Thüringentrend Keine Mehrheit für Rot-Rot-Grün mehr

In der letzten Umfrage vor der Landtagswahl von infratest-dimap ergibt sich in der sogenannten Sonntagsfrage keine klare Mehrheit. Weder die derzeitige Regierungskoalition von Linken, SPD und Grünen noch die von Oppositionsführer Mike Mohring (CDU) angestrebte Kenia-Koalition erreicht eine Mehrheit der Sitze im Landtag.

Zehn Tage vor der Landtagswahl muss die rot-rot-grüne Landesregierung um ihre Mehrheit bangen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap im Auftrag der ARD kommen Linke, SPD und Grüne nur auf 44 Prozent der Stimmen. Für eine Ministerpräsidentenwahl im Landtag würde dieses Ergebnis nicht reichen. In der sogenannten Sonntagsfrage sprachen sich 29 Prozent der Befragten für die Partei von Ministerpräsident Bodo Ramelow aus. Das ist ein Prozentpunkt mehr als bei der letzten Umfrage im September und vier Prozentpunkte mehr als noch im Juli.

Die Christdemokraten konnten im Vergleich zum September zwei Prozentpunkte zulegen und erreichen 24 Prozent. Im Juli lag die CDU noch bei 21 Prozent. Die AfD verliert einen Punkt und kommt ebenfalls auf 24 Prozent. Die FDP würde nach der aktuellen Umfrage den Wiedereinzug in den Landtag verpassen.

Grafik zum Thüringentrend - Umfrage zur Landtagswahl 2019 in Thüringen
Der Grafik liegen Vergleichswerte vom Juli zugrunde. Bildrechte: MDR/infratest-dimap

Schwierige Koalitionsbildung in Thüringen

Weder die derzeitige Regierungskoalition von Linken, SPD und Grünen noch die von Oppositionsführer Mike Mohring (CDU) angestrebte Kenia-Koalition aus CDU, SPD und Grünen erreicht mit den aktuellen Umfrageergebnissen eine Mehrheit der Sitze im Landtag. Die FDP bleibt das Zünglein an der Waage. Sollte die Partei bei der Wahl am 27. Oktober in den Landtag einziehen, würden die Chancen für Mike Mohring zumindest theoretisch steigen, eine Koalition mit allen Parteien außer AfD und Linken zu bilden. Wenn die aktuelle Sonntagsfrage aber das Wahlergebnis wäre, dann würde Ministerpräsident Bodo Ramelow und seine rot-rot-grüne Landesregierung trotzdem im Amt bleiben, und zwar kommissarisch; und ohne Mehrheit im Landtag. Laut Verfassung endet seine Amtszeit erst, wenn es eine neue Regierung gibt.

Weiter gute Noten für die Landesregierung

Die rot-rot-grüne Landesregierung erhält für ihre Arbeit weiter gute Noten. 58 Prozent der Befragten gaben an, mit der Arbeit der Regierung zufrieden oder sehr zufrieden zu sein.

Vor allem Parteianhänger der Linken (96%) und SPD (83%) sind mit der Arbeit von Rot-Rot-Grün zufrieden. Am wenigsten zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung sind Parteianhänger der AfD (19%).

Eine Grafik, die Prozentual ausdrückt, wie zufrieden die Bürger mit der Landesregierung sind im Oktober
Bildrechte: MDR/infratest-dimap

Vergleich zur Landtagswahl 2014

Im Vergleich zur letzten Landtagswahl würde die CDU deutlich an Stimmen verlieren und mit einem historischen Tief erstmals unter 30 Prozent bleiben. 2014 kam sie auf 33,5 Prozent der Stimen. Die AfD würde mit 24 Prozent ihr Ergebnis von der letzten Landtagswahl mehr als verdoppeln. Damals konnte sie 10,6 Prozent der Stimmen verbuchen. Die Sozialdemokraten wären nur viertstärkste Kraft in Thüringen und würden mit einem einstelligem Ergebnis (8%) einen historischen Tiefpunkt markieren.

Reaktionen: Alle optimistisch

Thüringens Ministerpräsident und Linke-Spitzenkandidat Bodo Ramelow verwies in einer Reaktion auf die Umfrage auf die hohen Zufriedenheitswerte mit seiner Politik. Jetzt müssten die Linken den Menschen nur noch klar machen, dass sie ihre Stimme dann auch den Parteien der rot-rot-grünen Koalition geben sollten. SPD-Chef Wolfgang Tiefensee sagte, seine Partei habe ihre Talfahrt offenbar gestoppt. Jetzt würden die Sozialdemokraten die Ärmel hochkrempeln, damit es wieder aufwärts gehe. Grünen-Spitzenkandidatin Anja Siegesmund rechnet bei der Landtagswahl mit einem sehr knappen Ergebnis. "Am Ende wird es um wenige Tausend Stimmen gehen", sagte sie.

Oppositionsführer Mike Mohring (CDU) setzt dagegen weiter auf eine "Koalition der Mitte". Die Situation sei unübersichtlich, sagte er. "Am Ende stehen wir in der Verantwortung, in der bürgerlichen Mitte eine Regierung zu bilden." FDP-Spitzenkandidat Thomas Kemmerich zeigte sich am Donnerstag überzeugt, dass die Liberalen den Sprung in den Landtag schaffen werden. Die AfD kündigte an, nach der Wahl für Koalitionsgespräche zur Verfügung zu stehen.

Daten zur Umfrage Die Umfrage wurde von infratest-dimap im Zeitraum vom 14. bis 16. Oktober 2019 im Auftrag der ARD durchgeführt. Dabei wurden 1.011 Personen telefonisch befragt.

Die Sonntagsfrage ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung.

Aktuell steht für 58 Prozent der Wahlberechtigten die Wahlentscheidung bereits fest.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 15:24 Uhr

132 Kommentare

aus Elbflorenz vor 3 Wochen

Sie sollten Sie mal die Reden der AfD im Original hören, statt die Fehlinterpretatonen bei den Enkeln von Karl Eduard von Schnitzler:
Die AfD bildet die Spaltung lediglich ab.

Petra Stein vor 3 Wochen

Winfried, Sie enttäuschen mich etwas. Ich bin auf Ihre Punkte eingegangen und habe - wie ich meine - gute Argumente und Fakten gebracht. Und Sie gehen darauf gar nicht ein. Anderswo haben Sie, wenn auch ironisch, geschrieben, Sie wären halt dumm und "schmerzfrei". Vielleicht würde es Ihnen helfen, nach Björn Höcke und sein Umfeld zu suchen. Da ich Sie als gar nicht dumm einschätze, werden Sie sich bei den Entdeckungen sicherlich gruseln. Ansonsten sagen Sie hinterher nicht: "ich habe das nicht gewusst". Sonst erinnern Sie mich an die Kohl-Wähler von 1990.

Rasselbock vor 3 Wochen

Nirgendwo habe ich geschrieben Bewährtes zu "exekutieren". Ich lerne dazu, man muss sich noch simpler ausdrücken können, damit habe ich ab und an ein Problem, damit der Rest der Welt einen verstehen kann. Danke auch für Ihre Komplimente. Noch ein Zitat von Karl Kraus:Das Geheimnis eines Agitators ist es sich so dumm zu machen wie seine Zuhörer sind damit sie glauben sie seinen so gescheit wie er. Es ist offenbar das Erfolgsrezept eines Höcke.

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