gesellschaft passen. 2018 hatten dieser Aussage nur neun Prozent zugestimmt. Besonders Facharbeiter vertreten immer häufiger kritische Einstellungen gegenüber Juden. 24 Prozent der Thüringer sind laut der Studie zudem rechtsextrem eingestellt.

Der vollständige Thüringen Monitor wird Anfang Dezember von der Landesregierung vorgelegt. Diese Studie wird seit dem Jahr 2000 regelmäßig erstellt und erfasst politische Einstellungen der Thüringer.

Die AfD stellt die aktuellen Ergebnisse des Thüringen Monitors in Frage. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Stefan Möller, sagte MDR THÜRINGEN, die Daten der Studie entsprächen "den politischen Absichten des Auftraggebers" und passten damit in die Agenda der rot-rot-grünen Koalition. Zudem sei die Behauptung, 24 Prozent der Thüringer seien rechtsextrem, der Versuch, die Wähler der AfD zu diffamieren.

Quellen: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. November 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 18:25 Uhr

7 Kommentare

der_Silvio vor 13 Wochen

Da haben Sie vollkommen Recht!
Nur wären die Ursachen bzw. die Motive des Antisemitismus nicht minder Interessant.
Denn allzuoft wird vermittelt, das dies ein Alleinstellungsmerkmal der rechten Ecke ist – ist es aber nicht.
Siehe dazu der Artikel 'Antisemitische Straftaten95 Prozent rechtsextreme Täter?' von Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen.

part vor 13 Wochen

Nun werden ja sehr gern die Kritik am Apartheitssraat Israel und antijüdischer Grundstimmungen unter nationalisischen Personengruppen gern in einen Topf geworfen und gleichsam verurteilt, auch teilweise ohne Unterscheidung durch die neuen Opfer oder eine Presselanschaft, die gesellschaftspolitisch mehr der duklen Seite der Macht verschrieben ist. Mehr neuer Aberglaube stößt aber nicht unbedingt auf die Zustimmung in einer säkulären Gesellschaft, zudem sich gerade der Islam bei uns zu patizipieren beginnt und sich eine zunehmende Assimillierung abzeichnet. Die Gesellschaft auf diesen Planeten wird mulikutureller aber nicht mit einer neuen totalitären Politik und Abstimmungsverhalten außer der Norn bei der UNO.

Normalo vor 13 Wochen

Nö. 16 Prozent meinen Juden passen nicht recht zu uns. Deshalb. Hä? Weil sie... Was genau? Thora lesen? Beschnitten sind? Kippa tragen? Alles irrationaler Mist. Über solches Denken kann man nur den Kopf schütteln.

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