Wahlhelfer entleeren eine Wahlurne mit gelben Zetteln auf einem Tisch
Wahlhelfer schütten in Gera eine Wahlurne mit gelben Umschlägen von der Briefwahl auf einen Tisch aus, um die Stimmzettel auszählen zu können. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Kommunalwahl in Ostthüringen Rathäuser von Gera und Jena hart umkämpft

Bei den Kommunalwahlen in Ostthüringen haben der Landrat des Saale-Holzland-Kreises und die Landrätin in Greiz ihre Ämter verteidigt. Im Altenburger Land sowie in den hart umkämpften Städten Jena und Gera sind Stichwahlen nötig. Eine Übersicht.

Wahlhelfer entleeren eine Wahlurne mit gelben Zetteln auf einem Tisch
Wahlhelfer schütten in Gera eine Wahlurne mit gelben Umschlägen von der Briefwahl auf einen Tisch aus, um die Stimmzettel auszählen zu können. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Geraer Oberbürgermeister-Kandidat will Vorhaben besser erklären

In Gera müssen die Wahlberechtigten Ende April erneut über ihren künftigen Oberbürgermeister abstimmen. Der Sieger der ersten Runde, der parteilose Julian Vonarb, will bis zur Stichwahl seine Vorhaben noch besser erklären. Er sagte MDR THÜRINGEN, er sei glücklich, die meisten Stimmen bekommen zu haben. Ihn habe es nicht überrascht, dass der AfD-Mitbewerber ebenfalls in die Stichwahl gekommen ist. Das sei ein Zeichen, dass sich an der Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien seit der Bundestagswahl nicht viel geändert hat. Julian Vonarb erhielt 23,5 Prozent der Stimmen. Dieter Laudenbach von der AfD erreichte 21,3 Prozent und damit rund zwei Prozentpunkte weniger. Die bisherige parteilose Oberbürgermeisterin von Gera, Viola Hahn, landete mit 20,6 der Stimmen auf dem dritten Platz.

FDP-Kandidat liegt in Jena vorne

In Jena erleben die Liberalen möglicherweise eine Renaissance. FDP-Kandidat Thomas Nitzsche hat mit 26,9 Prozent das beste Ergebnis geholt. Amtsinhaber Albrecht Schröter von der SPD kam am Sonntag auf 24,5 Prozent - bei einer Wahlbeteiligung von 53,3 Prozent. Beide gehen nun am 29. April in die Stichwahl ums Oberbürgermeister-Amt. Der 63-jährige Schröter gibt sich optimistisch, dann genügend Stimmen für eine dritte Amtszeit zu bekommen. Sein 20 Jahre jüngere Herausforderer Nitzsche zeigte sich überrascht von seinem guten Abschneiden. Zwar sei die Stichwahl das Ziel gewesen, sagte er dem MDR THÜRINGEN, aber mit einem so deutlichen Wählerbekenntnis zu einem Politikwechsel in Jena habe er nicht gerechnet.

Nitzsche wirbt unter anderen für eine andere Verkehrspolitik in der Stadt und für einen Regionalkreis Jena-Saale-Holzland. Mit Peter Röhlinger hatte die Universitätsstadt zwischen 1990 und 2006 einen FDP-Oberbürgermeister. Seit zwei Amtsperioden regiert Albrecht Schröter mit einer großen Koalition aus SPD, CDU und Grünen.

Landrätin Sojka muss im Altenburger Land um Posten bangen

 In einem Büro stehen mehrere Personen um einen großen Tisch herum.
Landrätin Michaele Sojka (links) muss um die Wiederwahl bangen. Bildrechte: MDR/Kathleen Bernhardt

Im Altenburger Land muss die bisherige Landrätin Michaele Sojka um ihren Posten bangen. Mit nur 26,7 Prozent der Stimmen geht es für die Kandidatin der Linken in die Stichwahl. Gegner ist Uwe Melzer von der CDU, der am Sonntag 37,3 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Knapp dahinter landete der AfD-Kandidat Andreas Sickmüller mit 26,1 Prozent. SPD-Herausforderer Frank Rosenfeld musste sich mit 9,8 Prozent deutlich geschlagen geben. Die Wahlbeteiligung im Altenburger Land lag bei 46,7 Prozent. Insgesamt waren 79.000 Wahlberechtigte zur Landratswahl aufgerufen.

Die Altenburger selbst haben sich für André Neumann als neuen Oberbürgermeister ausgesprochen. Der 40-jährige CDU-Politiker konnte 55,6 Prozent für sich gewinnen. Er lag damit klar vor seinen beiden Herausforderern von SPD und den Freien Wählern. Die Wahlbeteiligung in Altenburg lag bei 50,1 Prozent; das sind zwei Prozent mehr als vor sechs Jahren. Der bisherige Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) war nicht mehr zur Wahl angetreten.

Fast 100 Prozent der Stimmen für Rositzer Bürgermeister

In Rositz vereinte der bisherige Amtsinhaber Bernd Stange (parteilos) (fast) alle Wahlberechtigten hinter sich: 99,8 Prozent der Stimmen entfielen auf ihn. Allerdings wird er nach zwölf Jahren im Hauptamt künftig nur noch ehrenamtlich als Bürgermeister arbeiten. Grund ist die gesunkene Einwohnerzahl. Sie liegt in Rositz unter 3.000. In der Gemeinde Gerstenberg wurde der parteilose Bertram Schröter wieder gewählt, ebenso der parteilose André Vohs in Jonaswalde und Marcel Greunke (CDU) in Ponitz. Sie waren alle ohne Gegenkandidaten angetreten.

Machtwechsel im Greizer Rathaus, Schweinsburg bleibt Landrätin

Die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) geht in ihre sechste Amtszeit als Landrätin. Schweinsburg fuhr am Sonntagabend mit 65,9 Prozent der Wählerstimmen einen ungefährdeten Sieg ein. Ihre Kontrahenten Detlef Zietan (IWA) und Sven Weber (Die Linke) erreichten 18,5 beziehungsweise 15,6 Prozent der Wähler. Rund 52 Prozent der gut 86.000 Wahlberechtigten hatten ihre Stimme abgegeben. Schweinsburg sagte MDR THÜRINGEN, sie sei nichts amtsmüde und wolle weiter für ihre Kommunen und den ländlichen Raum kämpfen. Angesichts dieses Ergebnisses hätten sich die Wähler offenbar für Verlässlichkeit entschieden. Dennoch sieht Schweinsburg das Wahlergebnis nicht als Vorschusslorbeeren. Die gebürtige Aumaerin war 1990 zur Landrätin von Zeulenroda gewählt worden, seit 1994 ist sie das Oberhaupt des Landkreises Greiz.

Im Greizer Rathaus gibt es dagegen nach 25 Jahren einen Machtwechsel: Der CDU-gestützte Kandidat Alexander Schulze holte 57,1 Prozent der Stimmen. Er habe nie damit gerechnet, bei fünf Mitbewerbern im ersten Wahlgang so viele Stimmen zu holen, sagte Schulze MDR THÜRINGEN. Auf Platz zwei landete Jörg Geißler (IWA) mit 17,9 Prozent. Amtsinhaber Gerd Grüner von der SPD war nicht mehr angetreten. SPD-Kandidatin Ines Wartenberg holte 10,8 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,8 Prozent.

Die Ronneburger bestätigten Amtsinhaberin Krimhild Leutloff (CDU) mit 97,9 Prozent der Stimmen im Amt. Sie war die einzige Kandidatin. Die Wähler konnten zwar weitere Vorschläge auf dem Stimmzettel machen, dabei holte aber kein Name die erforderliche Mehrheit.

Eine Frau wirft ihren Wahlzettel in eine Wahlurne im Rittersaal in Ronneburg
Ronneburg hat mit dem Rittersaal im Schlossareal eines der schönsten Wahllokale im Land. Bildrechte: MDR/Marian Riedel

Stichwahl in Zeulenroda-Triebes nötig

Die Einwohner von Zeulenroda-Triebes im Landkreis Greiz müssen am 29. April noch einmal wählen. Bei den Kommunalwahlen am Sonntag hatte sich keiner der Oberbürgermeisterkandidaten im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit durchsetzen können. In einer Stichwahl müssen die Wähler entscheiden, ob der parteilose Nils Hammerschmidt oder der CDU-Kandidat Volker Emde künftig auf dem Chefsessel im Rathaus sitzt. Sie holten mit 33 und 26,5 Prozent die meisten Wählerstimmen. Der parteilose Amtsinhaber Dieter Weinlich verpasste als Dritter mit 20,1 Prozent der Stimmen die Stichwahl.

Beide Stichwahlkandidaten haben sich vorgenommen, die Verwaltung zu modernisieren. Emde sagte MDR THÜRINGEN, er wolle darüber hinaus das finanziell angeschlagene Freizeitbad Waikiki auf die Tagesordnung setzen. Hammerschmidt kündigte an, Bürger künftig mitentscheiden zu lassen.

In Rudolstadt bleibt Jörg Reichl (Bürger für Rudolstadt) als Bürgermeister im Amt. Er konnte am Sonntag 77,3 Prozent der Wähler für sich begeistern. Mit 12,5 beziehungsweise 10,2 Prozent blieben Simone Post von der Linken und Frank Bock von den Grünen weit zurück. In Saalfeld müssen die Wahlberechtigten dagegen zur Stichwahl: Die Entscheidung fällt am 29. April zwischen Steffen Kania von der CDU und SPD-Politiker Steffen Lutz. Sie kamen auf 43,5 und 32,3 Prozent der Stimmen.

Im Saale-Holzland-Kreis gelang Andreas Heller von der CDU klar die Wiederwahl. Der Eisenberger Landrat kam am Sonntag auf 53,2 Prozent der Stimmen. Knuth Schurzmann von der Linken erreichte 26,1 Prozent, Einzelkandidat Tobias Gruber 15 Prozent. Weit abgeschlagen mit 5,7 Prozent kam Astrid Matthey von den Grünen ins Ziel.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 20:35 Uhr

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2 Kommentare

17.04.2018 22:07 Hans Wurst 2

Ich finde das Ergebis in Gera wirklich beängstigend, sicher sieht man dieser Tage mehr Flüchtlinge auf den Straßen als früher. Allerdings muss ich sagen dass meine Erfahrungen mit den Leuten bisher nur positiv waren und einige Familien wohnen direkt neben mir im Haus. Es darf nicht dazu kommen dass wir einen Menschen zum Bürgermeister wählen der die Bevölkerung noch mehr spaltet als es eh schon der Fall ist. Geht alle zur wahl und verhindert die AFD.

17.04.2018 13:29 Grosser Klaus 1

Ich hoffe, dass die Wähler bei ihrer Wahl, das politische Denken und Handeln des zu wählenden Bürgermeisters bzw. Landrates beachtet haben.
Das Ergebnis in Gera finde ich verheerend, da sich die AfD immer mehr zu einer demokratiefeindlichen, menschenfeindlichen und religionsfeindlichen Partei entwickelt.

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