Bundesprogramm selten nachgefragt Nur wenige Thüringer Firmen beantragen Corona-Überbrückungshilfe

Während für Corona-Soforthilfen im März und April mehr als 52.000 Anträge eingingen, haben bisher nur 919 Unternehmen in Thüringen Überbrückungshilfe beantragt. Grund sind hohe Hürden und komplizierte Anträge.

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Das Antragsverfahren für Corona-Überbrückungshilfe gilt als aufwendig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Thüringen hat bisher nur ein Bruchteil der Unternehmen die Corona-Überbrückungshilfe des Bundes beantragt. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums haben bisher nur 934 Unternehmen einen Antrag auf Förderung gestellt. Sprecher Stephan Krauß sagte MDR THÜRINGEN, 540 Antragsteller hätten eine Zusage erhalten. 281 Anträge würden noch bearbeitet, die übrigen seien abgelehnt oder zurückgezogen worden. Insgesamt seien bis jetzt 7,4 Millionen Euro an Überbrückungshilfe ausgezahlt worden. In Thüringen sind rund 80.000 Unternehmen und Solo-Selbstständige registriert.

Drastische Umsatzrückgänge in Corona-Zeit nachzuweisen

Gründe für das scheinbar geringe Interesse könnten hohe Hürden in den Förderrichtlinien für die Unternehmen sein. So sind nur diejenigen antragsberechtigt, die im April und Mai dieses Jahres einen Umsatzrückgang von mindestens 60 Prozent im Vergleich zu den Vorjahresmonaten zu verzeichnen hatten.

Auch sollte die Überbrückungshilfe nur dann gezahlt werden, wenn zudem die Umsatzausfälle von Juni bis August mindestens 40 Prozent betrugen. Hier hat das Land Thüringen bereits nachjustiert und den Wert auf 30 Prozent gesenkt. Außerdem sei das Antragsverfahren insgesamt aufwendig, räumt das Ministerium ein.

Zum Vergleich: Für die Corona-Soforthilfe wurden in Thüringen etwa 52.000 Anträge von Unternehmen und Solo-Selbstständige bewilligt und dafür rund 312 Millionen Euro zugesagt. Allerdings sei hier, so der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, das Antragsverfahren deutlich einfacher gewesen.

"Wir gehen davon aus, dass jetzt, da feststeht, dass das Überbrückungshilfeprogramm bis Ende 2020 verlängert wird, die Zahl der Anträge noch einmal stark steigen wird", sagte Krauß. Grund dafür sei, dass die Unternehmen nun genau angeben könnten, wie viel sie in den Monaten Juni bis August erwirtschaftet hätten. Vorher konnten sie nur mit Schätzwerten arbeiten.

Soforthilfeanträge in gelben Postboxen 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL So 31.05.2020 19:00Uhr 02:03 min

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90 Prozent der Schausteller haben Antrag gestellt

Die meisten Anträge für Überbrückungshilfen stellten bisher Unternehmen aus dem Gastgewerbe (243), gefolgt von Firmen, die sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen erbringen (199) und Unternehmen aus Kunst, Unterhaltung und Erholung (138). Dazu zählt auch das Schaustellergewerbe im Freistaat.

Schausteller
Schausteller sind nach eigenen Angaben besonders hart von der Corona-Krise betroffen. (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie Michael Bang, Vorsitzender des Thüringer Schaustellerfachverbands MDR THÜRINGEN sagte, haben fast 90 Prozent der Schausteller die Überbrückungshilfe beantragt. Allerdings sei diese nicht wirklich eine Hilfe, denn private Ausgaben könnten von dem Geld nicht getätigt werden.

Wenn wir zwei Wochen auf einem Festplatz stehen, erwirtschaften wir in dieser Zeit alles: Platzmiete, Lohn für Mitarbeiter, laufende Kosten und eben auch unser Essen.

Michael Bang

Gerade Schausteller seien von der Corona-Pandemie stark gebeutelt. Die Lage sei katastrophal, zumal keiner sagen könne, wann es wirklich mit dem Geschäft weiter geht. Sollten die Weihnachtsmärkte doch noch abgesagt werden beziehungsweise nur in kleinem Rahmen stattfinden, geht der Vorsitzende davon aus, dass im kommenden Jahr 40 Prozent der insgesamt 100 Schaustellerbetriebe in Thüringen Insolvenz beantragen müssen.

Warum Messeveranstalter keinen Antrag gestellt hat

Obwohl eigens auch für Messeveranstalter gedacht, hat Thüringens größtes privates Messeunternehmen RAM GmbH aus Erfurt keine Überbrückungshilfe beantragt. Das Unternehmen sei nicht förderfähig, sagte Geschäftsführerin Constanze Kreuser. Grund: Messen werden im Jahresturnus vorbereitet, Anmelderückgänge von Ausstellern schlagen sich bei Messeveranstaltern finanziell nicht in einem Monatsrhythmus nieder, sondern mit Verzögerung. Finanzielle Einbußen würden frühestens ab September umsatzwirksam werden.

"Ich hätte mir gewünscht, dass man andere, einfache Lösungen findet. Zum Beispiel einen prozentualen Umsatzausgleich in Anlehnung der Umsatzzahlen aus 2019. Es würde den Unternehmen viel Sicherheit geben, Existenzängste minimieren und Arbeitsplätze sichern", ist Kreuser überzeugt.

Corona-Überbrückungshilfe bis 150.000 Euro

Die Corona-Überbrückungshilfe kann rückwirkend für drei Monate beantragt werden. Um Betrugsversuche zu minimieren, müssen die Unternehmer den Antrag über einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer einreichen. Die Förderung kann maximal 150.000 Euro betragen.

Der Freistaat Thüringen hatte das Programm relativ schnell mit eigenen Maßnahmen ergänzt und etwa für Soloselbstständige eine Pauschale für Lebenserhaltungskosten eingerichtet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. September 2020 | 10:00 Uhr

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