Geringe Spendenbereitschaft Blutspender in Thüringen gesucht - Es mangelt an Nachwuchs

Die Masse der 50.000 Thüringer Blutspender beim Deutschen Roten Kreuz ist über 50 Jahre alt. Zu wenige junge Spender rücken nach. Auch dies ist Thema bei der Auszeichnung der DRK-Jubiläumsspender am 2. November im Parksaal des Steigerwaldstadions in Erfurt.

Sabine Hirschfeld betreut als ehrenamtliche Helferin Blutspender des DRK.
Sabine Hirschfeld betreut als ehrenamtliche Helferin Blutspender des DRK. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter-Kallwitz

"Erst wenn's fehlt, fällt's auf." So lautete der Slogan einer Werbekampagne des DRK Blutspendedienstes, in der viele Prominente auf die dringende Notwendigkeit von Blutspenden aufmerksam machen und für das Thema sensibilisieren wollen. Und in der Tat - es klemmt, vor allem beim Nachwuchs. Den Blutspendediensten in Thüringen fehlt es an jungen Spendern. Jung heißt in dem Fall: 18 bis 40 Jahre.

Masse der Spender ist über 50 Jahre alt

Die Masse der etwa 50.000 Spender beim DRK zum Beispiel ist über 50. Und sie wird immer älter, während Junge kaum nachfolgen, sagte Nico Feldmann, der Regionalleiter des DRK-Blutspendedienstes für Thüringen und Sachsen-Anhalt, MDR THÜRINGEN.

So ging beispielsweise die Zahl der Spender in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre in den letzten fünf Jahren von gut elf Prozent auf um die acht Prozent zurück. In der Gruppe 40 bis 49 zeigt sich ein Rückgang von gut 24 Prozent auf gut 18 Prozent. Als Grund nannte Feldmann vor allem demografische Ursachen. Zudem hätte die Jugend von heute wesentlich mehr Themen zu beackern, während die ältere Generation in ihrem Engagement konstanter sei.

Blutspende-App soll junge potenzielle Spender ansprechen

Susanne Brunne vom Institut für Transfusionsmedizin (ITM) in Suhl berichtet von ähnlichen Lücken in der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen. Die meisten der gut 78.000 Vollblut-Spender beim ITM seien Mitte 40. Ihren Angaben nach spenden junge Menschen nicht in den gleichen Intervallen wie Stammspender. Ausbildung, Studium und ein damit bedingter Wegzug ließen sich für sie schwieriger mit regelmäßigem Blutspenden vereinbaren. Im Anschluss folgten dann Beruf, Familie, Wohneigentum. Das zu ändern, sei Hausaufgabe Nummer 1, so Nico Feldmann. Im Moment deckten die Spenden noch den Bedarf, doch das könne sich in zehn bis 15 Jahren ändern, wenn alle immer älter würden.

Dafür haben die DRK Blutspende-Dienste 2018 deutschlandweit eine kostenfreie Blutspende-App herausgebracht. Sie heißt offiziell "Digitaler Spenderservice". Sie ist jung, digital und einfach – und soll die Jüngeren ansprechen. Mit ihr lassen sich schnell die nächsten Blutspende-Termine abfragen, man kann einsehen, wie viele Leben man mit seinen bisherigen Spenden womöglich bereits gerettet hat oder checkt fix, ob man nach eine Partynacht spendetauglich wäre. Seit September 2019 ist sogar der Blutspendepass in die App integriert. Die digitale Alternative zum gelben Spenderausweis ist so immer am Mann bzw. an der Frau.

Ein Jahr nach Einführung der App könnte man erste Erfolge interpretieren. Etwa 41.200 Spender nutzen den digitalen Spenderservice. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 39,9 Jahren.

Auch Krebspatienten sind auf Blutpräparate angewiesen

Potenziell kann jeder, der sich gesund fühlt, ab 18 Jahren Blut spenden. Per Spender-Fragebogen wird eine Spender-Tauglichkeit abgefragt, ein Amtsarzt vor Ort hat das letzte Wort.

Blutkonserven in einem Tragekorb aus Plastik
Neben Unfallopfern und Patienten mit Organtransplantationen sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen. (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei einer Blutspende werden 500 Milliliter Blut abgenommen, die ziemlich schnell vom Körper wieder ausgeglichen werden. Getränke und ein guter Imbiss helfen den Spendern vor Ort dabei. Beim DRK Blutspendedienst werden aus einer Vollblut-Spende drei Produkte gewonnen: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Blutplättchen (Thrombozyten) und das Blutplasma. Gezielt kann so bis zu drei Patienten gleichzeitig geholfen werden. Neben Unfallopfern und Patienten mit Organtransplantationen sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen. In Thüringen wird beispielsweise etwa ein Viertel des Blutes zur Krebsbehandlung eingesetzt.

Und weil die drei verschiedenen Blut-Produkte jeweils unterschiedliche Haltbarkeiten haben, ist es so wichtig, dass Blut zu jeder Zeit gespendet wird. Während Blutplasma eingefroren bis zu zwei Jahre hält, sind es bei den Blutplättchen nur vier Tage. Vor allem zu Zeiten von langen Wochenenden oder Feiertagen sind dann zusätzliche Spendetermine nötig.

Ohne ehrenamtliche Helfer geht nichts

Die Blutspendetermine sind gut geplant, getragen von einem großen Geflecht an Ehrenamtlichen. Allein 2.400 von ihnen sorgen bei den Terminen des Instituts für Transfusionsmedizin Suhl (und seinen Außenstellen Erfurt, Eisenach, Ilmenau) für den Imbiss. 95 Blutspende-Ärzte arbeiten auf Honorarbasis, wie Susanne Brunne sagte. Hinzu kämen 2.300 Partner, die ehrenamtlich Banner, Plakate und Info-Broschüren verteilen. Klingt alles zunächst viel - der Bedarf ist aber groß. Vor allem Ärzte, medizinische Fachkräfte und mobile Helfer werden laut Brunne dringend gesucht.

"Es ist wie überall im Ehrenamt, auch hier besteht großer Bedarf", sagte Nico Feldberg vom DRK Blutspendedienst. Die, die da seien, würden immer älter und es rückten zu wenige nach. Auf 450 Partnerorganisationen aus den DRK Kreisverbänden kann der Blutspendedienst bezüglich der Helfer zurückgreifen. Jährlich müssen beim DRK 1.000 Termine an 300 verschiedenen Lokalitäten wie Schulen, Bürgerhäusern, Gaststätten oder im mobilen Truck abgesichert werden.

Eine Ärztin hält 2013 einen Beutel mit Erythrozyten-Konzentrat. 1 min
Bildrechte: dpa

Di 28.05.2019 15:00Uhr 01:00 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/video-304724.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Ehrengala für Jubiläumsspender und Helfer

Ehre, wem Ehre gebührt. Spender wie auch Helfer stehen am Samstag, den 2. November 2019, beim DRK im Mittelpunkt. Bei einer Ehren-Gala im Parksaal des Steigerwald-Stadions werden die Jubiläums-Spender aus dem Jahr 2018 ausgezeichnet. Sie haben sich 25, 50, 75 oder 100 Mal von der Nadel piken lassen, um eine der lebensrettenden Spenden abzugeben. 500 haben der Einladung des DRK zugesagt, so viele wie noch nie, wie Nico Feldmann sagte. Beim gemütlichen Beisammensein werden neben den Jubiläumsspendern auch die ehrenamtlichen Helfer geehrt, denn ihre Leidenschaft ist die größte Stütze der Blutversorgung.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. November 2019 | 06:00 Uhr

5 Kommentare

part vor 47 Wochen

Bedenkt man wie kapitallastig unser Gesundheitssystem durch Krankenkassen, Pharmakonzerne und Krankenhauskonzerne ist, dann wäre eine angemessene Vergütung für jeden Spender dringend geboten. Kürzungen zur Finazierung von Blutspenden darf Herr Spahn oder der Nachfolger dann gern bei den genannten Profiteuren zum Wohl der Allgemeinheit vornehmen, wenn er kein Lobbyist sein mag. Besonders armseelig und unchristlich dabei ist das Spender noch nicht einmal eine Medikamenten- Zuzahlungsbefreiung erhalten, obwohl sie es verdient hätten.

Micha der Patriot vor 47 Wochen

Genauso wie Durchblick Kommentar3 sehe ich es auch. Es wird auch immer nur verschwiegen welches Geschäft hinter dem Gut "Blut"gemacht wird! Ich war langjähriger Spender beim Deutschen Roten Kreuz bin dann aber gewechselt zu einem anderen Anbieter der eine "Aufwandsentschädigung“bezahlt. Dort fühle ich mich dass untersucht und auch besser beraten! Die Scheinheiligkeit den das DRK an den Tag legt ist sagenhaft. Der Saft Blut ist ein knallhartes Geschäft!

Durchblick vor 47 Wochen

Der Spenderdienst ist auch selbst schuld. Anstatt den Spendern einen Essensgutschein zu geben, könnten sie auch andere Alternativen anbieten. Wieso wird nicht ein kleines Blutbild erstellt. Das würde manchem den Gang zum Arzt sparen und hätte präventive Wirkung. Andere Spenderdienste zahlen etwas in bar aus.

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