Coronakrise Trennungskinder können Elternteil wegen Corona nicht sehen

Aufgrund der aktuellen Corona-Ansteckungsgefahr stoßen auch die Jugendämter an ihre Grenzen. Einige Trennungskinder müssen vorübergehend auf den Kontakt mit einem Elternteil verzichten.

Kind sitzt zwischen seinen Eltern auf einem Ball.
Aufgrund der aktuellen Ansteckungsgefahr können die Jugendämter den "begleitenden Umgang" für einige Trennungskinder nicht aufrechterhalten. Bildrechte: imago/United Archives

Viele Trennungskinder in Thüringen müssen wegen der Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus auf Kontakt zu Vater oder Mutter verzichten. So kann der begleitete Umgang für Kinder getrennt lebender Eltern oft nicht mehr abgesichert werden. Das ergab eine Umfrage von MDR THÜRINGEN unter den Jugendämtern der kreisfreien Städte. Bei diesen Treffen handelt es sich um betreuten Kontakt von Elternteilen und Kindern, bei denen ein Mitarbeiter oder Beauftragter des Jugendamtes das Kind bringt und abholt. Bei Bedarf bleibt diese Person auch während des Treffens dabei.

"Absolut nötiges Kontaktminimum"

Die Kontaktregeln wegen des Coronavirus erschwerten das Zusammenkommen, sagte eine Sprecherin der Stadt Suhl. Ein weiterer Grund ist Personalmangel, so etwa beim Jugendamt in Erfurt. Rechtsexperten des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. sind der Auffassung, dass der Kontakt zwischen dem Kind und dem von ihm getrennt lebenden Elternteil weiterhin möglich sein muss. Es handele sich dabei um ein "absolut nötiges Kontaktminimum".

Gemeinsames Sorgerecht in der Corona-Krise Dürfen Kinder getrennt lebender Eltern trotz der Kontaktverbote noch abwechselnd in zwei Haushalten leben? Ja, sofern die Sorgeberechtigten beziehungsweise das Kind nicht unter häuslicher Quarantäne stehen. Darauf weist das Kreisjugendamt Sonneberg hin. Auch das Abholen oder Bringen zum jeweiligen Elternteil ist nach den derzeit geltenden Bestimmungen erlaubt. Eltern dürfen ihre minderjährigen Kinder in der Öffentlichkeit auch gemeinsam begleiten, zum Beispiel zu Terminen.

Das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht verweist angesichts der Coronavirus-Pandemie darauf, dass die Verordnungen und Allgemeinverfügungen der Länder einer Wahrnehmung der Umgangskontakte von getrennt lebenden Sorgeberechtigten zu ihren Kindern grundsätzlich nicht entgegenstehen. Nur bei amtlich verordneter Quarantäne scheidet ein Umgangskontakt grundsätzlich aus.

75.000 Alleinerziehende in Thüringen

In Thüringen leben laut dem Landesamt für Statistik rund 75.000 Alleinerziehende mit mindestens einem Kind. Die Jugendämter empfehlen getrennt lebenden Elternteilen, Briefe oder E-Mails zu schreiben oder zu telefonieren, um im Austausch zu bleiben. Sozialarbeiter appellieren an Eltern, sich zu einigen, um gemeinsame Aktivitäten nachholen zu können.

Die Jugendämter von Suhl, Eisenach, Gera und Erfurt sind nach eigenen Angaben in der Lage, die meisten Pflichtaufgaben in der Kinder- und Jugendhilfe zu erfüllen. Insbesondere an der Hilfe und Unterstützung von Eltern bei Erziehungsproblemen werde festgehalten, so die übereinstimmende Aussage.

Fälle von Kindeswohlgefährdung werden weiter persönlich geprüft

Hilfesuchende können in Notsituationen bei den Jugendämtern nach wie vor telefonisch Beratung bekommen oder einen Gesprächstermin vereinbaren. Bei Familien in Ausnahmesituationen und bei akutem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung machen die Mitarbeiter Hausbesuche und sollen dabei Schutzmasken tragen. Allein im Jahr 2018 erhielten die Jugendämter in Thüringen fast 3.500 Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung. Mehr als 450 Mal mussten die Behörden in akuten Fällen aktiv werden.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/nis/uka

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. März 2020 | 12:00 Uhr

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