Nato-Manöver in Osteuropa US-Militärkonvois rollen durch Thüringen

Durch Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen werden von Dienstag an Dutzende Militärtransporte der US Army rollen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN verlegen die US-Streitkräfte rund 2.000 Fahrzeuge und mehrere Tausend Soldaten für Manöver nach Litauen. Die Transporte sollen vor allem auf dem Schienenweg erfolgen. Jedoch werden rund 280 Lkw und andere Fahrzeuge auf der Straße nach Polen rollen. Hauptrouten sind dabei nach MDR-Informationen die Autobahnen 9 und 72. An der A9 soll die Raststätte Hermsdorfer Kreuz Ost als Zwischenstopp zum Auftanken genutzt werden.

US-Militärfahrzeuge fahren nahe Brück (Brandenburg) auf der Straße eines Truppenübungsplatzes.
Konvoi des US-Militärs Bildrechte: dpa

Laut Bundeswehr werden bis Anfang Juni täglich mehrere Konvois mit jeweils bis zu 70 Fahrzeugen auf der A9 von Bayern über Thüringen und Sachsen-Anhalt nach Norden rollen. Über den Berliner Ring fahren die US-Konvois weiter nach Polen. Nach MDR-Informationen soll eine weitere Transportroute von Bayern über die Autobahnen 72 und 4 durch Sachsen nach Tschechien führen.

Die Truppenbewegungen sind Teil des Nato-Manövers "Saber Strike 18" in Litauen. Wie eine Sprecherin des Hauptquartiers der US Army Europe in Wiesbaden MDR THÜRINGEN mitteilte, werden dafür rund 7.000 Mann und 2.000 Fahrzeuge nach Osteuropa gebracht. Die Truppen würden von den Übungsplätzen Grafenwöhr und Vilseck über Deutschland, Tschechien, Polen und Lettland nach Litauen verlegt.

"Atlantic resolve": Truppen-Verlegung von USA nach Europa

Parallel dazu bringt die US Army im gleichen Zeitraum rund 3.300 Mann, 400 Kettenfahrzeuge, 980 Radfahrzeuge und 350 Anhänger der 1st Armored Brigade und der 1st Cavalry Division nach Polen. Dabei handelt es sich um die Übung "Atlantic Resolve". Hierbei trainiert das US-Militär die Verlegung größerer Truppenverbände von den USA nach Osteuropa und wieder zurück innerhalb kurzer Zeit. Truppen und Ausrüstung kommen laut US Army aus Fort Riley in Kansas und sollen auf dem Seeweg nach Europa transportiert werden. Sie würden in den nächsten Tagen im belgischen Antwerpen ankommen und dann per Bahn, Binnenschiffen und durch Speditionen und in eigenen Konvois auf der Straße nach Polen transportiert, teilte die Sprecherin des US-Militärs mit. Laut Bundeswehr sind Thüringen und Sachsen von diesen Straßen-Transporten aber nicht betroffen.

Das Verlegen größerer Verbände nach Europa hatte das US-Militär nach Ende des Kalten Krieges kaum trainiert. Seit Beginn der Ukraine-Krise und wachsenden Spannungen mit Russland verstärkt die Nato jedoch ihre Aktivitäten in Osteuropa. So führt das US-Militär seit 2011 jedes Jahr das Manöver "Saber Strike" im Baltikum und in Polen durch. Seit 2017 sind drei Nato-Bataillone in den baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland stationiert. Das Bataillon in Litauen wird von der Bundeswehr geführt. Dort waren in den vergangenen Monaten auch Einheiten des Panzerbataillons 393 aus Bad Frankenhausen und des Panzerpionierbataillons 701 aus Gera im Einsatz.

Da die Aktivitäten der Nato in Polen und im Baltikum als Übungen deklariert sind, müssen die dort eingesetzten Truppen regelmäßig ausgetauscht werden. Hintergrund ist die 1997 zwischen Russland und der Nato vereinbarte Nato-Russland-Grundakte, in der sich das westliche Militärbündnis verpflichtete, nur in begrenztem Umfang Truppen in den osteuropäischen Nato-Staaten zu stationieren. Deshalb sei in Zukunft häufiger mit Militärtransporten durch Ostdeutschland zu rechnen, heißt es bei der Bundeswehr.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatten wir geschrieben: "Hintergrund ist der 2+4-Vertrag, der keine dauerhafte Präsenz von Nato-Truppen in ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten gestattet." Das ist nicht korrekt: Der 2+4-Vertrag bezieht sich ausschließlich auf Deutschland. Er gestattet keine dauerhafte Stationierung von Nato-Truppen auf dem Gebiet des ehemaligen Warschauer-Pakt-Staats DDR, also in Ostdeutschland. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Mai 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2018, 13:46 Uhr

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75 Kommentare

24.05.2018 13:46 martin 75

@71Matthias: Eine Nummer kleiner haben Sie es gerade nicht?

Einen NATO-Truppentransport durch Deutschland als "Barbarossa 2" zu werten, ist schon eine interessante Position.

Und die russischen Zaren, die Sowjet-Führer und russischen Präsidenten betrieben / betreiben eine völlig friedliebende Politik und sichern ihre (Rohstoff-) Interessen notfalls nicht auch militärisch?

Und Merkel führt D geradewegs in einen dritten Weltkrieg?

Die tatsächliche Bedrohung geht meiner Meinung nach von Positionen aus, die die eine Seite für "gut" und die andere Seite für "böse" erklären. Solche Muster eskalieren Konflikte statt Wege für Lösungen einer friedlichen Koexistenz zu bereiten.

Und die NVA-Generäle von Moskaus Gnaden hatten in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht recht. Wer Panzer gegen das eigene Volk auffährt, auffahren lässt oder dies begrüßt, hat jegliche moralische Beurteilung verloren.

24.05.2018 13:23 martin 74

@68 Mediator: Es erscheint mir höchst unwahrscheinlich, dass die über Jahrzehnte kaputt gesparte Bundeswehr in kurzer Zeit saniert werden kann. Deshalb gilt es Prioritäten zu setzen. Und die sehe ich eindeutig in der Landesverteidigung, weil
1.) dieser Bereich seit den 90er Jahren stark vernachlässigt wurde
2.) sich Nachbarn von derartigen Aktivitäten nicht so provoziert fühlen, wie von einer auf offensive Fähigkeiten ausgerichteten Modernisierung / Aufrüstung.

Und in Sachen "Provokation" unterscheiden sich die USA und Rußland aktuell nach meiner Wahrnehmung nicht wirklich viel.

@70 part: Ich stimme Ihnen zu, dass sich Rußland das mit der NATO-Osterweiterung sicher nicht so vorgestellt hat. Andererseits hat Rußland die Flucht der ehemaligen Republiken in die Arme(e) der NATO durch sein Verhalten aber auch deutlich forciert und braucht sich daher nach meiner Meinung nicht wirklich darüber aufregen.

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