Repräsentative Umfrage Thüringen-Monitor: Hohe Zustimmung zu Demokratie

Jährlich erstellt die Uni Jena für die Staatskanzlei eine repräsentative Umfrage zu politischen Einstellungen der Thüringer. 2019 ermittelten die Forscher sehr hohe Zustimmung zur Demokratie - aber auch mit widersprüchlichen Aussagen.

Die Demokratie als Staatsform stößt in Thüringen auf sehr große Zustimmung. Das geht aus dem aktuellen Thüringen Monitor (12-seitige Zusammenfassung) der Friedrich-Schiller-Universität Jena hervor. Demnach halten 90 Prozent der Befragten die Demokratie für die beste aller Staatsideen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen für den Thüringen Monitor im Jahr 2000.

Forscher sehen "widersprüchliches" Verhalten

Allerdings sind laut der Studie auch fast drei Viertel der Thüringer der Ansicht, ihre Interessen würden von den Politikern nicht vertreten. Zwei Drittel glauben, dass sie keinen Einfluss darauf haben, was die Regierung tut. Die Forscher sprechen aber auch von einem "widersprüchlichen Verhältnis" zur Demokratieunterstützung. 26 Prozent stimmten der Aussage zu "Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten", 27 Prozent bejahten eine "Rückkehr zur sozialistischen Ordnung" und 45 Prozent schreiben der DDR mehr gute als schlechte Seiten zu. Der überwiegende Teil davon sehe darin keinen Widerspruch zu dem Bekenntnis zur Demokratie als bester Staatsidee.

Jeder zweite Thüringer fühlt sich zudem durch Westdeutsche als Menschen zweiter Klasse eingeschätzt. Gleichzeitig sind aber laut der Studie auch vier von fünf Menschen im Freistaat mit der eigenen finanziellen Situation zufrieden.

Mehrheit befürwortet höhere Gehälter für Pflegekräfte

Aus bereits bekannt gewordenen Inhalten ergab sich zum Gesundheitsbereich, dass 94 Prozent der Thüringer für bessere Bezahlung von Pflegekräften seien - auch bei steigenden Kassenbeiträgen. Kritik gab es an der Versorgung mit Fachärzten, die die Hälfte der Befragten bemängelte, vor allem auf dem Land. Auch mit der Wartezeit auf Termine sind zwei Drittel der Patienten unzufrieden.

Antisemitismus nimmt in Thüringen zu

Bei politischen Einstellungen registrierten die Forscher zunehmende antisemitische Positionen. 16 Prozent stimmten der Aussage zu, Menschen jüdischen Glaubens hätten etwas besonderes an sich "und passen nicht so recht zu uns". 2018 hatte der Wert nur bei neun Prozent gelegen. Bei Fragen zu Extremismus stuften die Forscher 24 Prozent der Befragten als rechtsextrem ein. Neun Prozent ziehen Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele zumindest in Erwägung.
Nach Angaben der Wissenschaftler werden rechtsextreme Positionen vor allem von Menschen vertreten, die im mittleren Alter sind und in kleineren Gemeinden wohnen. Das Demokratieverständnis dieser Menschen sei offenbar der Art, dass Demokratie nur für Deutsche gelte, aber nicht für andere ethnische Gruppen. Diese Einstellung ist nach Ansicht der Wissenschaftler darauf zurückzuführen, dass in Thüringen antiliberale Denkmuster stärker artikuliert werden und auch eine stärkere Wirkung entfalten als in den letzten Jahren.

Was ist der Thüringen-Monitor und wie wird er erstellt? Der Thüringen Monitor wird seit dem Jahr 2000 jährlich im Auftrag der Thüringer Landesregierung erstellt. Für die aktuelle Studie befragten die Wissenschaftler der Universität Jena vom 27. Mai bis 6. Juli dieses Jahres repräsentativ ausgewählte 1.100 wahlberechtigte Thüringer. Geführt wurden Telefoninterviews an Festnetzanschlüssen. Die Fehlertoleranz beträgt bis zu drei Prozentpunkte. Informationen zur Zusammensetzung der Stichprobe finden Sie auf Seite 89 des verlinkten Berichts.

Quelle: MDR THÜRINGEN/cs

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Thüringen Journal | 03. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

15 Kommentare

Der Matthias vor 36 Wochen

@ Wolf

Irgendwie beschleicht mich langsam das Gefühl, als ob Sie in der Studie gezielt nach vermeintlichen Unstimmigkeiten und in der Sache völlig unbedeutenden Flüchtigkeits-Fehlern suchen (z.B. 20 % statt 21%), um die Ergebnisse der Studie als Ganzes diskreditieren und ihre Glaubwürdigkeit in Frage stellen zu können. Und das aus dem einfachen Grunde, weil Ihnen die Ergebnisse offenbar nicht passen, frei nach dem Motto: Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf! Ihre obige Formulierung "zu politischen Zwecken gemachte Studie" entspricht nämlich genau der sonst üblichen Faktenleugnung und den recht durschaubaren Versuchen der Glaubwürdigkeitsunterminierung, wie man sie für gewöhnlich aus der AFD-Ecke kennt, wo man auch nur das glaubt, was man glauben will oder was ins dekretierte Weltbild der Partei passt! Störende Fakten, die die eigene, einseitige Lesart nicht bestätigen oder diese gar explizit widerlegen (könnten), werden dabei kurzerhand einfach ausgeblendet!

Der Matthias vor 36 Wochen

@ Wolf

Danke für den Hinweis! Hab's mir gerade noch einmal im Detail angeschaut! Also, wenn ich das richtig verstanden habe, dann war von den Forschern ursprünglich auch explizit nach einer "rechten" (!) Diktatur gefragt worden! Für die graphische Darstellung wurde das nur nicht mehr eigens hervorgehoben bzw. erwähnt, da ja (zumindest für die Forscher und im Übrigen auch für die Befragten) klar war, nach welcher Form der Diktatur gefragt worden war. Ich kann mich zwar durchaus täuschen, aber ich habe den Eindruck, dass Sie hier eine falsche Reihenfolge suggerieren wollen. Ich gehe allerdings mal davon aus, dass es erst den differenzierteren Fragebogen mit den Antworten gab und erst nach deren Auswertung die graphisch vereinfachte Darstellung in Form eines Balkendiagramms erstellt wurde. Das voraus gesetzt, wäre die nüchterne Feststellung "Unterstützung einer RECHTEN Diktatur : 21 %" vollkommen korrekt und wissenschaftlich nicht zu beanstanden.

Der Matthias vor 36 Wochen

@ Wolf

"Nur EIN Beispiel, Abb 38, Aussage : "im nationalen Interesse ist unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform" In der Auswertung steht dann aber: "Unterstützung einer RECHTEN Diktatur : 21 %."

Wären Sie eventuell so freundlich, uns im Interesse aller Ihre Quelle für die "Auswertung", auf die Sie sich beziehen, zu benennen? Ich kann leider bislang nur die Graphik mit der von Ihnen genannten Zahl (wonach 21% der Befragten eine Diktatur begrüßen würden) entdecken! Vielen Dank für Ihre Bemühungen im Voraus!

Mehr aus Thüringen

Sechs Personen stehen neben einem Testgerät auf einem Feld. 1 min
Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Beim Bewirtschaften von Acker und Feld entstehen neben Kohlendioxid noch andere Treibhausgase - zum Beispiel Lachgas. In Buttelstedt wird getestet, wie dessen Produktion eingeschränkt werden kann.

Fr 14.08.2020 15:15Uhr 01:09 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/apolda-weimarer-land/video-lachgas-feld-buttelstedt-weimarer-land-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video