leeres Klassenzimmer
Zahlen zum aktuellen Unterrichtsausfall in Thüringen liegen noch nicht vor. Das Bildungsministerium spricht allerdings von einer "Extremsituation". Bildrechte: MDR/Niklas Ottersbach

Bildung Thüringer Schulen: Unterrichtsausfall extrem hoch

Die Lage an Thüringer Schulen spitzt sich aufgrund des Lehrermangels immer mehr zu. Besonders hart trifft es die Regelschulen und die kleinen Schulen im ländlichen Raum, wie das Bildungsministerium mitteilte. Dort falle der Unterricht öfter aus, weil es in einem kleineren Kollegium schwieriger sei, Ersatz zu finden. Um auch die kleineren Standorte zu stärken, setze die Landesregierung auf Schulkooperationen.

leeres Klassenzimmer
Zahlen zum aktuellen Unterrichtsausfall in Thüringen liegen noch nicht vor. Das Bildungsministerium spricht allerdings von einer "Extremsituation". Bildrechte: MDR/Niklas Ottersbach

Dass derzeit an der Erich-Kästner-Grundschule in Gera eine komplette Woche kein Unterricht stattfindet, weil es nicht genügend Lehrer gibt, hat auch für das Ministerium eine neue Qualität. Rund 300 Grundschüler seien von dem Unterrichtsausfall betroffen, weil sieben von elf Lehrern krank sind. Ministeriumssprecher Frank Schenker spricht von einer Extremsituation, die es so noch nicht gab. In dieser Größenordnung sei das eine absolute Ausnahme. Um das Problem schnell zu lösen, müssten zunächst Klassen zusammengelegt werden. Auch Hortnerinnen würden angesprochen, um die Kinder am Vormittag zu betreuen. Zudem prüfe das Schulamt, ob Lehrer anderer Schulen an die Grundschule abgeordnet werden können.

Kindergartenplätze sollen Lehrer locken

Um den Lehrermangel langfristig in den Griff zu bekommen, setze Thüringen nach wie vor auf konsequentes Einstellen. Auf dem Land sollen Lehrer zudem mit Kindergartenplätzen für ihren Nachwuchs und Wohnungen in die Region gelockt werden. Dafür gebe es Gespräche mit Bürgermeistern. Außerdem würden in den monatlichen Stellenanzeigen Schulen porträtiert, damit Interessenten wissen, was sie erwartet.   

Freie Stellen können nicht besetzt werden

Für den Thüringer Lehrerverband war die aktuelle Situation vorhersehbar. Sobald ein größerer Krankenstand entstehe, könne wegen des akuten Personalmangels dem Unterrichtsausfall nicht mehr gegengesteuert werden, sagte der Verbandsvorsitzende Rolf Busch. Er rechnet damit, dass sich das Problem weiter verschärft. Grund ist, dass zu wenig Bewerber auf dem Markt sind. Freie Stellen lassen sich deshalb immer schwerer besetzen.

Hauptproblem: Langzeitkranke

Hauptgrund für den Unterrichtsausfall sind laut Ministerium Lehrer, die längere Zeit krank sind. In den Lehrerzimmern fehle mittlerweile eine ganze Generation, heißt es. Nach zuletzt veröffentlichten Zahlen lag der Unterrichtsausfall an allgemeinbildenden Schulen bei 6,6 Prozent.

Im vorigen Jahr hat Thüringen rund 900 Lehrerinnen und Lehrer neu in den Schuldienst eingestellt. Darunter waren fünf Prozent Seiteneinsteiger, die nicht über ein abgeschlossenes Lehramtsstudium verfügen. Der Lehrerverband kritisiert, dass das Ministerium von Neueinstellungen redet. Die 866 Lehrerinnen und Lehrer seien lediglich ein Ersatz für ältere Kollegen, die in Ruhestand gegangen sind. Erst seit Jahresanfang könne jede freiwerdende Stelle wieder besetzt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 07. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2019, 20:58 Uhr

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23 Kommentare

08.03.2019 17:07 Ursache suchen 23

An MDR
Sie haben Recht, so steht es auf dem Papier, und Papier ist bekanntlich geduldig. In der Wirklichkeit sieht es allerdings ein wenig anders aus. Wie in jedem Beruf, bekommt man auch als Lehrer Routine und benötigt nicht mehr allzuviel Zeit für Vorbereitungen, und die Präsenzzeiten während der Schulferien halten sich in der Realtität auch in Grenzen.

[MDR THÜRINGEN: Wie kommen Sie zu diesen Erkenntnissen?]

08.03.2019 16:36 Ursache suchen 22

@19 und 21 Jan
Auch Sie sollten richtig lesen. Im Artikel geht es um Lehrer "Thüringer Schulen. Unterrichtsausfall extrem hoch.." und die müssen nicht in Schichten arbeiten, auch nicht vierzig Stunden pro Woche, bekommen regelmäßig ihr Gehalt und haben in den Schulferien auch noch ausreichend Freizeit. Sie müssen auch nicht schwer körperlich arbeiten.....
Also...

[MDR THÜRINGEN: Liebe User, als Hintergrund für Ihre Diskussion: Für verbeamtete Lehrer gilt das Thüringer Beamtengesetz. Demnach beträgt die regelmäßige Arbeitszeit 40 Stunden pro Woche. Laut dem Lehrerverband macht das Unterrichten nur die Hälfte der Arbeitszeit von Lehrern aus. So zählen beispielsweise auch die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts und Lehrerkonferenzen zur Arbeitszeit. Auch die Ferien sind nicht automatisch als Urlaub zu deklarieren, da Lehrer zum Teil auch in den Ferien Präsenzzeiten in der Schule haben.]

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