Impulskäufer oder Rosenkavalier? Valentinstag in Thüringen: Blumenläden suchen Lösungen im Lockdown

Noch schnell ein Sträußchen, um der Geliebten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern? Nun ja, das geht in diesem Jahr leider nicht so ganz problemlos wie gewünscht. Damit Mann oder Frau ihrem Partner dennoch eine Freude machen können, übrigens nicht nur zum Valentinstag, sind einige Floristen im Freistaat auf die Suche nach Alternativen gegangen.

Annette Radloff steht in ihrem Blumenladen und bindet Sträuße.
Annette Radloff in ihrem Blumenladen. Sie bietet hier ihre Sträuße hinter dem Schaufenster an, dennoch liegen die Umsatzeinbußen zum Valentinstag bei etwa 50 Prozent. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

"Für mich soll's rote Rosen regnen" - ein Wunsch, der in diesem Jahr nicht leicht zu erfüllen ist. Am 14. Februar ist Valentinstag. Der sorgt normalerweise für klingelnde Kassen bei den Floristen in Thüringen. Nicht so in diesem Jahr. Dass der Valentinstag auf einen Sonntag fällt, ist dabei noch die kleinste Hürde. Denn die Blumengeschäfte sind wegen der Corona-Pandemie derzeit ohnehin geschlossen.

Und dann wäre da auch noch das Wetter. Lkw voller Blumen blieben im Schnee stecken. Rosige Zeiten sehen für Blumengeschäfte anders aus. Die berühmten drei Worte "Ich liebe dich" können die Thüringer aber auch in diesem Jahr wieder durch die Blume sagen. Bestellungen nehmen Floristen vielerorts telefonisch entgegen oder über ladeneigene Onlineshops.

Schaufenster als Werbefläche

Annette Radloff hat ihr kleines Blumengeschäft in Arnstadt. Ihre Ladenfront ist komplett verglast. Das Schaufenster ist ihre Werbefläche. Denn vor die Tür stellen kann sie wegen der eisigen Temperaturen nichts und hinein darf niemand. Deshalb dekoriert sie fast täglich neu.

Viele nutzen den Spaziergang am Wochenende oder nach Feierabend und schlendern am Laden vorbei, sagt sie. Manchmal drücken sich die Leute regelrecht die Nase platt, suchen sich etwas aus und rufen sie dann an. Abholtermine sind meist schnell vereinbart. Übergeben werden die kunstvoll gebundenen Sträuße, die dekorierten Pflanztöpfchen oder Dekoartikel dann an der Ladentür, an der auch gern spontan geklopft werden darf. Das funktioniere gut, sagt sie.

Eine Kundin betritt einen Blumenladen.
Täglich gestaltet Annette Radloff ihr Schaufenster um. So sehen die Kunden, was es bei ihr im Laden gibt. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Männer sind Blumen-Impulskäufer

An den Valentinstag erinnert nicht nur eine kreidebeschriebene Tafel, sondern auch ein großes rotes Herz im Schaufenster. Das sei wichtig, so Radloff. Denn Männer seien zum Valentinstag Impulskäufer. Sie sehen das Schild oder den Strauß, sagt sie und merken dann: "Oh, da war ja was." In Sachen Valentinstagsstrauß sei es bei den Männern so eine Art spontane Liebe auf den ersten Blick. Wohl der Frau, deren Mann an einem Blumenladen vorbeikommt und nicht an der Tankstelle. Zur Ehrenrettung sei aber gesagt, auch bei Annette Radloff haben schon zahlreiche Männer Sträuße bestellt. Besonders wichtig sei das bei denen gewesen, die unbedingt rote Rosen schenken wollen, sagt sie. Denn die seien im Großmarkt derzeit auch nicht so einfach zu haben.

Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent

Für die Spontankäufer präsentiert sie viele kleine und große Sträuße im Fenster. Sehen, verlieben, mit Liebe schenken - gilt für IHN, wenn er als Frühlingsengel glänzen will. Rosenkavaliere haben langfristig geplant und bestellt in diesem Jahr. Die Kunden sind dankbar für die Möglichkeit, telefonisch Blumen bestellen zu können bei ihr. Sie haben ein Strahlen im Gesicht, wenn sie den gut verpackten und vor Kälte geschützten Strauß an der Ladentür abholen. Dennoch rechnet Annette Radloff zum Valentinstag mit einem Umsatzminus von bis zu 50 Prozent.

Mit 71 eigenen Blumen-Online-Shop

Walter Heyn ist Anfang Februar 71 Jahre geworden und hat sein Blumengeschäft in Gotha seit 40 Jahren. Er habe schon einige Höhen und Tiefen erlebt in dieser langen Zeit, sagt er. Der Lockdown und das Öffnen und Schließen des Ladens sei besonders, aber auch das werde er überstehen, gibt er sich positiv. Seit fast zwei Jahren hat er einen eigenen Online-Shop. Der ist jetzt sein Ladenschaufenster. Bestellt werden bei ihm vor allem frühlingsbunte Sträuße zum Valentinstag.

Dabei lässt Mann sich nicht lumpen, sondern den Euro rollen. In den vergangenen Jahren hätten die Herren immer mehr Geld für ihre Herzdame ausgegeben. Sträuße dürfen gern auch mal 50, 60 oder 70 Euro kosten. Durchschnittlich werden für den Strauß zum Valentinstag 25 Euro ausgegeben, sagt er.

Walter Heyn gibt durch ein Fenster einen Blumenstrauß heraus.
Walter Heyn reicht einen Strauß Blumen durch ein Fenster. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Konkurrenz durch Supermärkte groß

Auch Heyn rechnet mit bis zu 30 Prozent Umsatzverlust. Die Konkurrenz durch die Supermärkte im Lockdown sei übermächtig. Die Angebote der Handelsketten werden immer billiger und größer, sagt er. Und dann werden diese Sträuße häufig auch als Floristensträuße gekennzeichnet. Das ärgert ihn. Denn mit einem solchen hätte Supermarkt-Ware nichts zu tun. In seinem Laden arbeitet ein ganzes Team die Kundenwünsche ab, die häufig über den Webshop kommen, aber auch telefonisch. Abgeholt werden können die Blumen bei ihm an einem Fenster im Hinterhof. Außerdem gibt es zwei Fahrer, die die Sträuße auch direkt nach Hause bringen.

Heyn hofft, dass es am Wochenende freundliches Blumenbotenwetter gibt, damit alle Sträuße pünktlich ausgeliefert werden können. Sein Abholfenster ist am Samstag bis 16 Uhr geöffnet. Annette Radloff in Arnstadt stemmt ihren Laden allein. Viele ihrer Kunden kennt sie persönlich und somit auch deren Vorlieben. Das hilft ihr, die Sträuße zu binden, die den Geschmack auch treffen. Denn eigentlich ist Blumenkauf ein sinnliches Erlebnis, sagt sie. Die Farben, der Duft, die Form der Blüte - das alles gehört dazu.

Besonders Frauen sei dieses Erlebnis im Laden wichtig und beeinflusst die Kaufentscheidung. Das fehle jetzt. Inzwischen kaufen nämlich auch immer mehr Frauen Blumen für ihre Männer oder aber für die beste Freundin zum Valentinstag. Trotz der schwierigen Situation - ihr Lächeln haben Walter Heyn und Annette Radloff nicht verloren. Und hoffen auf rosigere Zeiten.

Ein Strauß voller orangefarbener Rosen
Auf rosige Zeiten warten nicht nur die Händler, sondern auch die Kunden. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN mit Haase und Waage | 14. Februar 2021 | 11:00 Uhr

7 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 1 Wochen

Dann schicken wir eben alle in den „größten Garten des Bundes“ — zur
BUGA nach Erfurt bei verbilligtem Eintritt nur für die verehrten vereins-
mäßig organisierten Klein- und Spartengärtner... !

Oder schicken digitale Blumengrüße — per Schulcloud... 🙋‍♂️


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MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 1 Wochen

„ FLEUROP “ mit Unterwäsche ⁉️

Hmmm....
Es gibt da schon so Fetischisten, die versenden....
Aber nur für getragene Dessous ist mir das bislang bekannt.... 🤓

....und ansonsten liefert vielleicht QUELLE oder NECKERMANN noch direkt !
Da muss man sich doch nichts durch’s Fenster auf die Straße reichen lassen...

Selbst häkeln geht natürlich auch immer !

🩲 👙 🩱 😎

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 1 Wochen

...während andere schon froh darüber sind, dass sie ein paar frische Blumen

- zum Kranz gewunden - auf das Grab ihrer Liebsten legen können...


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