Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
Eine Lehrerin unterrichtet in einer Grundschule. Der Anteil der ersatzlos gestrichenen Stunden lag im September in Thüringen bei 5,7 Prozent. Bildrechte: MDR/Viola Simank

Bildung Trotz neuer Lehrer: Unterrichtsausfall in Thüringen nach wie vor hoch

1.069 neue Lehrer wurden 2019 in Thüringen eingestellt - so viele wie nie zuvor. Dennoch falle nach wie vor zuviel Unterricht an Schulen aus. Unbefristete Stellen fehlen und Stunden werden selten fachgerecht ersetzt. Dennoch sei die Entwicklung positiv zu bewerten, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Lehrerin und Kinder im jahrgangsübergreifenden Unterricht
Eine Lehrerin unterrichtet in einer Grundschule. Der Anteil der ersatzlos gestrichenen Stunden lag im September in Thüringen bei 5,7 Prozent. Bildrechte: MDR/Viola Simank

In Thüringen fällt nach wie vor viel Unterricht aus. Wie das Bildungsministerium mitteilte, lag der Anteil der ersatzlos gestrichenen Stunden im September bei 5,7 Prozent - 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch beim Vertretungsunterricht gab es einen leichten Anstieg von 5,5 auf 5,6 Prozent. Nur ein Drittel des Unterrichts wurde dabei fachgerecht ersetzt.

Knapp 1.000 neue Lehrer

Helmut Holter Bildungsminister Thüringen
Thüringens Bildungsminister Helmut Holter. Bildrechte: imago/Jacob Schröter

Das Ministerium spricht von einer "angespannten" Situation. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) verweist trotz der alarmierenden Zahlen weiter auf die laufenden Lehrereinstellungen, das seien so viele wie nie zuvor. Allein in diesem Jahr seien 1.069 neue Lehrerinnen und Lehrer in den Schuldienst gekommen, darunter knapp 100 Seiteneinsteiger. Den Thüringer Schulen empfiehlt Holter, noch stärker das Schulbudget zu nutzen. Damit können unter anderem Angebote zur Gesundheitsvorsorge bezahlt werden.

Unbefristete Stellen fehlen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Thüringen erkennt die Bemühungen der Landesregierung, sieht aber deutliche Mängel. Sprecher Michael Kummer sagte MDR THÜRINGEN, vor allem die angekündigte Vertretungsreserve sei noch "nicht mit den richtigen Werkzeugen angefasst" worden, da fehlten weiterhin unbefristete Stellen. Die Entwicklung könne man insgesamt aber positiv werten, so Kummer. Trotz der vielen altersbedingten Abgänge gebe es beim Unterrichtsausfall nur eine marginale Veränderung.

Dennoch sei der Stand ein schlechter. Der Unterrichtsausfall in Thüringen wird seit Beginn des Schuljahrs 2018/19 mit einer überarbeiteten Methode gemessen. Es gibt drei sogenannte Erhebungswochen pro Schuljahr. Neu ist die gesonderte Erfassung von sogenannter Stillarbeit als Unterrichtsausfall sowie eine Erhebung über Klassenzusammenlegungen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 04. Dezember 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2019, 12:41 Uhr

8 Kommentare

martin vor 4 Tagen

@part: Ich wünschte Ihnen widersprechen zu können - aber leider haben Sie recht. Allerdings beobachte ich die Verschiebung von Bildung hin zur "wirtschaftlichen Verwertbarkeit" schon seit längerer Zeit. Das beginnt in den Schulen, geht über die Hochschulen weiter (ein guter Absolvent ist nicht mehr der, der die Hochschule auch mit Wissen rechts und links vom Kernfachgebiet verlässt, sondern wer möglichst schnell fertig ist - man könnte auf die Idee kommen, es Förderung der Fachidiotie zu nennen) und geht bis in die Forschung (Forschungsgelder für Grundlagenforschung? Kaum zu bekommen).

In der Reproduktion von Wissen sind uns manche Nationen (insb. aus dem asiatischen Raum) deutlich überlegen - wir sollten daher unseren Fokus auf die Erschließung neuen Wissens legen. Die Grundlagen dafür werden jedoch meiner Meinung nach derzeit systematisch zerstört.

part vor 5 Tagen

Daran zeigt sich das das Wirken von ganzen Regierungskoalitionen oftmals über die Legislaturperioden der nachfolgenden Koalitionen hinaus wirkt, die eben die Versäumnisse von Jahrzenten in Bund und Land nicht innerhalb von 4 Jahren beseitigen kann. Nimmt man noch die neuste PISA- Studie hinzu, wird deutlich das das heutige Bildungsverständnis rein ökonomisch angelegt ist, was das Kind heute lernt, muß sich für die Wirtschaft morgen rentieren können. Nicht rentabel ist was die Selbst- und Fremdverwertung als Wirtschaftssubjekt durchkreuzen könnte.

martin vor 6 Tagen

Werter Hans,
in der Tat fallen mir zu Ihrer Beschreibung auch passende Menschen ein, die sich Pädagogen schimpfen (dürfen). Aber so pauschal finde ich das nicht richtig: Es gibt weiterhin gute und engagierte Lehrer - und denen muss man nicht durch Pauschalkritik auch noch gegen das Schienbein treten. Finde ich jedenfalls.

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