Windräder einer Windkraftanlage sind in der Nähe von Magdeburg hinter einem blühenden Rapsfeld zu sehen
Stellenweise seien Windräder eine "tickende" Zeitbombe, ist sich der TÜV sicher. Bildrechte: dpa

Windräder laut Betreiber in Thüringen sicher

In Thüringen gibt es keine Statistiken darüber, wie oft Windräder ausfallen oder zerstört werden. Nur eine Handvoll Havarien sind seit Ende der 1990er-Jahre bekannt. Die Anlagen sind laut Betreiber sicher.

Windräder einer Windkraftanlage sind in der Nähe von Magdeburg hinter einem blühenden Rapsfeld zu sehen
Stellenweise seien Windräder eine "tickende" Zeitbombe, ist sich der TÜV sicher. Bildrechte: dpa

Umgeknickte Windräder, Rotorblätter, die herabgeschleudert werden und eine Bremstechnik, die ausfällt: Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu mehr als 50 schweren Havarien mit Windkraftanlagen. Es ist eine Frage der Zeit, bis Menschen zu Schaden kommen - das behauptet der Bundesverband der TÜV-Unternehmen. Windpark-Betreiber und Behörden in Thüringen widersprechen dem. Ihren Angaben zufolge sind die Windkraftanlagen im Freistaat sicher. Der Thüringer Landesvorsitzende des Bundesverbands WindEnergie (BWE), Frank Groß, sagte MDR THÜRINGEN, dass bislang nur wenige Havarien an Windkraftanlagen bekannt geworden sind. So etwa 2013 in Rauschwitz (Saale-Holzland-Kreis) und 2017 in Gangloffsömmern (Landkreis Sömmerda), als jeweils ein Blitz eingeschlagen hatte.

Groß wies Angaben des Bundesverbands der TÜV-Unternehmen zurück, wonach es jedes Jahr in Deutschland zu rund 50 derartigen Zwischenfällen komme. Bis Menschen zu Schaden kämen, sei nur eine Frage der Zeit, befürchtete der TÜV-Verband und forderte deshalb regelmäßige Überprüfungen seitens des Verbands. Auch Lifte, Tankstellen und Druckluftbehälter müssten kontrolliert werden.

Der Thüringer Landesvorsitzende des Bundesverbands WindEnergie (BWE), Frank Groß
Der Thüringer Landesvorsitzende des Bundesverbands WindEnergie (BWE), Frank Groß Bildrechte: Bundesverband WindEnergie

Groß vom WindEnergie-Verband hielt dagegen: Schon heute müssten Windkraftanlagen jedes Jahr überprüft werden - allerdings nicht zwingend vom TÜV, sondern auch von Gutachtern oder unabhängigen Ingenieurbüros. Viele Betreiber hätten feste Wartungsverträge mit den Herstellern. Der TÜV überprüft bei neueren, nach 2004 gebauten Anlagen lediglich die Liftanlagen. Die Windkraftanlagen in Thüringen seien in der Regel modern und in einem guten technischen Zustand, sagte Groß. Ein Beleg dafür seien auch die niedrigen Haftpflichtprämien, die Betreiber für ihre Anlagen zahlen müssten, in der Regel 80 bis 100 Euro pro Anlage und Jahr.

Rückbauwelle von Windrädern befürchtet

Laut Thüringer Umweltministerium sind die derzeitigen Auflagen zur Sicherheit von Windkraftanlagen sowie die vorgeschriebenen jährlichen Kontrollen ausreichend. Vor Inbetriebnahme müsse die Anlage zudem einer baurechtlichen "Typenprüfung" unterzogen werden. Diese Kontrolle müsse nach 20 Jahren erneuert werden, sagte ein Ministeriumssprecher MDR THÜRINGEN. Vorausgesetzt, der Betreiber wolle die Anlage weiter in Betrieb halten.

Da Strom aus Windkraftanlagen in der Regel 20 Jahre lang nach dem Energieeinspeisegesetz vergütet wird, stellt sich nach Ablauf dieser Frist vor allem bei älteren Anlagen die Frage nach dem Rückbau. In Thüringen sind seit Ende der 1990er-Jahre insgesamt 77 Anlagen rückgebaut oder stillgelegt worden. In den nächsten Jahren kommt nach Angaben des Ministeriums eine Rückbau-Welle auf das Land zu, da ein großer Teil der Anlagen Anfang der 2000er-Jahre in Betrieb genommen worden war.

In Thüringen gibt es derzeit knapp 900 Windkraftanlagen. Rund 100 von ihnen wurden bis 2002 in Betrieb genommen - für die Zeit davor gibt es keine statistischen Angaben. Einen besonders signifikanten Anstieg gab es in den Jahren 2004 und 2005. In diesem Zeitraum verdreifachte sich die Zahl der Anlagen von 155 auf 448.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 12. Oktober 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 10:26 Uhr

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3 Kommentare

13.10.2018 10:34 Peter W. 3

Es scheint mir vielmehr so, als wolle der TÜV mit allen Mitteln neue Geschäftsfelder erschließen...

12.10.2018 22:03 Peter W. 2

@1: Nach Ihrer Logik wären dann auch sofort alle straßennahe Bäume zu beseitigen, immerhin gab es im Gegensatz zu Windrädern schon etliche Schadensfälle durch auf Straßen gekippte Bäume. 100%ige Sicherheit gibt es nun mal nicht, aber Panik- und Angstmacherei haben in diesen Zeiten eine selten gesehene Hochkonjunktur.

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