Kreis Weimarer Land im Porträt "Noch Luft nach oben" bei weichen Standortfaktoren

von Conny Mauroner

Eine Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent - damit hat das Weimarer Land schon fast ein Luxusproblem. Woher nehmen, wenn nicht klauen - sagt ein Sprichwort. Bei einer so guten Quote fehlt es natürlich an Fachkräften. Das ist wohl eines der größten Probleme, vor denen das Weimarer Land gerade steht. Die Unternehmen, sie erweitern und finden keine Leute. Jobmessen, Berufsberatungen, Tage der offenen Tür - das Landratsamt und die Wirtschaftsfördervereinigung, sie bemühen sich. Rund 70 Millionen Euro haben die Unternehmen im Kreis 2017 investiert. Sie haben erweitert und neu gebaut. Die Gewerbeflächen sind fast ausgereizt. Dort sind nur noch wenige Plätze frei. Vor allem mittelständische Unternehmen haben sich im Weimarer Land niedergelassen, darunter viele Lebensmittelhersteller.

Fachkräfte, so heißt es, lassen sich nur über so genannte "weiche Standortfaktoren" langfristig binden. An denen muss das Weimarer Land noch arbeiten. Freizeitaktivitäten müssen ausgebaut werden. Ein gutes Beispiel ist die Region um den Stausee Hohenfelden mit Therme, Freilichtmuseum und Badesee. Bad Berka verteidigte ein wichtiges Kurstätten-Prädikat, und das Kunsthaus Apolda lockt mit seinen spektakulären Ausstellungen Besucher weltweit. Und Radfahren ist im Kreis auch sehr nett. Aber - es ist Luft nach oben. Der Radwegebau muss weiter vorankommen. Außerdem muss die Schullandschaft attraktiver werden. Ein Sanierungsprogramm läuft, klemmt aber auch noch an einige Ecken. Während manche Schulen bereits hochmodern und in neuem Glanz erstrahlen, fluchen andernorts Schüler, weil der Putz von den Wänden bröckelt.

Das Weimarer Land liegt inmitten der Impulsregion zwischen Weimar, Erfurt und Jena. Die Anbindung mit der Autobahn 4 und einige Bundesstraßen ist sehr gut. Allerdings fühlen sich kleine Gemeinden oftmals abgehängt. Sie beklagen den fehlenden Nahverkehr. Etliche Ortschaften sind gar nicht oder nur schwer mit dem Bus oder der Bahn zu erreichen. Hohe Wellen hat der Verlust der Pfefferminzbahn zwischen Buttstädt und Großheringen im nördlichen Weimarer Land geschlagen. Seit Fahrplanwechsel im Dezember ist der Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt. In der ländlich geprägten Region sind viele Menschen auf ihr Auto angewiesen. Andere warten auf mobile Angebote, wie den Sparkassenbus oder den Bäcker auf vier Rädern.

Junge Familien schätzen die Idylle. Immer mehr ziehen aufs Land. Auch das ist eine Herausforderung für die Politik. Es müssen Wohngebiete erschlossen und attraktiv ausgebaut werden. Dazu gehört eine flächendeckende Versorgung mit Breitband. Das Weimarer Land ist auf einem guten Weg. Der Breitband-Ausbau geht voran. Aber auch da gilt: Es gibt noch eine Menge weißer Flecken auf der Karte.

Proteste rufen Pläne der Regionalen Planungsgemeinschaft hervor. Das Land Thüringen schreit nach mehr Windkraft und im Weimarer Land heben sich die Hände. "Nicht noch mehr" rufen die, direkt betroffen sind - eine wohl niemals endende Diskussion.

Die Kandidaten

Um die Nachfolge von Landrat Hans-Helmut Münchberg - der parteilose Politiker tritt nicht mehr an - bewerben sich drei Kandidaten: die CDU-Politikerin Christiane Schmidt-Rose, der SPD-Politiker Julian Schwark und Simon Ehrenreich für die AfD.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2018, 15:56 Uhr