Thüringentrend Linke erstmals stärkste Kraft in Thüringen - CDU rutscht hinter AfD auf Platz 3

Drei Monate vor der Landtagswahl in Thüringen kann sich die Linke Hoffnung auf einen Sieg machen: Sie ist laut einer aktuellen Umfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN stärkste Partei - vor AfD und CDU.

Die Linke ist laut aktuellem Thüringentrend erstmals stärkste politische Kraft in Thüringen. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN kommt die Partei auf 25 Prozent der Stimmen. Sie liegt in der sogenannten Sonntagsfrage knapp vor der AfD, die mit 24 Prozent zweitstärkste Partei ist. Damit erreicht auch die AfD ihr bisher bestes Umfrageergebnis in Thüringen. Die CDU ist mit einem Stimmenanteil von 21 Prozent nur noch drittstärkste Kraft. Das ist ein historischer Tiefstwert für die Christdemokraten im Freistaat, die seit Jahrzehnten in Wahlen und Umfragen immer stärkste Partei gewesen waren.

Die Bündnisgrünen erleben einen Höhenflug: Sie kommen auf einen Stimmenanteil von 11 Prozent. Das ist ein historischer Bestwert für die Partei in Thüringen. Die SPD rutscht in der Umfrage auf 8 Prozent der Stimmen ab. Das ist der bisher schlechteste Wert für die Sozialdemokraten im Freistaat. Die FDP würde mit 5 Prozent Stimmenanteil den Wiedereinzug in den Thüringer Landtag knapp schaffen.

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Bildrechte: MDR/infratest-dimap

Im Vergleich zur dimap-Umfrage vom März 2019 haben Linke, AfD und Grüne an Zustimmung gewonnen. Die Linke legte um einen Prozentpunkt zu, die AfD um vier Prozentpunkte und die Grünen um drei Prozentpunkte. Massive Verluste im Vergleich zur März-Umfrage musste die CDU mit minus sieben Prozentpunkten hinnehmen. Die SPD sackte um drei Prozentpunkte ab, während der Stimmenanteil der FDP im Vergleich zur letzten Umfrage unverändert blieb.

Koalitionsbildung wäre schwierig

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Frage: Finden Sie eine Regierung aus ... sehr gut / gut? Fehlende Werte zu 100 Prozent: "Finde ich weniger gut oder schlecht bzw. keine Angabe" Bildrechte: MDR/infratest-dimap

Nach den aktuellen Zahlen dürfte eine Regierungsbildung schwierig werden: Die derzeit regierende rot-rot-grüne Koalition hätte keine Mehrheit mehr. Das gilt aber auch für andere mögliche Koalitionsvarianten wie etwa ein Bündnis von CDU, SPD, Grünen und FDP, oder Koalitionen aus CDU und Linken beziehungsweise aus CDU und AfD. In der Wählergrunst würde eine Wiederauflage der Koalition aus Linken, SPD und Grünen im Vordergrund stehen: 46 Prozent der Befragten fänden ein solches Bündnis sehr gut oder gut. 28 Prozent würden eine Koalition aus CDU und Linken gut oder sehr gut finden, 26 Prozent ein Zusammengehen von CDU, SPD, Grünen und FDP. Für eine Koalition aus CDU und AfD könnten sich 24 Prozent der Befragten erwärmen.

Auf die Frage, ob sie bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten für Bodo Ramelow (Die Linke) oder für Mike Mohring (CDU) stimmen würden, plädierten 52 Prozent der Befragten für Ramelow, 28 Prozent würden für Mohring stimmen. Die restlichen Befragten konnten oder wollten sich nicht für einen der beiden Genannten entscheiden.

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Anmerkung: Bei der Direktwahl-Frage wurden der Amtsinhaber und sein Herausforderer von der größten Oppositionspartei im Landtag zur Auswahl gestellt. Bildrechte: MDR/infratest-dimap

Gute Noten für die Arbeit der Landesregierung

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Die gegenwärtige rot-rot-grüne Landesregierung erhält für ihre Arbeit unverändert gute Noten: 55 Prozent der Befragten sagten, dass sie mit der Arbeit der Regierung zufrieden oder sehr zufrieden sind. Dabei sind die Zufriedenheitswerte bei Linke-Anhängern am größten (86 Prozent zufrieden/sehr zufrieden), bei AfD-Anhängern am niedrigsten (23 Prozent zufrieden/sehr zufrieden).

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Folgende politische Probleme nannten die Befragten als wichtigste, die vordringlich zu lösen seien:

  • Bildung/Ausbildung/Schule (28 Prozent der Befragten)
  • Flüchtlinge/Einwanderung/ Asylpolitik/Integration (21 %)
  • Umweltschutz/Klimawandel (16 %)
  • Verkehr/Straßen/Infrastruktur (14 %)
  • Soziale Ungerechtigkeit/Armut/Hartz IV (12 %)
  • Rente/Alterssicherung (8 %)
  • Gesundheitswesen/medizinische Versorgung/Pflege (8 %)
  • Löhne/Mindestlohn (8 %).

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Dass eine von der CDU geführte Landesregierung die anstehenden Aufgaben und Probleme in Thüringen besser lösen könnte als die derzeitige rot-rot-grüne Regierung, glauben nur wenige Befragte: 22 Prozent trauten der CDU eine bessere Arbeit zu. 58 Prozent meinten, dass die Christdemokraten nicht dazu in der Lage wären, anstehende Aufgaben besser zu lösen.

Und welchem Bereich haben die Parteien nach Ansicht der Befragten die größten Lösungskompetenzen? Bei Linken und SPD ist das soziale Gerechtigkeit, bei der AfD ist das die Asyl- und Flüchtlingspolitik, bei den Grünen die Umwelt- und Klimapolitik. CDU und FDP trauen die Befragten vor allem zu, eine gute Wirtschaftspolitik zu machen.

Thüringentrend | Juli 2019 Problemlösungskompetenz der Parteien

In der Umfrage von infratest-dimap im Auftrag von MDR THÜRINGEN wurden die Befragten nach ihrer Einschätzung befragt, welche Partei welche Probleme am besten lösen kann. Hier die Ergebnisse.

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Frage: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgabe in Thüringen zu lösen: gute Asyl- und Flüchtlingspolitik? Bildrechte: MDR/infratest-dimap
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Frage: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgabe in Thüringen zu lösen: gute Asyl- und Flüchtlingspolitik? Bildrechte: MDR/infratest-dimap
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Frage: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgabe in Thüringen zu lösen: eine gute Umwelt- und Klimapolitik betreiben? Bildrechte: MDR/infratest-dimap
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Frage: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgabe in Thüringen zu lösen: Kriminalität und Verbrechen in Thüringen bekämpfen? Bildrechte: MDR/infratest-dimap
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Frage: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgabe in Thüringen zu lösen: die Versorgung auf dem Land sicherstellen? Bildrechte: MDR/infratest-dimap
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Frage: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgabe in Thüringen zu lösen: für soziale Gerechtigkeit sorgen? Bildrechte: MDR/infratest-dimap
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Frage: Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, diese Aufgabe in Thüringen zu lösen: Wirtschaft in Thüringen voranbringen? Bildrechte: MDR/infratest-dimap
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Linke ist laut Umfrage am ehesten Partei für die Ostdeutschen

Um die Interessen der Ostdeutschen kümmert sich auf politischer Ebene nach Ansicht einer Mehrheit der Befragten vor allem die Linke: Ihr bescheinigten 39 Prozent der Befragten dieses Engagement. Deutlich schlechtere Werte erhielten hier die anderen Parteien.

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Bei den persönlichen Benotungen von Thüringer Spitzenpolitikern liegt Regierungschef Ramelow in der Umfrage klar vorn. 65 Prozent der Befragten gaben an, mit seiner Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden zu sein. Dem SPD-Landesvorsitzenden und Thüringer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee bescheinigten das 55 Prozent der Befragten. Mit einigem Abstand folgen CDU-Landeschef Mohring, Umweltministerin Anja Siegesmund (B90/Grüne), AfD-Landeschef Björn Höcke und FDP-Landeschef Thomas Kemmerich von 10 Prozent.

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Werte: Bin mit der Arbeit von ... sehr zufrieden/zufrieden. Fehlende Werte zu 100 Prozent: bin weniger/gar nicht zufrieden oder kenne ich nicht oder kann ich nicht beurteilen oder weiß nicht oder keine Angabe. Bildrechte: MDR/infratest-dimap

Daten zur Umfrage Die Umfrage wurde von infratest-dimap im Zeitraum vom 24. bis 29. Juli 2019 im Auftrag von MDR THÜRINGEN durchgeführt. Dabei wurden 1.001 Personen telefonisch befragt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. Juli 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2019, 20:33 Uhr

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152 Kommentare

01.08.2019 18:20 Thbratwurst 152

Stopp!
Erst einmal was ist West was ist Ost was ist was? Wir leben in einem Land fertig. Das in der neueren Region der BRD Unmut herrscht ist ja richtig wenn man über Rente und Arbeitslohn redet. Nur da stoppen wir mal. Ja die Rente ist politisch gemacht nur der Lohn und die geringere Höhe ist zwar schriftlich festgelegt aber nicht bindend also ist das Sache eures Arbeitgebers wenn er das Niveau der neuen Bundesländer zahlt er ist nicht dazu verpflichtet und darf gerne freiwillig mehr zahlen also beschwert euch mal dort. Der Aufbau Ist hat viel renoviert und auch geschaffen 60 Jahre Misswirtschaft der DDR kann man in 30 Jahren nicht mal eben wegwischen. Genau wie der Zustand mancher Städte, Straßen ect. Das war kaputt und es wurde viel wieder gerichtet. Jetzt gibt es in den alten Bundesländern schon Regionen die schlechter dastehen als manche hier. Es ist auch manches falsch gelaufen aber es hat noch nie eine solche Wiedervereinigung gegeben es gab keinen Masterplan. Jetzt mault nicht.

01.08.2019 14:08 martin 151

@95 bernd: Ein Recht darauf, dass die stärkste Fraktion den Regierungschef stellt gibt es nicht und hat es auch nie gegeben. Üblich ist lediglich, dass die stärkste Fraktion als erste loszieht und sich auf die Suche nach möglichen Koalitionspartnern macht, wenn sie nicht die Mehrheit der Mandate errungen hat.

@100 jackblack: Offensichtlich teilt nicht jeder Ihre Einschätzung "abgerechnet wird NACH der Wahl" - siehe Kassel.

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