Erneuter trockener Frühling So wenig Niederschlag fällt in Thüringen

Erneut erlebte Thüringen einen äußerst trockenen Frühling. Droht nach 2018 und 2019 ein weiteres Dürrejahr? Daten der letzten Jahrzehnte zeigen: In der warmen Jahreszeit regnet es tatsächlich weniger. In Thüringen ist es außerdem trockener als in Gesamtdeutschland. Allerdings ist es von Region zu Region auch unterschiedlich.

In Thüringen ist im Frühling 2020 deutlich zu wenig Niederschlag gefallen. 110 Liter pro Quadratmeter regnete es laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im März, April und Mai. Damit war das Frühjahr trockener als in den Vorjahren, als 176 (Jahr 2019) beziehungsweise 147 (Jahr 2018) Liter verzeichnet wurden. Auch im Vergleich zum langjährigen Mittel 1981 bis 2010 (177 Liter) war es deutlich zu trocken. Die Folgen der Dürre spüren bereits Landwirte und Waldbesitzer. Denn nach den extremen Hitze- und Dürrejahren 2018 und 2019 drohen erneut Ernteausfälle, Baumschäden und Waldbrände.

Ist es trockener geworden?

Seit 1881 zeichnet der Deutsche Wetterdienst seine Messungen auf. Grundsätzlich zählt Thüringen zu den trockeneren Bundesländern, wie die folgende Grafik zeigt. Die rote Kurve mit den Niederschlagswerten für Gesamtdeutschland liegt seit 1981 fast immer über der blauen Thüringer Kurve. Dieser Trend kann im Grunde weitere 100 Jahre bis an den Anfang zurückverfolgt werden.

Generell fällt in unserer Klimaregion im Sommer mehr Niederschlag als im Winter. Und innerhalb Thüringens hat die Nässe seit Beginn der Aufzeichnungen insgesamt sogar zugenommen. Jedoch verfälscht der Winter die Statistik, denn besonders in den Monaten Dezember, Januar und Februar regnete es in den letzten Jahrzehnten häufiger als davor.

Auch der abgelaufene Winter 2019/20 war so ein Fall. Zum einen war er sehr mild, zum anderen aber auch sehr niederschlagsreich - auch wenn dieser eher als Regen anstatt als Schnee herunter kam. In den Sommermonaten fiel laut Daten des Deutschen Wetterdienstes von 1881 bis 2019 aber immer weniger Regen - vor allem in den letzten Jahrzehnten.

Sommer und Winter nähern sich an

Die folgende Grafik zeigt den 30-jährigen Mittelwert seit 1910. Es wird deutlich, dass sich die Kurven annähern und der Unterschied zwischen Sommer und Winter kleiner geworden ist: mehr Regen im Winter, weniger im Sommer.

30-jähriger Mittelwert

In der Grafik wurde für jedes Jahr der Durchschnittswert der vorangegangenen 30 Jahre berechnet. Für das Jahr 1910 beispielsweise wurde der Durchschnitt der Niederschlagsmengen der Jahre 1881 bis 1910 berechnet, für das Jahr 1911 der Schnitt von 1882 bis 1911 und so weiter.

Trockenes Thüringer Becken, nasser Thüringer Wald

Allerdings gibt es in Thüringen klare regionale Unterschiede. Laut einer Analyse des Landesamtes für Landwirtschaft und Ländlichen Raum lag die Niederschlagsmenge zwischen Juli 2019 und März 2020 im Eichsfeld, in Südwestthüringen, im Ostthüringer Schiefergebirge und Ostthüringer Lößgebiet sowie in den nordöstlichen Randlagen des Thüringer Beckens im Normalbereich oder darüber. Im Inneren des Thüringer Beckens sowie dessen westlichen und südlichen Bereichen fielen dagegen nur 73 bis 91 Prozent des normalen Niederschlages.

Vor allem das Thüringer Becken dürstet nach Regen. Im Frühjahr 2020 zählte die Region zur trockensten ganz Deutschlands. Mit 45 Litern pro Quadratmeter fiel in den Monaten März, April und Mai nicht einmal ein Drittel des Solls. Im gesamten Jahresschnitt fallen dort manchmal nur rund 500 Liter pro Quadratmeter Niederschlag - der Thüringer Schnitt liegt bei 741 Litern pro Quadratmeter.

Grund ist die windabgewandte Lage südlich des Harzes und nördlich des Thüringer Waldes. Man spricht bei Regionen wie dem Thüringer Becken auch von Gebieten, die im Regenschatten liegen. Zum Vergleich: Nicht weit entfernt im Thüringen Wald fallen dagegen bis zu 1.300 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

Artern ist am trockensten

Die trockensten zehn Wetterstationen Thüringens befinden sich allesamt in der Region Thüringer Becken in den Kreisen Kyffhäuser, Unstrut-Hainich, Nordhausen und Sömmerda. Schlusslicht ist Artern mit durchschnittlich nur 490 Litern pro Quadratmeter Niederschlag, gefolgt von Heringen/Helme und Etzleben.

Vor allem die örtlichen Landwirte leiden unter der Situation. Laut Bauernverband entwickelt sich dort wegen den begrenzten Bodenwasservorräten eine kritische Situation. Viele Kulturen zeigten bereits Zeichen von Trockenstress. Die Landesforstanstalt Thüringenforst verzeichnete in der Region bereits zu Beginn des Frühjahrs Vegetationsverlust und Trockenschäden.

Ganz anders ist es in den Höhenlagen des Thüringer Waldes, wo es auf der Schmücke, in Neuhaus am Rennweg oder in Masserberg überdurchschnittlich viel regnet.

Indiz für Klimawandel

Das Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz geht davon aus, dass wir uns künftig im Frühjahr und Sommer auf länger anhaltende Dürreperiode einstellen müssen. Diese Trockenphasen würden dann oft von Starkregen unterbrochen. Die Häufung von heißen, trockenen Sommern und milden Wintern sei ein eindeutiges Indiz für den sich vollziehenden Klimawandel.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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