Symposium in Erfurt Cyberkriminelle auch für Thüringer Unternehmen gefährlich

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Cornelia Hartmann

Der Staubsauger fährt allein los, wenn der Teppich schmutzig ist. Die Toilette misst, was sie bekommt und sagt uns, ob wir gesund sind. Und der Herzschrittmacher ist direkt mit dem Kardiologen verbunden, damit der eingreifen kann, wenn es kritisch wird. Alles ist mit allem vernetzt - und damit angreifbar. Was privat ärgerlich ist, kann für Unternehmen existenzgefährdend sein.

In einem Computer stecken Kabel
IT-Netzwerke von Unternehmen sind zunehmend das Ziel von Cyberkriminellen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Digitale Wirtschaftsspionage - Thüringens Wirtschaft im Fokus fremder Staaten" - das Thema eines Symposiums von Verfassungsschutz Thüringen und IHK am Montag in Erfurt stieß deshalb auf großes Interesse. Gekommen waren Innen- und Wirtschaftsminister, Rechnungshofpräsident, Polizeipräsident, Vertreter der Sicherheitsbehörden, der Justiz und viele Unternehmer.

Man wolle die Unternehmer sensibel machen und Ansprechpartner vorstellen, sagte die Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt, Cornelia Haase-Lerch. Ziel der Veranstaltung sei zudem, die Hemmschwelle zu senken, denn viele Betroffene machten aus Scham einen Cyberangriff nicht öffentlich.

Nicht nur sensible Daten werden abgegriffen, bekannt sind auch Fälle, in denen Cyberkriminelle die Rechnersysteme ganzer Unternehmen lahm legen und dann Lösegeld in Form von Bitcoins verlangen. Das mache es schwierig, die Angreifer zu finden, hieße es. Bisher war der neuralgische Punkt die Lösegeldübergabe. Doch auch die laufe inzwischen digital ab.

Schutzschirm für Unternehmen schaffen

Michael George vom Cyber-Allianz-Zentrum Bayern
Michael George Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir fahren mit Vollgas in die Digitalisierung und wissen nicht so genau, ob wir auch eine Bremse haben, sagte Michael George vom Cyber-Allianz-Zentrum Bayern. Große Unternehmen leisteten sich Abteilungen zum Schutz vor Cyberangriffen, kleine und mittlere Unternehmen könnten das nicht. Denkbar, so George, sei ein Art Schutzschirm für diese Unternehmen, der allerdings mit Hilfe der Politik etabliert werden müsse. Er plädierte zudem für mehr Aus-und Fortbildung. Man dürfe der IT-Technik nicht das Feld überlassen, nur weil man da nicht so viel davon verstehe. George: "Wir müssen die Kontrolle über die Systeme zurückbekommen".

Für Software gebe es keine Produkthaftung. Es habe sich über die Jahre etabliert, dass wir Software mit Sicherheitslücken akzeptieren, das gebe es mit keinem anderen Produkt der Welt. "Da würden wir immer die Qualität des Produktes in Frage stellen und den Anbieter wechseln, bei Software ist uns das nicht möglich, das haben wir akzeptiert", so George. Es brauche eine Diskussion darüber, dass man das nicht mehr akzeptiere, da müsse sich allerdings das Verständnis ändern.

Ein einheitliches EU-Recht könne da hilfreich sein, sagte Innenminister Georg Maier. Europa sei ein großer Markt, das könnten die großen Internetkonzerne nicht einfach ignorieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 19:13 Uhr

2 Kommentare

martin vor 6 Tagen

Zunächst einmal: Komplexe Systeme sind in den seltensten Fällen fehlerfrei und es hat schon immer Ganoven gegeben, die das ausnutzen. Absolute Sicherheit gibt es nicht - da bin ich mir absolut sicher. Kann man bspw. ja auch bei Alarmanlagen (nicht nur der häuslichen) sehen - es wird trotzdem geraubt.

Beim (Ver-)Kauf frage ich mich auch, weshalb alle Welt unbedingt die Produkte von Microsoft, Google, Apple & Co kauft - mit dem Wissen, dass die Sicherheit nicht unbedingt optimal ist.

Für die Sicherheit seiner Computer ist jeder auch selbst verantwortlich. Wer sein Haus nicht abschließt oder das Auto mit steckendem Zündschlüssel vor dem Supermarkt stellt, braucht eigentlich nicht nach dem Staat zu rufen. Bei Computer ist das im Prinzip nicht anders.

Die Polizei versucht die Verbrecher zu fangen - wie bei anderen Delikten auch. Und die Justiz kann nur aburteilen, was mit hinreichenden Beweisen angeklagt wird.

Leachim-21 vor 6 Tagen

bei diesen Artikel kommt bei mir die Frage auf was tut eigentlich die Justiz ; die Polizei und die Geheimdienste dagegen. nur warnen reicht mir als Bürger nicht . oder warum werden Produkte hier verkauft die Sicherheitslügen haben bei Hardware und Software

Liebe Nutzer*Innen, wir haben unseren Kommentarbereich weiter entwickelt! Grundlage dafür waren auch die vielen konstruktiven Hinweise von Ihnen, wie z.B. zu doppelten Nutzernamen und das direkte Antworten auf einzelne Kommentare. Um nun mitzudiskutieren, registrieren Sie sich mit einer funktionierenden E-Mail-Adresse und klicken den Bestätigungslink an. Dann sollte es schon losgehen.
Einmal eingeloggt, können Sie in allen kommentierbaren Artikeln bei MDR.DE mitdiskutieren, können Ihre Kommentare verwalten und jederzeit einsehen. Wir können besser in die Diskussion kommen, Kommentare können von Ihnen bewertet und auch beantwortet werden, es ist ein übersichtlicherer Austausch möglich. Kommentare funktionieren in allen modernen Browsern. Gegebenenfalls müssen Sie ihren Browser aktualisieren.

Mehr aus Thüringen

Wanderer am grünen Band Thüringen 1 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN