Bäume mit braunen Ästen inmitten grüner Bäume.
Zwischen grünen Bäumen stehen "Käferbäume" - wie sie die Förster nennen. Die von Borkenkäfern befallenen Bäume erkennt man an ihrer rotbraunen Farbe. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Wälder in Not Thüringenforst rechnet mit massivem Borkenkäfer-Befall

Trockenheit, Borkenkäfer, Eichenspinner - alles das macht den Wäldern in Thüringen zurzeit schwer zu schaffen. Der Landesbetrieb Thüringenforst rechnet damit, dass bis zum Jahresende etwa 2,5 Millionen Festmeter Fichtenholz betroffen sein könnten. Der Thüringer Forstverein hatte deshalb am Donnerstag zu einer Exkursion eingeladen. Es ging in eine Region, die besonders betroffen ist: kleine private Waldstücke an der Bleilochtalsperre und in der Nähe von Neundorf im Saale-Orla-Kreis.

von Stefanie Reinhardt

Bäume mit braunen Ästen inmitten grüner Bäume.
Zwischen grünen Bäumen stehen "Käferbäume" - wie sie die Förster nennen. Die von Borkenkäfern befallenen Bäume erkennt man an ihrer rotbraunen Farbe. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Grüne Nadel- und Laubbäume, dazwischen immer wieder einzelne rot-braune Fichten. "Das sind die Käferbäume", sagt Hagen Dargel und zeigt auf den Hang auf der anderen Seite der Bleilochtalsperre. "Fast überall in den Wäldern hier gibt es kleine Borkenkäfer-Herde", sagt der Vorsitzendes des Thüringer Forstvereins. "Viele Eigentümer sind betroffen."

Laut Thüringer Infrastrukturministerium gibt es in Thüringen insgesamt etwa 180.000 private Waldbesitzer. Rund 40 Prozent des Waldes in Thüringen seien in privater Hand. Für viele private Eigentümer sei der eigene Wald ein Hobby, eine Leidenschaft, sagt Dargel. Viele hätten deshalb auch bereits reagiert auf den Borkenkäferbefall:  In vielen Waldgebieten seien in den vergangenen Monaten betroffene Bäume gefällt worden.

Private Eigentümer erhalten Hilfe bei den Forstämtern

Aber in vielen Waldstücken sei auch noch nichts passiert: Nämlich dort, wo die Eigentümer den Förstern gar nicht bekannt sind. Denn: nach der Wende 1990 haben viele Menschen Eigentum zurückerhalten - auch in Form von Wald. Häufig hätten die neuen Besitzer nur ein, zwei oder drei Hektar Waldfläche erhalten. Oftmals seien die Grundstücke auch an Erbengemeinschaften in aller Welt gegangen. Die aktuellen Besitzer ausfindig zu machen - das sei für die Mitarbeiter des Forstvereins so gut wie unmöglich, sagt Dargel.

Ein Borkenkäfer in einer Hand.
Kleiner Käfer - große Wirkung: Der Borkenkäfer ist zur regelrechten Plage in den Thüringer Wäldern geworden. Thüringenforst rechnet damit, dass bis zum Jahresende etwa 2,5 Millionen Festmeter Fichtenholz betroffen sein könnten. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Er fordert private Eigentümer von Waldstücken deshalb auf, sich bei den Forstämtern zu melden. Dort erhalten Waldbesitzer Hilfen und Informationen zur Borkenkäfer- und Dürre-Problematik. Außerdem fordert Dargel vom Land Thüringen schnellere und unbürokratische Hilfen für die Waldbesitzer, Es dauere häufig zu lange, bis die Förderanträge ausgefüllt und bewilligt seien. Dargel spricht sich dafür aus, dass Fördergelder mithilfe eines Fonds oder einer Stiftung einfacher und schneller zu privaten Waldbesitzern gelenkt werden könnten. Als Vorbild könne die Stiftung "Wald in Not" dienen, die Anfang der 1980er-Jahre vom Bund gegen das Waldsterben gegründet worden war.

Seit April können private Waldeigentümer vom Land Thüringen Fördergelder für das Fällen betroffener Bäume beantragen. Laut Thüringer Forstverein sind von privaten Waldbesitzern seit April rund 350 Anträge mit einen Gesamtwert von 1,7 Millionen Euro Fördergeldern abgegeben worden.

Noch mehr Borkenkäfer bis Jahresende

Eine Messerklinge zeigt auf einen Borkenkäfer.
Die geschlagenen Baumstämme sind vom Borkenkäfer befallen. Wenn man die Rinde mit einem Messer abtrennt, kommen die Käfer zum Vorschein. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Der Landesbetrieb Thüringenforst rechnet bis Jahresende mit einem weiteren massiven Befall von Borkenkäfern. Nach Berechnungen des Forschungs-und Kompetenzzentrums von Thüringenforst könnten bis zum Jahresende 2,5 Millionen Festmeter Fichtenholz von der Borkenkäferplage betroffen sein. Das sagte die Referentin für Waldschutz des Zentrums, Anett Wenzel. Nur ein sofortiger Kälteeinbruch und mindestens drei Wochen Regen könnten diese Prognose ändern, sagte Wenzel. Derzeit seien rund eine Million Festmeter Fichtenholz vom Borkenkäfer befallen. Das sei schon jetzt weit mehr als der übliche Jahresdurchschnitt von 100.000 Festmeter Holz.

Was den Borkenkäfer so gefährlich macht Der Käfer bohrt seine Brutgänge in die Rinde, wo die Larven den Stoffwechsel des Baumes stören. Die Wurzeln werden nicht mehr mit Energie aus der Baumkrone verorgt.

Bis zu drei Borkenkäfer-Generationen können innerhalb eines Jahres entstehen. Die erste Generation bevorzugt Totholz, die weiteren Generationen befallen vitalere Bäume.

Monokulturen sind anfälliger für den Schädling, der sich auf eine Baumart spezialisiert hat. Die gefährlichsten Borkenkäfer sind der Buchdrucker und der Kupferstecher, die beide die Fichte befallen.

Lange Hitze- oder Trockenperioden führen zu einer massenhaften Vermehrung des Borkenkäfers, da die Bäume weniger Harz produzieren, das den Schädling abwehren würde.

Schutzfunktionen der Wälder könnten verloren gehen

Anett Wenzel sagte außerdem, den Wäldern in Thüringen gehe es zunehmend schlechter. Grund dafür sei der Temperaturanstieg in den vergangenen 100 Jahren. Zudem sei die Zahl der Niederschläge in Thüringen in den vergangenen 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Das zeigten die Ergebnisse der 14 Waldmessstationen, die es in Thüringen gibt. Den Messungen zufolge ist das Bodenwasser, das den Bäumen zu Verfügung steht, noch nie so gering gewesen wie in diesem Jahr. Die Funktionen des Waldes als Schutzwald, Erholungsgebiet und als CO2-Speicher könnten verloren gehen.

Ein vom Baum mit braunen Ästen.
Baum eines akut betroffenen Privatwaldes in der Nähe von Neuendorf bei Schleiz. Die Äste sind rotbraun. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 04. Juli 2019 | 18:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2019, 13:26 Uhr

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4 Kommentare

05.07.2019 12:11 martin 4

@1 ossi: Dass man die Fichte heute noch als "fremdländisch" bezeichnen sollte, bezweifel ich.

Richtig ist: Die Monokulturen aus (meist noch nicht einmal standortangepassten) Fichten sind ein gefundenes Fressen für die Käfer. Wie andere Monokulturen für andere Schädlinge auch.

Allerdings haben mittlerweile auch andere heimische Bäume, wie die von Ihnen benannte Buche, teilweise erhebliche Probleme. Bei der (zu Recht auch von #3 "Berliner" geforderten) Aufforstung dürfte die richtige Wahl vermutlich ein Mix aus (bisher) "exotischen" Bäumen aus Gegenden, wo seit Jahrhunderten das hier zu erwartende Klima herrscht, sein. Es müssen ja nicht gleich Palmen sein. Obwohl sich die am Bahnhof Rennsteig oder rund um Skitunnel und Stadion in Oberhof optisch sicher auch gut machen würden ....

05.07.2019 09:34 Berliner 3

Also, baut den Wald endlich um. Global gesehen benötigen wir eh mehr Waldflächen, und zwar gesunden Wald, der CO2 bindet.

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