Frauen im Thüringer Landtag
Früher undenkbar - heute noch umstritten: Mütter mit Kindern im Parlament Bildrechte: imago/Bild13

100 Jahre Frauenwahlrecht So viele Frauen machen in Thüringen Politik

Vor genau 100 Jahren, am 19. Januar 1919, durften sich Frauen zum ersten Mal an Wahlen aktiv beteiligen - sie durften selbst wählen und konnten auch gewählt werden. Kurz zuvor, am 12. November 1918, hatte der Rat der Volksbeauftragten für die Einführung des Frauenwahlrechts gestimmt, darauf war das entsprechende Gesetz verabschiedet worden. Deutschland zählte damit weltweit zu den fortschrittlichsten Ländern. Doch welche Rolle spielen Frauen eigentlich heute in der Thüringer Politik?

Frauen im Thüringer Landtag
Früher undenkbar - heute noch umstritten: Mütter mit Kindern im Parlament Bildrechte: imago/Bild13

Am 19. Januar 1919, vor 100 Jahren, fanden die Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung statt. Zum ersten Mal durften sich Frauen an der Wahl aktiv beteiligen - sie durften nicht nur selbst wählen, sondern konnten auch gewählt werden. Kurz zuvor, im November 1918, hatte der Rat der Volksbeauftragten für die Einführung des Frauenwahlrechts gestimmt, darauf war das entsprechende Gesetz verabschiedet worden. Deutschland zählte damit weltweit zu den fortschrittlichsten Ländern.

Tatsächlich nutzte die große Mehrheit der Frauen das neue Recht zur Mitbestimmung. Mehr als 83 Prozent der wahlberechtigten deutschen Frauen gaben ihre Stimme ab. Der Frauenanteil unter den gewählten Abgeordneten betrug knapp neun Prozent. Und das, obwohl deutlich mehr Frauen wählten als Männer, eine Folge des Krieges. Auch wenn der Frauenanteil aus heutiger Sicht bescheiden wirken mag - ein Anfang war gemacht. Doch welche Rolle spielen Frauen eigentlich heute in der Politik? Das lässt sich gut anhand des Frauenanteils in Regierung und Parlamenten in Thüringen verdeutlichen. Im Kabinett von Bodo Ramelow sind zurzeit neben sechs Männern vier Frauen als Ministerinnen vertreten.

Ähnlich sieht es im Landtag aus. Hier ist der Anteil von Frauen seit 1990 deutlich gestiegen ist. Zunächst saßen nur 13 Frauen im Parlament, das heißt, gerade jeder siebte Abgeordnete war eine Frau. Über die Jahre bis 2004 stieg der Anteil von Frauen in Thüringen deutlich. Heute bestimmen 37 weibliche Abgeordnete die Thüringer Politik auf Landesebene mit, ein Anteil von über 40 Prozent. Doch wie sieht das in den einzelnen Regionen des Freistaats aus?

Unter den Landräten und Oberbürgermeistern sind Frauen deutlich weniger vertreten als in der großen Landespolitik. Die 23 Kreise und kreisfreien Städte werden in rund drei viertel der Fälle von Männern geführt. Sechs Frauen stehen an der Spitze, zwei davon für die CDU, vier für SPD und Linke. Das erscheint möglicherweise wenig, doch auch hier hat sich innerhalb der letzten Jahre eine deutliche Wandlung vollzogen. Bei den Wahlen von 1994 beispielsweise setzte sich genau eine Frau durch, Martina Schweinsburg von der CDU im Landkreis Greiz.

Männer dominieren bis heute deutlich auch die kommunalen Vertretungen - die Kreistage und die Gemeinde- und Stadträte. Gerade eine Frau kommt momentan auf drei Männer in den Thüringer Kreisparlamenten und in den Vertretungen der kreisfreien Städte. Der Anteil von Frauen ist in den Städten in der Regel etwas höher als in den Kreisen. Im Stadtrat von Jena sitzen immerhin 37 Prozent Frauen, im Kreistag des Eichsfelds lediglich 22. Eine große Rolle spielt dabei die Verteilung der Parteizugehörigkeit. Den höchsten Frauenanteil haben hier die Linken (38 Prozent) und die Grünen (32 Prozent). Deutlich anders sieht es bei der CDU (18 Prozent) oder der SPD (19 Prozent) aus. Bei den vorletzten Kommunalwahlen war die Mann-Frau-Verteilung ähnlich. Zu beobachten ist auch, dass bei den einzelnen Parteien der Anteil der Bewerberinnen für die Wahl deutlich anders ausfallen kann als jener der tatsächlich gewählten. Besonders viele Frauen von den Grünen konnten sich bei den Wahlen nicht durchsetzen. Dagegen sind Frauen der Linken besonders erfolgreich bei der Wahl.

Angesehen haben wir uns auch den Frauenanteil in den Gemeinderäten Thüringens - zusammengefasst für die einzelnen Kreise. Hier ist der Anteil der Männer am deutlichsten. Ist jedes dritte Mitglied eines Stadtparlaments in Erfurt, Jena oder Gera eine Frau - so liegt der Frauenanteil für die Gemeinden insgesamt bei gerade 20 Prozent. Besonders auffällig ist das Eichsfeld. Der Frauenanteil unter den Gemeindevertretern beträgt gerade einmal 15 Prozent. Das ist der niedrigste Anteil im Freistaat. Bei den Wahlen von 2009 sah er nicht anders aus.

Forderung nach einer geschlechterneutralen Wahlliste

Frauen in der deutschen Nationalversammlung
Frauen durften das erste Mal 1919 auf der Nationalversammlung in Weimar wählen und gewählt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland drängen Politiker in Thüringen auf geschlechterneutrale Wahllisten. Die Hälfte der Sitze im Landtag und in den kommunalen Parlamenten müsse Frauen gehören, so die Landtagsabgeordnete Anja Müller. Die Parität sei dringend notwendig. Das müsse noch vor dem Ende der Wahlperiode geregelt werden, auch wenn die nächsten Wahlen damit nicht mehr erreicht werden könnten. Grünen-Fraktionschef Dirk Adams sagte, seine Fraktion habe den Koalitionspartnern von Linke und SPD einen Gesetzentwurf vorgelegt, mit dem paritätisch besetzte Listen bei Landtags- und Kommunalwahlen ermöglicht werden sollen. Es gebe zudem zwei Rechtsgutachten, die das Vorhaben als rechtmäßig einstuften, so Adams. Auch er will ein neues Gesetz noch in dieser Legislaturperiode. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Jugendorganisationen der Thüringer Regierungsparteien ein Gesetz für geschlechtergerechte Wahllisten noch in dieser Legislaturperiode gefordert. Damit würde Rot-Rot-Grün den Koalitionsvertrag erfüllen, so die Grüne Jugend, Jusos Thüringen und Linksjugend (Solid). Listenplätze sollten abwechselnd an Frauen und Männer vergeben werden, um mehr Frauen in Stadt- und Gemeinderäte und in den Landtag zu bringen. Vor allem bei CDU und AfD sei der Frauenanteil verschwindend gering.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 19. Januar 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 20:08 Uhr

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17 Kommentare

21.01.2019 15:55 Zeitgeist 17

Wir brauchen keine Frauenquote, wir brauchen auch nicht nur Frauen, welche dauerhaft am Herd stehen. Jeder nach seinen Fähigkeiten !
Aber wir brauchen dringend einen 2. Sozialismus, welcher besser ist als der erste Versuch DDR und die jetzigen fast feudalen Zustände im angeblich so reichen zum Schein - geeinten Kapitalismus - Deutschland!

21.01.2019 15:24 Hans Frieder Leistner 16

Ja, ja. Da sind wieder ein paar Romantikerinnen am Werk. Warum ging die DDR wohl pleite wenn der Tagesablauf so gut funktionierte? Warum war der Besuch aus dem Westen so gerne gesehen wenn er mit vollem Kofferraum kam? Und wie war das noch mit dem Intershop? Da gab es doch nur gegen DM West die Produkte aus der Bundesrepublik.
Die Menschen in der DDR waren auch fleißig und versuchten das Beste aus der Misere zu machen.Aber diese DDR Verhältnisse verklären zeugt von Vergesslichkeit.

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