Rechtsextremismus Razzia gegen Neonazi-Gruppe "Combat 18"

Im Zusammenhang mit dem Verbot der rechtsextremen Gruppe "Combat 18" in Deutschland durch Bundesinnenminister Horst Seehofer hat es am Donnerstag auch in Erfurt und Eisenach Einsätze der gegeben. Neben Thüringen liefen Razzien auch in fünf weiteren Bundesländern, mehr als 200 Polizisten waren beteiligt.

Menschen stehen vor einem Haus
Unter anderem im Raum Erfurt wurde am Donnerstagmorgen ein Haus von der Polizei durchsucht. Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

In Thüringen hat die Polizei am Donnerstagmorgen zwei Gebäude durchsucht: eines in Erfurt, eines in Eisenach. Etwa 80 Beamte der Polizei kamen zum Einsatz. Bei der Razzia wurde auch die Wohnung von Stanley R. durchsucht. Er gilt als einer der Führungsköpfe der gewaltbereiten Neonazigruppe.

Laut Thüringer Innenministerium wurden unter anderem Datenträger und rechtsextremes Werbematerial sichergestellt. Die Auswertung werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Der mutmaßliche Rädelsführer Stanley R. war offenbar von der Polizei in Thüringen von seinem Arbeitsplatz abgeholt und zu seiner Wohnung gebracht worden, bevor dort die Durchsuchung begann.

R. stand unter Beobachtung des Verfassungsschutzes

Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen ist R. vor mehr als einem Jahr aus Hessen nach Thüringen gekommen. In Hessen soll er zuvor eine Haftstrafe abgesessen haben. Seit seinem Wohnortwechsel von Hessen nach Thüringen stand R. unter Beobachtung des Thüringer Verfassungsschutzes und des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen sollen seit über einem Jahr Telefone von ihm abgehört worden sein.

Thüringen

Fotos vom Polizei-Einsatz nahe Erfurt: Razzia bei Combat 18

Nach dem Verbot der Neonazi-Gruppierung "Combat 18" hat es auch in Thüringen Razzien gegeben.

Razzia der Polizei im Raum Erfurt nach dem Verbot der Neonazi-Gruppierung Combat 18
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextreme Gruppe "Combat 18" verboten. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel
Razzia der Polizei im Raum Erfurt nach dem Verbot der Neonazi-Gruppierung Combat 18
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextreme Gruppe "Combat 18" verboten. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel
Razzia der Polizei im Raum Erfurt nach dem Verbot der Neonazi-Gruppierung Combat 18
Insgesamt 210 Polizisten durchsuchten daraufhin am frühen Donnerstagmorgen mehrere Objekte in sechs Bundesländern, darunter in Thüringen. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel
Razzia der Polizei im Raum Erfurt nach dem Verbot der Neonazi-Gruppierung Combat 18
Die Razzia in Thüringen konzentrierte sich auf Gebäude im Raum Erfurt und im Raum Eisenach. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel
Razzia der Polizei im Raum Erfurt nach dem Verbot der Neonazi-Gruppierung Combat 18
Die rechtsextreme Organisation gilt als bewaffneter Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" (Blut und Ehre). Sie hat ihren Ursprung in Großbritannien und ist in mehreren europäischen Ländern aktiv. Die Zahl "18" ist ein Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H - die Initialen von Adolf Hitler. Symbol der Gruppe, die sich auf einen "Rassenkrieg" vorbereitet, ist der Drache. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel
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Zusammenarbeit mit verschiedenen Neonazi-Strukturen

Die "Combat 18"-Sektion in Thüringen arbeitete eng mit verschiedenen anderen Neonazi-Strukturen zusammen. So soll es seit Jahren Kontakte zum "Gelben Haus" in Ballstädt geben. Dort hatten sich immer wieder gewaltbereite Neonazis aufgehalten, die unter anderem Verbindungen zur internationalen Neonaziszene in Österreich und der Schweiz haben. "Combat 18" steht in Thüringen auch im Kontakt zur Neonazi-Gang "Turonen", die unter anderem mindestens eines der großen Rechts-Rockkonzerte in Themar im Landkreis Hildburghausen mitorganisiert haben.

C18, wie "Combat 18"auch abgekürzt wird, begreift sich dabei als eine Art verschworene Bruderschaft. In einem internen C18-Deutschland Handbuch sind verschiedene Richtlinien für die Mitglieder formuliert. Für jeden Neuling gibt es eine "Anwärterzeit" von mindestens sechs Monaten in denen sich das potentielle Mitglied beweisen muss. Zudem müssen die Mitglieder monatlich Geld in eine gemeinsame Kasse zahlen. Jedes Bundesland hat eine Sektion und ist verpflichtet sich einmal im Monat zu treffen. Alle Gruppenmitglieder sind zu höchster Verschwiegenheit verpflichtet.

Verbot von "Combat 18"

Die Razzia in Thüringen war Teil einer Aktion in mehreren Bundesländern. Außer in Thüringen wurden auch Gebäude in Hessen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht. Zuvor hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Neonazi-Gruppe "Combat 18" verboten. Das teilte ein Sprecher am Donnerstagmorgen via Twitter mit.

Forderung nach Verbot aus Thüringen

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) hatte das Verbot der Gruppe in der Vergangenheit bereits mehrfach gefordert. Seinen Angaben nach bereiteten sich die Thüringer Sicherheitsbehörden intensiv auf das Verbot von Combat 18 vor. Die Ergebnisse der Arbeit der Thüringer Behörden hätten dabei auch Eingang in die Verbotsverfügung des Bundesinnenministers gefunden. Vertreter der Grünen und Linken in Thüringen bezeichneten das Verbot der rechtsextremen Gruppe als überfällig. Bundesweit waren bei der Aktion 210 Beamte in sechs Bundesländern im Einsatz.

Was ist Combat 18?

Die rechtsextreme Organisation gilt als bewaffneter Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" (Blut und Ehre). Sie hat ihren Ursprung in Großbritannien und ist in mehreren europäischen Ländern aktiv. Die Zahl 18 ist ein Szenecode für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet, also A und H - die Initialen von Adolf Hitler. Symbol der Gruppe, die sich auf einen "Rassenkrieg" vorbereitet, ist der Drache. Neonazis, die sich Combat 18 zugehörig fühlen, tragen häufig schwarze T-Shirts oder Jacken mit der Aufschrift "C18". Diese Symbole und Abkürzungen dürfen nach dem Verbot nicht mehr verwendet werden. Das gilt auch für das Motto der Gruppe: "Brüder schweigen - whatever it takes". Gegen die Verbotsverfügung kann die Gruppe binnen eines Monats Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einreichen.

Was ein Verbotsverfahren in den vergangenen Jahren erschwert hatte, ist das von Combat 18 propagierte Konzept des "führerlosen Widerstands" weitgehend autonomer Zellen - auch wenn die Gruppen vernetzt und nach festgelegten gemeinsamen Richtlinien handeln. Geldquelle und Gelegenheit zum Kontakt sind Rechtsrock-Konzerte.

Hintergrund zum Verbot von "Combat 18"

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 23. Januar 2020 | 18:00 Uhr

83 Kommentare

DER Beobachter vor 34 Wochen

Als Oberlehrer können Sie sicher begründen, warum der Verweis auf Ihre Entgleisungen zu Bernd, zumal da es hier ebenso um eine rechtsextremistische/nazistische Vereinigung geht, das Thema verfehlt haben soll?

martin vor 34 Wochen

Ob ich nicht KANN oder nicht WILL werde ich hier nicht verraten. Ich bin doch kein Verräter - auch wenn mich meine Menschen in die Kategorie einsortieren möchten .....

martin vor 34 Wochen

@ekkehard: Und Sie geben den Oberprüfer? Als Oberlehrer haben Sie sich ja schon versucht ("6 setzen") - nun ja, manche Lehrer wechseln ja auch in die Politik. Aber ich schweife gerade ab.

Doch zurück zur Sachdiskussion: Können Sie sich entscheiden, was Sie denn nun gern bekommen möchten? Eine Antwort auf eine Frage oder eine nachprüfbare Argumentation (falls ja: zu welchem Thema?)? Oder wollen Sie immer alles? Aber auch in diesem Fall: zu welchem Thema mit Bezug auf den Artikel? Oder ist das einfach nur ein Ablenkungsversuch oder der Versuch andere Kommentatoren zum Verstummen zu bringen oder sie zu Diskreditieren oder ....?

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