Zwei Hände halten ein Stück Holz, in dem Borkenkäfer sind
Ein von Borkenkäfern befallenes Stück Holz. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Nach Borkenkäferplage im vergangenen Jahr Thüringer Wälder vor erneuter Borkenkäfer-Katastrophe

In Thüringer Nadelwäldern hat es schon wieder begonnen - das große Krabbeln unter der Rinde und im Boden. Kaum wird es warm, werden die Borkenkäfer aktiv. Der Zeitpunkt ihres Ausschwärmens steht kurz bevor. Und sie könnten sich erneut explosionsartig vermehren, denn die Wälder sind nach Hitzejahr und Winterstürmen extrem geschwächt. Forstleute versuchen zu retten, was zu retten ist.

Zwei Hände halten ein Stück Holz, in dem Borkenkäfer sind
Ein von Borkenkäfern befallenes Stück Holz. Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Der Borkenkäfer hat im vergangenen Jahr für Schäden in Millionenhöhe gesorgt. Und auch in diesem Jahr sieht die Lage nicht viel besser aus. Thüringens Waldbesitzer haben zwar bisher rund 80 Prozent des vom Borkenkäfer befallenen Schadholzes aus ihren Wäldern geräumt. Dennoch droht in diesem Jahr ein noch größerer Ausbruch der Plage. Das sagte der Präsident des Waldbesitzerverbandes für Thüringen e.V. , Jörg Göring , MDR THÜRINGEN. Der Grund: Die riesige Borkenkäfer-Population des letzten Sommers hat den milden Winter prächtig überstanden. Drei Borkenkäfer-Generationen brachte das warme und zu trockene Jahr hervor. Die Tiere überwinterten im Boden und im stehenden Holz. Ein paar trockene warme Tage im Frühjahr - und die Käfer schwärmen aus, fliegen bis zu hundert Meter weit, befallen weitere Bäume und vermehren sich erneut.

Wetter weiterhin zu trocken

Ein Problem bleibt das Wetter. Noch immer ist der Waldboden trocken. Die Grundwasserversorgung sei die schlechteste seit 1947, sagt der Waldbesitzer-Präsident. Thüringer Forst-Experten schätzen, dass im ungünstigsten Fall 2,5 Millionen Festmeter Holz allein in diesem Jahr den Schädlingen zum Opfer fallen könnte. Im letzten Jahr wurde der Schaden durch die Käfer auf über 800.000 Festmeter beziffert. Den ganzen Winter über herrschte daher Hochbetrieb bei Thüringens Forstleuten. Jörg Göring erklärt, dass Waldbesitzer ständig auf der Suche nach befallenen Stellen seien. Werden sie entdeckt, müssten die Bäume gefällt und schleunigst aus dem Wald heraus geschafft werden. Denn auch Totholz bietet den Borkenkäfern Quartier.

Holzpreise sind im Keller

Mitarbeiter des Forstamts Sonneberg fällen eine von Borkenkäfern befallene Fichte
Mitarbeitern des Forstamts Sonneberg fällten im Februar von Borkenkäfern befallene Bäume. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Holzlager werden mit Chemikalien behandelt, um die Käfer loszuwerden. Eine andere Variante sei das Entrinden der gefällten Stämme. Waldwirtschaft sei derzeit ein schwieriges Geschäft. "Der Markt ist tot", sagt Jörg Göring. Weil nicht nur in Thüringen und Deutschland massenweise gefällt werde, seien die Holzpreise im Keller. Aufbereitung und Abtransport des Schadholzes koste mehr als der Verkauf einbringe.

Der Waldbesitzerverband hofft daher auf Hilfe des Landes oder des Bundes. Göring erwartet, dass den Wäldern mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Wenn jetzt gespart werde, werde das Land Wald in Größenordnungen verlieren. Dann werde es Jahre dauern, bis die Ökobilanzen wieder stimmen.

Existenz einiger Waldbesitzer steht auf dem Spiel

Für einige Waldbesitzer könnten sich daraus existenzielle Probleme ergeben. Am Mittwoch informiert sich die zuständige Forstministerin Birgit Keller (Linke) in Eschenbergen im Landkreis Gotha über die Waldschäden durch Sturm und Borkenkäfer. Die landeseigene Forstanstalt Thüringenforst verzeichnet nahezu landesweit – außer im waldarmen Thüringer Becken – Borkenkäferbefall. Die Schwerpunkte liegen in Südost-Thüringen, wo sich vor allem der Buchdrucker ausgebreitet hat. Die Landesregierung fordert den Bund auf, mehr Fördergeld bereitzustellen. Die fünf Millionen Euro, die über den Zeitraum von fünf Jahren für das gesamte Bundesgebiet bereitgestellt wurden, seien bei weitem nicht ausreichend.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2019, 05:00 Uhr

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6 Kommentare

11.04.2019 09:05 martin 6

Die heutigen Waldbesitzer kann man in der Regel nicht für die vorhandenen Monokulturen in die Verantwortung nehmen - die wurden vor längerer Zeit und unter anderen Bedingungen angelegt.

Klar gab es in den "DDR-Wäldern" kaum Harvesterschneisen. Da war über weite Strecken Kahlschlag angesagt - gern auch bei Flächen, die (formal) in Privatbesitz waren.

Die heutigen Waldbesitzer würde ich in zwei Gruppen unterteilen:
1.) Die an kurzfristigen Gewinnen interessierten.
2.) Die an nachhaltiger Waldwirtschaft interessierten.
Letztere werden kaum Gewinne aus ihrem Waldbesitz erzielen - leisten aber viel für kommende Generationen. Für derartige Maßnahmen halte ich eine entsprechende Förderung daher für sehr sinnvoll.

10.04.2019 16:39 MuellerF 5

@3: In einem gesunden Wald muss Totholz liegen bleiben-in einer Holzplantage macht es aber den hier beschriebenen Ärger.

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