Thüringentrend Linke bleibt laut Umfrage stärkste Kraft in Thüringen - CDU unter 20 Prozent

Wie ist die Stimmung in Thüringen drei Monate nach der Landtagswahl und gegenwärtig noch ohne neue Regierung? Infratest-dimap hat im Auftrag von MDR THÜRINGEN eine repräsentative Umfrage gemacht. Ergebnis: Linke bleibt stärkste Kraft vor AfD, CDU rutscht ab.

Drei Monate nach der Landtagswahl hat die Linke ihre Position als stärkste Kraft ausgebaut. Laut einer Umfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN könnte die Partei von Ministerpräsident Bodo Ramelow mit aktuell 32 Prozent ihr Rekordergebnis der Landtagswahl um einen Prozentpunkt steigern. Auch die AfD legt bei der sogenannten Sonntagsfrage leicht zu (plus 0,6) und bleibt mit 24 Prozent zweitstärkste Partei. Dagegen verliert die CDU weiter an Boden und kommt mit aktuell 19 Prozent (minus 2,7) auf den schlechtesten Wert aller Zeiten in Thüringen. Die SPD bliebe stabil bei acht Prozent (minus 0,2). Grüne (plus 0,8) und FDP (plus 1,0) können leicht zulegen und kämen mit jeweils sechs Prozent wieder in den Landtag.

Beliebtheit von Regierungschef Ramelow nimmt weiter zu

Auch die Beliebtheit von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) hat weiter zugenommen. Aktuell sagen 71 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer, dass Ramelow ein guter Ministerpräsident ist. Das ist ein Prozentpunkt mehr, als im Oktober 2019. 

Bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten könnte Ramelow seine Rivalen Mike Mohring (CDU) und Björn Höcke (AfD) klar distanzieren. Für Ramelow würden 60 Prozent stimmen, für Mohring 19 Prozent, und Höcke käme auf neun Prozent.

Rot-Rot-Grün weiter ohne Mehrheit im Landtag...

Trotz der guten Werte für Ramelow bleiben die Mehrheitsverhältnisse im Landtag unklar. Weder das amtierende rot-rot-grüne Bündnis noch eine sogenannte Simbabwe-Koalition aus CDU, SPD, Grünen und FDP hätten eine Mehrheit. Auf eine Mehrheit kämen erneut ein Bündnis von Linke und CDU, oder eines von AfD, CDU und FDP. Die CDU lehnt allerdings beide Bündnisse ab - auch die FDP will nicht mit der AfD kooperieren.

Unter den CDU-Anhängern ist eine Zusammenarbeit mit der Linken deutlich beliebter als ein Zusammengehen von Union und AfD. Während 85 Prozent der Unionswähler eine Kooperation mit der AfD ablehnen, können sich 40 Prozent eine Regierung mit der Linken vorstellen. Weitere 42 Prozent der CDU-Anhänger sind für eine Zusammenarbeit von CDU und Linken bei einzelnen Projekten.

... aber als Regierungskoalition am beliebtesten

Die von Linken, SPD und Grünen geplante Minderheitsregierung bekommt bei der Umfrage die besten Werte. 43 Prozent aller Befragten bevorzugen eine weitere Zusammenarbeit der bisherigen Regierungspartner. 33 Prozent sprachen sich hingegen für ein Zusammengehen von Linke und CDU aus. Lediglich 19 Prozent befürworten eine Minderheitsregierung aus CDU und AfD.

Für diese Umfrage befragte infratest-dimap vom 21. bis 25. Januar 2020 telefonisch 1.000 Wahlberechtigte in Thüringen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. Januar 2020 | 19:00 Uhr

88 Kommentare

Der Matthias vor 37 Wochen

@ der_Silvio bzw. Bernd L.

Nur noch mal zu Ihrer Kenntnisnahme: Ich habe nie behauptet, dass R2G alleine eine eigenständige Mehrheit hätte (nur in dem Fall, dass andere Parteien ihr zu dieser verhelfen)! Allerdings bestreite ich, dass dadurch automatisch eine Regierungsmehrheit jenseits von R2G zustande käme. Und dieses offensichtliche Nicht-Zustandekommen ist nun einmal ein Faktum. Ich könnte auch sagen: Das Zurkenntnisnehmen der nüchternen Realität!

der_Silvio vor 37 Wochen

@Bernd L.; "Matthias, Crizzle, ich gebe es fast auf. Es gibt keine linksgrüne Mehrheit in Thüringen, RRG als Regierungskoalition hat keine."
Ich glaube, Sie können es getrost aufgeben.
Was Der Matthias, Grizzle und Der Stephan hier grandios zeigen, nennt sich Erkenntnisresistenz.

Breakpoint vor 38 Wochen

@Stefan Der --- Ich habe nur beschrieben, was die Folgen wären, wenn die Wahl am 5. Februar nicht "normal" verläuft und ein abenteuerliches Ergebnis zustande käme. Normalerweise sollte der Landtag Bodo Ramelow als MP bestätigen. Er kann eine pragmatische Zusammenarbeit von RRG mit CDU und FDP sicher bewerkstelligen. Deshalb erwarte ich persönlich auch keine vorgezogenen Neuwahlen. Die AfD wird überall an Zuspruch verlieren. Hamburg macht in vier Wochen den Anfang. Dort liegen die "Blauen" in den Umfragen nur noch bei knapp 7 Prozent.

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