Wegen "Baumkahlschlags-Lobby" Förster fordern Rücktritt von Thüringens Umweltministerin

Thüringens Förster haben den Rücktritt von Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) gefordert. Der Landesverband Deutscher Forstleute sieht sich durch Äußerungen Siegesmunds auf dem kleinen Parteitag der Grünen in Weimar am 11. März verunglimpft. Dort hatte die grüne Ministerin die Thüringer Forstwirtschaft als "Baumkahlschlags-Lobby" bezeichnet und der Forstbranche Raubbau vorgeworfen. MDR THÜRINGEN hatte darüber berichtet.

"Forstverwaltung vorsätzlich in Misskredit gebracht"

Anja Siegesmund
Anja Siegesmund Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Landesvorsitzende Andreas Schiene schrieb in einem Brief an die Ministerin, "mit ihren Äußerungen haben Sie einen ganzen Berufszweig geschmäht und alle Beschäftigten der Thüringer Forstverwaltung vorsätzlich in Misskredit gebracht." Noch nie habe ein Regierungsmitglied "solche Diffamierungen und Vorwürfe gegenüber Beschäftigten von sich gegeben". Siegesmund sei als Regierungsmitglied untragbar. Laut Schiene forderte der Bund Deutscher Forstleute Siegesmund bereits am 17. März zu einer Stellungnahme auf. Bisher habe das Ministerium jedoch geschwiegen. Das Umweltministerium wollte die Rücktrittsforderung auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN nicht kommentieren.

Hintergrund sind die Urwald-Pläne die Landesregierung. Thüringen will bis 2020 rund 26.200 Hektar Wald aus der Bewirtschaftung durch den staatlichen Thüringenforst herauslösen. Das sind fünf Prozent der Waldflächen im Freistaat. Vor allem am Possen bei Sondershausen entzündet sich der Streit. Das Umweltministerium dringt darauf, das 2.500 Hektar große Gebiet aus der Nutzung zu nehmen. Widerstand gibt es nicht nur von Thüringens Forstwirtschaft, sondern auch aus dem Landwirtschaftsministerium.

Weniger Holz aus Thüringer Wäldern

Waldwildniss am Possen
Waldwildnis am Possen Bildrechte: Ronny Arnold

Im Jahr 2016 wurde aus Thüringens Wäldern deutlich weniger Holz eingeschlagen als in den Jahren zuvor. Nach Angaben des Statistischen Landesamts fiel der Rückgang vor allem bei Laubhölzern mit 14 Prozent deutlich aus. Laubhölzer werden unter anderem in der Möbelindustrie eingesetzt. Insgesamt kamen aus den Forsten von Land, Kommunen und Privateigentümern 2,4 Millionen Kubikmeter Holz. Das ist ein Rückgang von sechs Prozent oder 142.000 Kubikmetern im Vergleich zu 2015. Das Gros des Holzes kam mit einem Anteil von 57 Prozent aus Thüringens Staatsforst. Die restlichen 43 Prozent steuerten die Forsten vor allem von Kommunen sowie privaten Waldbesitzern bei.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 10.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2017, 18:23 Uhr

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27 Kommentare

12.04.2017 16:15 Rademacher 27

@23/ 25: Sie kommen mir persönlich sehr populistisch rüber. Dass die Grünen seit jeher hauptsächlich von eher naturfernen lebensunerfahrenen alternativ angehauchten Großstädtern, insbesondere in den Multi-Kulti-Ballungsgebieten Westdeutschlands, gewählt werden, ist ein Fakt. Da hat der User recht, ob es Ihnen passt oder nicht. Für mich sind die Grünen weltfremde Bevormunder und Umerzieher, regelrechte Spießer mit überteuerten Bio-Frass (der oftmals gar kein Bio ist) die dem Generquatsch verpflichtet sind, überall Nazis und Umweltsünder wittern, und damit dem steuerzahlenden Normalbürger gehörig auf den Sack gehen. Zugleich haben sie eine Abneigung gegen Jäger, Fischer, Landwirte und alle anderen, die das Essen auf den Tisch bringen. Das Schikanieren von Autofahrern gehört auch zum Leitbild. Ist halt Pech, wenn man zur Arbeit pendeln muss und nicht neben einer Straßenbahnhaltestelle wohnt. Nur bei den Themen Drogen und ungeregelte Zuwanderung sind die Ökos plötzlich sehr sehr liberal.

11.04.2017 22:32 Kein Vertrauensschutz 26

Zum Thema "Meinungsfreiheit":
Ja, jeder hat das Recht seine Meinung frei zu äußern. Nur sollte sich auch jeder der Grenzen der Meinungsfreiheit bewusst sein. Die Grenzen der Meinungsfreiheit sind bei einer Privatperson anders zu ziehen, als bei einem Mitglied der Landesregierung. Der Thüringer Verfassungsgerichtshof musste insb. dem Ministerpräsidenten des Freistaates Thüringen mehrmals seine Grenzen aufzeigen.
Aber auch das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz – an dessen Spitze Frau Ministerin Siegesmund steht – riskiert so manche Grenzüberschreitung; so wurde bspw. auf dem offiziellen Twitteraccount am 9.12.2016 ein Tweet von „@spdthl“ retweetet: „AfD-Brandner leugnet menschlich-beeinflussten Klimawandel“; der Tweet ist mit einer Grafik versehen, auf der sich ein Mann an den Kopf fasst. Gerne wird auch mal auf Aktivitäten u. Meinungen von Mitgliedern der Fraktion der Grünen hingewiesen (bspw. Tweet vom 11.8.2016; 5.4.2017). Neutralität à la R2G.

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