Die die Fäden ziehen, bleiben im Hintergrund

In ihrer Antwort auf die Frage von MDR THÜRINGEN, wer die Gründung von Bürgerenergiegesellschaften wie der in Kölleda initiiert hat, bleibt die Firma UKA in Meißen vage. Es habe Fragen von Partnern aus der Region gegeben, nachdem UKA in der Frühjahrsausschreibung der Bundesnetzagentur für kein einziges Projekt einen Zuschlag bekommen hatte.

Die Firma beschreibt ihr Engagement in der Region als Unterstützung. Man stehe Bürgerenergiegesellschaften als professioneller Windparkentwickler zur Seite. Die von UKA gegründete Komplementärgesellschaft UGE halte weder Stimmrechte noch Kapitalbeteiligungen an den diesen Gesellschaften. "Ihr Beitrag liegt in der Führung der Geschäfte der Gesellschaft", heißt es in einer E-Mail an MDR THÜRINGEN. Und weiter: "Die Partnerschaften und deren Ausgestaltung stehen voll im Einklang mit den Regelungen des EEG. All dies wird umfangreich und im Detail von der Bundesnetzagentur geprüft."

UKA erklärt indirekt, warum man "Partnerschaften" mit den Bürgerenergiegesellschaften einging sind: "Sie brauchen keine … Genehmigung (nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz) und können mit Windenergieanlagen planen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt marktreif werden. Außerdem haben sie zwei Jahre länger Zeit für die Verwirklichung des Projekts. Das führt zu einer andauernden Wettbewerbsverzerrung. … 'Nicht-Bürgerenergiegesellschaften' haben aktuell eine äußerst geringe Chance auf Zuschlagserteilung." Man hat sich die Vorteile gesichert, die das EEG Bürgerenergiegesellschaften einräumt.

Auf einer Landkarte ist eine Fläche rot markiert, daneben sind einige Punkte markiert.
Den Zuschlag für fünf weitere Windräder - hier blau markiert - ht die Umweltgerechte Bürgerenergie Kölleda GmbH & Co KG bekommen. Auf der rot gekennzeichnete Fläche stehen bereits über 40 Anlagen. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Vor UKA hatten schon andere Projektierer auf dieses Modell gesetzt und bei der ersten Ausschreibung der Bundesnetzagentur viele Zuschläge eingesammelt. UKA zog nach und hat sich mit seinen Bürgerenergiegesellschaften 2017 insgesamt - die Ergebnisse der Herbstausschreibung inklusive - von den 34 Förder-Zusagen, die nach Thüringen gingen, 33 gesichert. Diese Gesellschaften existieren erst seit ganz wenigen Monaten. Sie haben weder Ansprechpartner in der Region noch eigene Webseiten.

Die offen für alle sind, wollen das Gesetz ändern

Von den über 40 Bürgerenergie-Genossenschaften in Thüringen sind dagegen einige schon vor sieben Jahren gegründet worden. Sie sind demokratisch organisiert und offen für alle Bürger, die sich in der Region für erneuerbare Energien engagieren und Geld anlegen wollen. Landbesitz ist dafür vollkommen unwichtig. Mit einem Betrag zwischen 500 und 1.000 Euro kann man bereits Mitglied werden.

Der Vorsitzende des Dachverbandes der Thüringer Bürgerenergiegenossenschaften, Prof. Reinhard Guthke findet, solche Zusammenschlüsse von Bürgern sollten Windräder auch ohne Ausschreibung bauen dürfen. "Als Interessenvertreter von Energie in Bürgerhand  fordern wir beim Gesetzgeber ein, dass das EEG an dieser Stelle geändert wird", sagt er. Nach EU-Recht sei das möglich. Man rede hier ja von Projekten mit höchstens drei Windrädern. Mit Blick auf Bürgerenergiegesellschaften wie jene in Kölleda sagte er: "Dort profitieren vor allem UKA und die Landbesitzer. Hier wird der Begriff Bürgerenergie so richtig missbraucht."

Porträt eines Mannes
Probleme mit dem Siegel für UKA: Dieter Sell von der Thüringer Energie- und Greentec-Agentur ThEGA Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Missbrauch des Begriffs Bürgerenergie mit juristisch völlig einwandfreien Mitteln. Das hat die Servicestelle Wind bei der Thüringer Energie- und Greentech-Agentur ThEGA vor ein echtes Problem gestellt. Von dort hatte UKA im Juni 2016 das Siegel "Partner für faire Windenergie" verliehen bekommen. ThEGA-Geschäftsführer Prof. Dieter Sell sagt: "Nachdem die von UKA initiierten Bürgerenergiegesellschaften in Thüringen viele Zuschläge bekommen hatten, haben wir bei den Gemeinden vor Ort nachgefragt. Niemand kannte diese Gesellschaften. Wer unser Siegel bekommt, verpflichtet sich aber, von Beginn an Bürger und Kommunen in der Region einzubeziehen. UKA hat das in diesen Fällen nicht getan. Darauf haben wir die Firma in einem Gespräch hingewiesen." Einen Tag später gab UKA der ThEGA das Siegel zurück.

In Großneuhausen bei Kölleda haben die Bürger gesagt: 45 Windräder zwischen unseren Dörfern sind genug. An ihnen vorbei haben UKA und die von der Firma initiierte Gesellschaft unter dem Aushängeschild Bürgerenergie den Zuschlag für weitere fünf bekommen. In Werther bei Nordhausen haben sich Bürger zusammengetan und gesagt: Wir wollen einen Bürgerwindpark vor den Toren der Gemeinde und alle, die wollen, sollen davon profitieren. Als echtes Bürgerenergie-Projekt haben sie im Preiswettbewerb mit UKA und den von der Firma initiierten Gesellschaften keine Chance. In beiden Orten hoffen Bürgermeister und Gemeinderäte, dass dies nicht das letzte Wort war.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2017, 18:49 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

26.11.2017 18:45 Thüringer Original 4

@G. Knoll: Wille des Gesetzgebers war es, dass der Bürger, der kein Land besitzt, welches er an die Betreiber der Windkraftanlagen gewinnbringend verpachten kann, auch von der Windkraft profitiert (Ausschüttungen, wenn die Genossenschaft Überschüsse erzielt), da der Bürger schon "seine" Landschaft verschandeln lassen muss. Dem wirken solche "schein Genossenschaften, Gmbh & Co KGs" entgegen, da nur die bereits Reichen und die Verpächter profitieren.

@augu: Das kann das Dorf schon, nur bleibt fraglich, ob sie das gewinnbringend können.

25.11.2017 14:47 augu 3

Einspeisevergütung um die 4 Cent/kWh und auf der Rechnung des Versorgers stehen incl.USt 30 Cent.
Kann das Dorf nicht eine Eigenversorgung wie bei der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach betreiben ?

Mehr aus Thüringen