Ministerpräsidentenwahl Umfrage nach Politbeben in Thüringen: Linke legt zu - CDU stürzt ab

FDP-Chef Thomas Kemmerich wird Ministerpräsident und tritt nach Protesten kurz darauf wieder zurück. Wie ist nach dem Politbeben die Stimmung in Thüringen? Infratest-dimap hat im Auftrag von MDR THÜRINGEN eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Ergebnis: Die Linke profitiert erheblich, die CDU bricht in den Umfragewerten drastisch ein, die FDP wäre nicht mehr im Landtag vertreten.

Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow und Susanne Hennig-Wellsow (Die Linke)
Kurz nach der heftig diskutierten Ministerpräsidentenwahl in Thüringen profitiert die Linke um Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow in den Umfragen. Bildrechte: dpa

Umfrage: Linke profitiert von Krise in Thüringen - CDU stürzt ab

Die umstrittene Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten hat erhebliche Auswirkungen auf die Stimmung in Thüringen. Wenige Tage nach der Abstimmung im Landtag klettert die Linke in der Gunst der Wähler auf neue Rekordwerte. Die Partei des früheren Ministerpräsidenten Bodo Ramelow erreicht in einer Blitzumfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN 39 Prozent. Das sind acht Prozentpunkte mehr als bei der Landtagswahl im Oktober. Dagegen stürzt die CDU von 21,7 Prozent zur Landtagswahl auf jetzt nur noch 13 Prozent ab (minus 8,7 Prozentpunkte).

Die AfD bleibt mit 24 Prozent (plus 0,6 Punkte) in etwa konstant. Die SPD steigert sich leicht auf zehn Prozent (plus 1,8). Die Grünen verlieren leicht (minus 0,2) und müssten mit fünf Prozent erneut um den Einzug in den Thüringer Landtag zittern. Die FDP wäre mit aktuell vier Prozent (minus 1,0) nicht mehr im Parlament vertreten. Rot-Rot-Grün hätte mit dem Ergebnis eine komfortable Mehrheit in einem neuen Thüringer Landtag.

Mehr Verlierer als Gewinner: Thüringer unzufrieden mit Mohring und Kemmerich

Thomas Kemmerich (FDP), Ministerpräsident von Thüringen, gibt ein Statement in der Saatskanzlei.
FDP-Landeschef Thomas Kemmerich - zwar kennen ihn inzwischen mehr Menschen, aber auch mehr Menschen sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Bildrechte: dpa

Drastisch angestiegen ist die Unzufriedenheit mit CDU-Chef Mike Mohring und dem neu gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP), der kurz nach der Wahl zurückgetreten ist und nur noch geschäftsführend im Amt ist. Mit Mohring sind aktuell 65 Prozent der Befragten unzufrieden (plus 23), mit Kemmerich sind es 51 Prozent (plus 40). Die Unzufriedenheitswerte von AfD-Landeschef Björn Höcke liegen stabil bei 75 Prozent (plus/minus 0). Aber auch die Zufriedenheitswerte der anderen Spitzenpolitiker bröckeln leicht. So sind etwa mit SPD-Chef Wolfgang Tiefensee aktuell 31 Prozent unzufrieden (plus 5). Mit dem abgewählten Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) sind dagegen nur 27 Prozent unzufrieden (minus 2). Er bleibt mit 67 Prozent (minus 1) der Politiker mit den höchsten Zufriedenheitswerten in Thüringen.

Imageschaden für Thüringen und fehlendes Vertrauen in die Politik

Mehr als Dreiviertel der Befragten sind der Meinung, dass die aktuelle Regierungskrise zu einem Ansehensverlust des Landes Thüringen geführt hat. 20 Prozent glauben das nicht.

Darüber hinaus haben 73 Prozent der Befragten wenig (56 Prozent) oder gar kein Vertrauen (17 Prozent) in die Parteien. Nur 22 Prozent haben sehr großes (1 Prozent) oder großes (21 Prozent) Vertrauen in die Parteien.

Mehrheit aller Parteianhänger für Neuwahlen in Thüringen

Insgesamt 63 Prozent der Befragten haben sich für Neuwahlen in Thüringen ausgesprochen. 29 Prozent sind dagegen, dass sich der Landtag auflöst und damit der Weg für Neuwahlen frei gemacht wird. Auch aufgesplittet nach Parteienpräferenz ist das Ergebnis deutlich: 67 Prozent der Linken- und 66 Prozent der AfD-Anhänger befürworten Neuwahlen. Auch 64 Prozent der SPD-Wähler und 57 Prozent der Grünen-Anhänger wären dafür. Sogar die Mehrheit der CDU-Wähler (51 Prozent) würde Neuwahlen begrüßen.

Eine Präferenz der FDP-Anhänger für Neuwahlen ist in diesem Teil der Umfrage nicht ausgewiesen. Der Grund: Ihre Anzahl in dieser infratest-dimap-Befragung Thüringentrend war so gering war, dass sie als nicht mehr repräsentativ eingestuft und deshalb nicht berücksichtigt werden konnten.

Die Blitzumfrage Im Rahmen der Umfrage hat infratest-dimap vom 7. bis 10. Februar 2020 1.007 Wahlberechtigte in Thüringen telefonisch befragt. Die Stichprobe ist eine repräsentative Zufallsauswahl. Statistische Schwankungsbreite: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte

Quelle: MDR THÜRINGEN/mam

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Fakt ist! | 10. Februar 2020 | 20:15 Uhr

451 Kommentare

Wessi vor 21 Wochen

@ ralf meier ...die "Werteunion" ist keine Gliederung der CDU. Was so mancher AfD-Politiker im Bundestag loslässt ist genauso zweifelhafter Ductus.Man nehme nur Mal die Weidel mit den "Kopftuchmädchen". Ich sehe das auch ganz anders: Herr Brok vertritt bezüglich der Werte wesentlich mehr die CDU+ihre Wähler als die Werteunion, zumal da ja auch so zweifelhafte Leute Mitglied sind, wie der MP-Kandidat der AfD! Zur Wählerschaft der CDU/CSU gehören viele Christen+Sie wissen wie die beiden großen Kirchen zur AfD stehen....

Wessi vor 21 Wochen

@ ralf meier ...nicht Sie, "Ihre Gesinnungskumpane".Aber sie unterstellen Ramelow doch "den Wolf im Schafspelz" und vermengen damit kommunistische Plattform mit Antifa, ohne es klar zu sagen.Wer "180° Grad-Wenden der Erinnerungskultur fordert, lehnt die "Barbarei der Nazis" eben nicht ab.Und mit seinen Wünschen, daß nur "rassereine" Deutsche Vorteile von unserem Land haben (sehr verkürzt) ist er (mindestens da) den Nationalsozialisten sehr nahe.Merz bezeichnet die gesamte AfD als das.Da hat Höcke mit seiner größenwahnsinnigen Intrige den Fehler gemacht der CDU, zu der Merz steht, entschieden zu schaden.Höcke und Linksextremisten sind sich ähnlich, mit dem Unterschied, daß H. national denkt.....haben Sie das jetzt ausdrücken wollen?

ralf meier vor 21 Wochen

Hallo, also das Thema marktradikal alla Meuthen oder sozialistisch alla Höcke ist für mich innerhalb der AFD noch nicht geklärt. So gesehen könnte man Herrn Höcke durchaus einen nationalen Sozialisten nennen. Das heißt aber nicht, das Herr Höcke die Barbarei der Nazis gut findet oder auch nur leugnet. Genau so wenig unterstelle ich den Anhängern der kommunistischen Platform, das sie die Barbarei von Stalin, Mao, Polpot Kim Jon ...... und so weiter gut finden. Zumindest hoffe ich das nicht

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