Kreis Hildburghausen im Porträt Dünn besiedelt und wenig Arbeitslose

von Bettina Ehrlich

Wer das Landleben, fränkische Küche und Lebensart mag, fühlt sich im Landkreis Hildburghausen durchaus wohl. Rund 64.000 Menschen leben hier auf einer Fläche von rund 940 Quadratkilometern. Damit ist der Südthüringer Landkreis einer der am dünnsten besiedelten im ganzen Freistaat. Das setzt den Öffentlichen Personennahverkehr vor einige Herausforderungen. "Ohne eigenes Auto bist du hier aufgeschmissen", sagen nicht wenige, die zum Beispiel im Oberen Wald in Masserberg, Schnett oder Heubach wohnen.

Seit inzwischen 24 Jahren sitzt Thomas Müller für die CDU auf dem Chefsessel im Landratsamt. "Ich habe noch richtig Bock drauf, ich fühle mich fit und habe noch viele Ideen", sagt der 58-Jährige gebürtige Schönbrunner. Zum Beispiel sollte seiner Meinung nach das Busliniennetz im Kreis verbessert werden. Insgesamt sieht er den Landkreis aber gut aufgestellt. Zum Beispiel die medizinische Versorgung ist dank des kommunalen Klinikverbundes Regiomed vorzüglich. Das Krankenhaus in Hildburghausen biete laut Müller Spitzenmedizin. Auch die ärztliche Versorgung auf dem Land habe sich deutlich verbessert. Zum Beispiel mit dem neuen Medizinischen Versorgungszentrum in Römhild.

Firmen suchen ständig neues Personal

Auch die durchschnittliche Arbeitslosenquote von im Schnitt vier Prozent kann sich sehen lassen. In Eisfeld, Schleusingen oder Hildburghausen suchen die Betriebe ständig neue Mitarbeiter. Vor allem Autozulieferer fühlen sich im Landkreis wohl und machen gute Geschäfte. Was den Landrat etwas ärgert, sind die noch immer noch relativ geringen Löhne. "Viele Betriebe haben ihren Hauptsitz außerdem anderswo, sodass die meisten Steuern leider nicht nach Hildburghausen fließen", so Müller.

Die Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs steht auch für den Herausforderer Reinhard Hotop aus Schleusingen ganz oben. Hotop ist gemeinsam von SPD, der Linkspartei und dem Wählerbündnis "Aktiv für Schleusingen" als Landratskandidat nominiert worden. "Wir müssen die abgelegenen Dörfer wieder besser an den Nahverkehr anbinden", fordert er. Der Öffentliche Nahverkehr und die Müllentsorgung sollten wieder zurück in kommunale Unternehmen. Sollte Hotop Landrat werden, will er die Menschen stärker in die Politik einbinden. Sachkundige Bürger sollten in die Ausschüsse und einen Seniorenbeirat berufen werden. Als aktives Mitglied des Schleusinger Bündnisses gegen Rechtsextremismus fordert Hotop zudem ein härteres Vorgehen gegen die rechtsradikale Szene im Landkreis.

Ausstellung Schloss Bertholdsburg
Schloss Bertholdsburg in Hildburghausen Bildrechte: MDR/Mirjam Winzer

Dritter Landratskandidat ist Tommy Frenck aus Schleusingen. Er kandidiert für das rechtsextreme Bündnis Zukunft Hildburghausen. Frenck ist führender Kopf der rechtsextremen Szene und war der Hauptorganisator für das größte Rechtsrockkonzert in Europa im vergangenen Jahr. Mehr als 6.000 Neonazis waren im Juli nach Themar gekommen und haben dem Landkreis Hildburghausen einen zweifelhaften Ruhm eingebracht. Die Kreisverwaltung war bis vor das Oberverwaltungsgericht gezogen, konnte das umstrittene Konzert aber nicht verhindern. "Warum ein Konzert, bei dem Eintrittsgelder in Größenordnungen verlangt werden, als Versammlung gewertet wird, erschließt sich mir nicht", ärgert sich der Landrat Müller noch heute.

Das Problem mit Rechtsradikalen allerdings wird der Landkreis wohl so schnell nicht los. Ein Privatmann hat der Szene seine Wiese am Stadtrand von Themar zur Verfügung gestellt. Auch in diesem Jahr will die rechtsextreme NPD ein zweitägiges Musikfestival durchführen. Der Innenminister Georg Maier hat der Kreisverwaltung seine Unterstützung zugesagt. Ob die Veranstaltung dieses Mal verhindert werden kann, ist allerdings keinesfalls sicher. Das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit in Themar jedenfalls bereitet sich schon auf Gegenproteste vor.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2018, 15:50 Uhr