Waldzustand Thüringer Wälder bräuchten drei Monate Dauerregen

von Thomas Kalusa

Der Sommer 2019 war nach 2003 und 2018 der drittwärmste und drittschädlichste Sommer für den Wald in Thüringen seit 1881. Anett Wenzel vom Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha sagte MDR THÜRINGEN, nur 15 Prozent aller Bäume können nach dem diesem Sommer noch als gesund eingestuft werden. Laut dem noch nicht veröffentlichten Waldzustandsbericht sind 53 Prozent der Bäume in ihrer Vitalität stark beeinträchtigt. Leichte Vitalitätsverluste weisen rund 32 Prozent aller Bäume auf. Seit dem ersten Thüringer Waldzustandsbericht 1991 gab es so extreme Jahre für den Wald nur in den Trockenjahren 2003 und 2018.

Zwei Millionen Festmeter Schadholz durch Borkenkäfer

Abgestorbene Fichten vor Landschaft
Trostloser Anblick: abgestorbene Fichten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der momentane Zustand des Waldes sei vergleichbar mit dem Beginn der 1990er-Jahre, als der Wald vor allem durch Luftschadstoffe massiv geschädigt war, so Wenzel. Allein zwei Millionen Festmeter Schadholz gab es im Jahr 2019 durch den Borkenkäfer, vor allem bei der Fichte. Im Jahr davor waren es 700.000 Festmeter. Dazu kommen nach Angaben von Thüringenforst noch weitere 1,7 Millionen Festmeter Holz, die durch Trockenheit und Hitze geschädigt wurden, also ohne Einfluss von Insekten oder Stürmen.

Am gravierendsten sind die Buchengebiete in der Hainleite, im Eichsfeld und im Hainich betroffen. Markante Trockenschäden gibt es aber auch im westlichen Thüringer Wald, in der Kiefergebieten Ostthüringens im Schiefergebirge sowie im südwestlichen Vorland des Thüringer Waldes.

Hitze begünstigte Pilzkrankheiten

Die heißen Sommer begünstigen auch wärmeliebende Pilzkrankheiten, zum Beispiel die Rußrinden-Krankheit beim Bergahorn. Die Krankheit war schon nach 2003 aufgetaucht und wurde 2018 im Raum Leipzig festgestellt, nun aber auch in Thüringen im Erfurter Zoo und in Nordhausen. Die Sporen können die Atemwege angreifen. Für Waldarbeiter gelten deshalb strenge Vorsichtsmaßnahmen beim Fällen der Bäume.

Auch die teilweise ergiebigen Niederschläge im Mai und Oktober haben die Wasserbilanz nicht entscheidend verändert, sagt Forstwissenschaftlerin Anett Wenzel. Viel Wasser sei wegen der hohen Temperaturen verdunstet und das Wasser dringe nicht tief genug in den Wurzelbereich der meisten Bäume vor. Im Prinzip helfen nur drei Monate Dauerregen, so Wenzel. Der Wald müsse sich aber auch dem Klima entsprechend verändern. Gute Chancen hätten Maulbeere, Elsbeere und Linde, aber auch exotische Bäume. Sie seien aber nicht so wirtschaftlich wie Fichte und Buche. Welche Bäume sich wirklich für einen Waldumbau eignen, müssten die Förster vor Ort entscheiden. Es gelte, so viele Baumarten wie möglich auszuprobieren.

Letztlich müsse aber niemand eine Steppenlandschaft in Deutschland befürchten, auch wenn sich das Klima ändert, sagt Horst Sproßmann vom Thüringenforst MDR THÜRINGEN. Auch in wärmeren und trockeneren Regionen gebe es Wälder.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2019, 16:57 Uhr

2 Kommentare

Eulenspiegel vor 13 Wochen

„Thüringer Wälder bräuchten drei Monate Dauerregen“
Ich denke das kann man auch anders ausdrücken.
In 2 Jahren sind die Thüringer Wälder Geschichte. Sowohl die Monokulturen wie die Mischkulturen.

part vor 14 Wochen

Dann wären wir aber bei der nächsten Frage? Können die Böden 3 Monate Dauerregen überhaupt in dessen Masse schnell genug aufnehmen oder wie verkraften unsere Bäche, Flüsse und Rückhaltebecken oder Deiche diesen Ansturm von Wassermassen. Was aber als sicher erscheint, die Zeit der schnellen Monokulturen in Gebieten, die der intensiven Landwirtschaft nicht zur Verfügung stehen wegen ihrer Lage, scheint zu Ende zu gehen. Der Wald sollte dabei wieder als Allgemeingut betrachtet werden und nicht als vordergründige Wirtschaftsfläche. Die Baumleichen sollten als Biomasse für den nachwachsenden Wald aus einer Vielfalt von Arten dienen. Orientieren sollten wir uns dabei an der ehemaligen Bewaldung der Mittelmeerregionen, die aber der menschlichen Entwicklung und Herdenhaltung zum Opfer viel. Heute gibt es bei uns Herdenhaltung von Rehen, die alle jungen Pflänchen vernichten, die nicht geschützt werden.

Mehr aus Thüringen

Luftaufnahme des Schriftszugs 'Blumenstadt' auf dem Domplatz in Erfurt 1 min
Bildrechte: MDR/Michael Hesse
Löscharbeiten auf einer Wiese 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK