Wahlberechtigter studiert Muster-Wahlzettel an Wahllokal in Weimar
Vor einem Wahllokal am Sonntag in Weimar. Bildrechte: MDR/Regina Lang

Kommunalwahl 2019 in Thüringen Stadtratswahlen: So haben die kreisfreien Städte abgestimmt

Nach der Kommunalwahl ändern sich die Stimmverhältnisse in den Stadträten der kreisfreien Städte in Thüringen beträchtlich. Wie die Bürger in Erfurt, Jena, Gera, Weimar, Eisenach und Suhl abgestimmt haben.

Wahlberechtigter studiert Muster-Wahlzettel an Wahllokal in Weimar
Vor einem Wahllokal am Sonntag in Weimar. Bildrechte: MDR/Regina Lang

Gera: AfD mit deutlichem Abstand stärkste Kraft

In Gera ändern sich die Machtverhältnisse im Stadtrat massiv: Die AfD kann bei der Kommunalwahl fast 30 Prozent auf sich vereinen und wird auf Anhieb stärkste Fraktion im Stadtrat. Die Linke verliert dagegen massiv an Stimmen und muss sich künftig mit Position 2 begnügen. Diesen Rang hatte bisher die CDU inne, die ebenfalls kräftig Federn lassen muss. Verluste erleiden auch SPD und Bürgerschaft Gera, während Grüne und FDP zulegen. Die NPD muss sich wegen deutlicher Verluste aus dem Stadtrat in Gera verabschieden.

Jena: Grüne und Linke künftig stärkste Fraktionen

In Jena können sich Grüne und FDP als Sieger bei der Stadtratswahl fühlen. Beide verbesserten sich jeweils um rund acht Prozentpunkte auf 19,4 beziehunsgweise 12,8 Prozent. Die FDP stellt seit vergangenem Jahr mit Thomas Nitzsche den Oberbürgermeister. Stärkste Fraktion bleibt knapp die Linke mit 20,4 Prozent trotz Einbußen von 3,6 Prozentpunkten. Die CDU büßte 9,6 Punkte ein und kommt gleichauf mit der mehr als acht Punkte verlierenden SPD auf 12,6 Prozent. Die AfD kokmmt auf 10 Prozent, die Bürger für Jena auf 7,5 und die Freien Wähler Jena auf 3,4 Prozent.

Erheblichen Ärger gab es, weil rund 150 Wähler am Sonntagabend nicht mehr ihre Stimmen abgeben konnten. Wahlleiter Olaf Schroth bezeichnete die Begründung der Wahlvorstände als rechtmäßig. Ihre Auslegung der Vorschriften, wer bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nach 18 Uhr noch die Stimme abgeben könne, sei möglich. Schroth entschuldigte sich aber bei den Betroffenen.

Weimar: Grüne auf Platz 1

In Weimar bilden die Grünen im Stadtrat künftig die stärkste Fraktion. Die Partei wird als einzige politische Kraft im Kommunalparlament künftig acht Stadträte stellen. Jeweils sieben Vertreter entfallen auf CDU, das Bürgerbündnis Weimarwerk und Die Linke. Die SPD stellt sechs Stadträte, die erstmals angetretene AfD fünf. Jeweils einen Sitz gewannen wie bei der Stadtratswahl die FDP und die Piraten. Die NPD büßte ihren einzigen Sitz ein.

Eisenach: Linke jetzt stärkste Kraft trotz Verlusten

Im Stadtrat von Eisenach muss die CDU die Position der stärksten Fraktion an Die Linke abtreten. Beide Parteien müssen jedoch deutliche Verluste hinnehmen. Die AfD schafft es mit einem zweistelligen Ergebnis aus dem Stand in den Stadtrat. Sie stellt künftig vier Stadträte, genau so viele wie SPD, Grüne und NPD. Die FDP kann künftig zwei statt einen Sitz besetzen, Bürger für Eisenach und der Eisenacher Aufbruch wie bisher zwei Stadträte bzw. einen Stadtrat.

Suhl: CDU gewinnt, Linke stürzt ab

Das traditionell eigentlich "rot" genannte Suhl bringt der CDU ein ungewohntes Erlebnis bei diesen Wahlen: Einen Stimmenzuwachs um 3,4 Prozentpunkte auf 29,5 Prozent. Dagegen verzeichnet die Linke einen massiven Stimmeneinbruch. In der Stadt, in der sie schon Direktmandate bei Bundestags- und Landtagswahlen gewann, verlor sie 14,3 Prozentpunkte und kam auf 18,3 Prozent. Sie lag damit sogar noch knapp hinter den Freien Wählern, die sich um 2,9 Prozentpunkte auf 19,3 verschlechterten.

Fast gleichauf liegen AfD und SPD mit 12,1 beziehungsweise 11,9 Prozent, wobei die SPD 3,2 Punkte einbüßte. Die Grünen kamen auf 5,7 Prozent und die FDP wiederholte ihr Ergebnis von 2014 mit 3,3 Prozent. Im künftigen Stadtrat wird die CDU, die seit vergangenem Jahr mit André Knapp auch wieder den Oberbürgermeister stellt, elf Sitze haben. Je sieben entfallen auf Freie Wähler und Linke, je vier auf AfD und SPD, zwei auf die Grünen und einer auf die FDP.

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Erfurt: SPD bricht ein und muss CDU Platz 1 überlassen

In Erfurt verschieben sich nach der Kommunalwahl die Machtverhältnisse im Stadtrat: Weil die SPD als bisher stärkste Kraft massive Verluste erleidet und die CDU weniger Stimmen einbüßt, werden die Christdemokraten künftig voraussichtlich die meisten Stadträte stellen. Verluste erleidet auch die Linke, während alle anderen Parteien oder Wählergruppen zum Teil deutlich zulegen können oder nur minimal verlieren. Neu im Stadtrat ist die Wählerinitiative Mehrwertstadt Erfurt.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 27. Mai 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2019, 07:33 Uhr

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19 Kommentare

28.05.2019 21:56 Klaus Schubert 19

Ihr koennt stolz sein; wenn die GRUENEN dran sind muesst Ihr dann um Erlaubnis fragen wenn Ihr was tun wollt!!!

28.05.2019 19:08 martin 18

@17 tommy: Das Verhalten ist keine SPD Besonderheit - das haben auch viele CDU Granden in der Lokalpolitik so gemacht. Und dass das die selbsterklärten Saubermänner der AfD nicht machen würden, kann ich mir nicht so recht vorstellen ....

Unsere Verfassung räumt der Unabhängigkeit von Mandatsträgern - berechtigterweise - einen sehr hohen Stellenwert ein. Das beginnt dann halt schon damit, dass jeder gewählte frei in der Entscheidung ist, ob er das Mandat annimmt oder nicht.

Es ist eine Frage des politischen Anstands. Einige Amtsinhaber haben bei dieser Kommunalwahl auf die Pseudo-Spitzenkandidatur verzichtet. Ich habe aber keinen Überblick, ob das nur einzelne gemacht haben oder ob das jetzt häufig(er) gemacht wurde.

@MDR: Haben sie dazu Einschätzungen oder sogar "harte Fakten" oder können sie die heraus bekommen? Fände ich im Rahmen der Wahlnachlese interessant.


Anm.d.Red.: Aktuelle Zahlen darüber, wie viele gewählte Kandidaten auf ihr Amt verzichten, liegen uns noch nicht vor. Mehr Informationen zu diesem Thema finden sie aber unter: https://www.mdr.de/nachrichten/politik/regional/scheinkandidaten-bei-thueringer-kommunalwahlen-100.html