Stichwahlen zur Kommunalwahl AfD scheitert in Gera und FDP holt Jena

Bei den Stichwahlen zur Kommunalwahl in Thüringen sind am Sonntag zwei weitere Oberbürgermeister kreisfreier Städte abgewählt worden. In Jena unterlag Albrecht Schröter von der SPD deutlich dem FDP-Kandidaten Thomas Nitzsche. Letzterer erhielt 63,3 Prozent der Stimmen. In Suhl musste sich der Amtsinhaber Jens Triebel (parteilos) dem CDU-Kandidaten André Knapp geschlagen geben. Das Ergebnis fiel hier mit 52,4 zu 47,6 Prozent vergleichsweise knapp aus. Bereits am 15. April hatten die Oberbürgermeister von Weimar und Gera, Stefan Wolf und Viola Hahn, ihre Wiederwahl klar verpasst.

Bausewein und Wolf behaupten sich

Behaupten konnten sich am Sonntag die Oberbürgermeister von Erfurt, Andreas Bausewein (SPD), und Eisenach, Katja Wolf (Die Linke). Bausewein gewann die Stichwahl gegen Herausforderin Marion Walsmann von der CDU. Wolf setzte sich gegen SPD-Mann Michael Klostermann durch.

Wahlsieger Julian Vonarb mit AfD-Kandidat Dieter Laudenbach
Gera: AfD-Kandidat Dieter Laudenbach (re.) gratuliert Wahlsieger Julian Vonarb. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

In Gera gewann der unabhängige Einzelbewerber Julian Vonarb klar in der Stichwahl gegen den AfD-Kandidaten Dieter Laudenbach. Vonarb erhielt knapp 70 Prozent der Stimmen. Vertreter von Linken, SPD, Grünen und CDU kommentierten das Ergebnis mit Genugtuung, war doch befürchtet worden, dass die AfD den ersten Oberbürgermeister einer kreisfreien Stadt stellen würde.

Drei neue Landräte

Neue Landräte wurden am Sonntag per Stichwahl in den Kreisen Altenburger Land, Gotha und Sonneberg gewählt. In Altenburg unterlag die Amtsinhaberin Michaele Sojka (Die Linke) klar dem CDU-Kandidaten Uwe Melzer. In Gotha setzte sich der SPD-Kandidat Onno Eckert mit zwei Drittel der Stimmen gegen CDU-Mann Holger Kruse durch. In Sonneberg gewann der bisherige stellvertretende Landrat Hans-Peter Schmitz gegen Danny Dobmeier von der CDU. Der parteilose Schmitz war von SPD und Linken unterstützt worden.

Stichwahlen auch um Bürgermeisterposten

In 23 Städten und Gemeinden fanden außerdem Bürgermeisterwahlen statt. In Arnstadt verlor Amtsinhaber Alexander Dill gegen Frank Spilling von der CDU. Auch in Kahla muss die bisherige Bürgermeisterin Claudia Nissen-Roth ihren Stuhl räumen. Sie verlor gegen Jan Schönfeld von den Freien Wählern Kahla. Der seit einiger Zeit vom Amt supendierte Eisenberger Bürgermeister Ingo Lippert (SPD) muss ebenfalls das Rathaus verlassen: Er verlor gegen Michael Kieslich von der CDU. In Oberhof konnte sich der bisherige Bürgermeister Thomas Schulz von den Freien Wählern im Amt behaupten. Die Südthüringer Kleinstadt hatte vor der Wahl gerichtlich durchgesetzt, dass sie weiterhin einen hauptamtlichen Bürgermeister haben darf. Matthias Reinz ist neuer Bürgermeister von Bad Langensalza. Der parteilose Kandidat setzte sich bei der Stichwahl klar gegen Dagmar Kleemann von der SPD durch. In Sondershausen siegte der parteilose Steffen Grimm gegen Stefan Schard von der CDU.

In der Gemeinde Kühndorf im Kreis Schmalkalden-Meiningen muss das Los die Bürgermeisterwahl entscheiden. Die beiden parteilosen Bewerber Tobias Gebel und Steffen Lieding erhielten beide jeweils 244 Stimmen. Wann der Losentscheid stattfindet, war am Sonntagabend noch unklar. Bereits vor sechs Jahren war eine Bürgermeisterwahl per Los entschieden worden - in Bad Berka. Hier gab es am Sonntag aber ein eindeutiges Ergebnis: Amtsinhaber Volker Schaedel von den Freien Wählern verlor sein Amt an Michael Jahn von der CDU.

Reaktionen der Parteien

Laut amtlichem Endergebnis lag die SPD bei den Wahlen in Landkreisen und kreisfreien Städten am Sonntag mit 32,6 Prozent vorn. Landesparteichef Wolfgang Tiefensee zog am Abend ein gemischtes Resümee: Erstmals stelle die SPD seit 1990 in Thüringen sieben Landräte, erklärte er. Andererseits schmerze die Niederlage von Amtsinhaber Albrecht Schröter bei der Oberbürgermeisterwahl in Jena. In Erfurt habe Oberbürgermeister Andreas Bausewein souverän gewonnen, Michael Klostermann in Eisenach einen Achtungserfolg erzielt. Erfreut zeigte sich Tiefensee über Siege bei den Bürgermeisterwahlen in Ohrdruf, Bad Sulza und Kölleda. Zudem sei er auch erleichtert, "dass die AfD in Gera in die Schranken gewiesen wurde".

Mike Mohring gratuliert André Knapp in Suhl
CDU-Landeschef Mike Mohring gratuliert Wahlsieger André Knapp (3.v.l.) in Suhl. Bildrechte: MDR/Tino Geist

CDU-Landeschef Mike Mohring erklärte, seine Partei fühle sich gestärkt. Sie habe mit Altenburg ein weiteres Landratsamt hinzugewonnen und stelle nun neun Landräte. Mit Weimar und Suhl habe sie zwei kreisfreie Städte gewonnen. Außerdem stelle sie nun in sieben Kreisstädten die Bürgermeister. Und die Bürger Geras hätten der AfD "kräftig die Flügel gestutzt".

Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow zog ebenfalls eine gemischte Bilanz. Erfolg und Misserfolg lägen für die Linke beieinander, twitterte sie. Schmerzlich seien die Niederlagen von Altenburgs Landrätin Michaele Sojka und Kahlas Bürgermeisterin Claudia Nissen, erfreulich die Wiederwahl von Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf.

FDP-Landeschef Thomas Kemmerich sagte MDR THÜRINGEN, mit dem Sieg in Jena habe die FDP bewiesen, dass sie "die Ansprache der Bürger" wieder hinbekommen habe. Das sei eine gute Basis für die Landtagswahl im kommenden Jahr.

Die Thüringer AfD erklärte, ihr Kandidat in Gera, Dieter Laudenbach, habe "gegen die vereinten Kräfte des Altparteienblocks von Linke über Grüne und SPD bis hin zur CDU" ankämpfen müssen. Trotzdem habe er ein akzeptables Ergebnis erreicht.

Wo wurde gewählt, wer hat gewonnen?

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 29. April 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 08:57 Uhr

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69 Kommentare

01.05.2018 19:41 ehemaliger Realist 69

Ich frage mich, warum sich alle so auf die Schulter klopfen. 57 % Stimmen geholt. Bei einer Wahlbeteilgung von teilweise unter 40%. Ist das denn wirklich ein Erfolg? Aber man halt gewonnen und es ist ja egal wieviel Wahlberechtigte zur Wahl gegangen sind.

01.05.2018 00:13 part 68

Ich musste mir kurzzeitig die Beiträge der CDU- Kandidatin von Erfurt im empfangbaren Bürgeradio von Erfurt anhören und mir wurde schlagartig bewusst, das diese Personalie nur wegen ihrer Parteizugehörigkeit überhaupt Stimmen erhielt. Zum Glück wurde das Ganze von Sergej Lochthofen moderiert. Wer jedoch als PolitkerInn authentisch erscheinen möchte, sollte doch bitteschön sich im Vorfeld nicht als Comikfigur oder durch Photoshop geschönte Persönlichkeit präsentieren und klare Ansagen machen zum Regierungsprogramm. Das Erfurt Marion W. kennt stimmt allerdigs, entsprechend viel auch das Wahlergebnis aus. Danach vom Verlust von Demokratie zu fabulieren unterstreicht eigentlich nur den Währlerwillen, zur etwas besseren Wahl zwischen verschieden Wählerbündnissen.

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