Bodo Ramelow
Bodo Ramelow Bildrechte: dpa

Landtagswahl 2019 Bodo Ramelow im Portrait

Die rot-rot-grüne Regierungskoalition in Thüringen hat ihre erste Legislaturperiode überstanden - entgegen mancher Voraussagen,  besonders aus den Reihen der Opposition. Wenn es nach dem Willen von Linke, SPD und Bündnis90/Die Grünen geht, soll das Dreierbündnis auch über die Landtagswahlen am 27. Oktober 2019  hinaus Bestand haben. Garant und Gallionsfigur dafür soll Bodo Ramelow sein - der erste Linke-Ministerpräsident in der Geschichte der Bundesrepublik.

von Peter Sommer

Bodo Ramelow
Bodo Ramelow Bildrechte: dpa

Versonnen und nachdenklich sitzt er auf einer Wiese, den Arm lässig auf die Knie gestützt und den Blick auf einen See gerichtet. Heimatverbundenheit, Bodenständigkeit und Volksnähe soll das Wahlplakat der Linken ausstrahlen - auf inhaltliche politische Botschaften verzichtet es völlig. Nicht nur hier wird deutlich: Die Thüringer Linke setzt im Landtagswahlkampf ganz auf ihren Spitzenkandidaten und Ministerpräsidenten. Politische Inhalte der Partei stehen eher hintenan.

Ramelows Umfragewerte stellen die der anderen Thüringer Spitzenkandidaten deutlich in den Schatten. Laut dem Thüringen-Trend, der Umfrage von MDR THÜRINGEN, sind 65 Prozent der Thüringer mit Ramelows Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. 52 Prozent der Thüringer würden ihn - wenn das möglich wäre - direkt zum Ministerpräsidenten wählen. Ein bedeutendes Pfand in einer Zeit, da die AfD erstarkt, die Wählerbasis der großen Volksparteien zu den Rändern hin erodiert und die Linke sowohl bundesweit als auch bei Landtagswahlen Stimmenverluste hinnehmen muss - zuletzt geschehen in Brandenburg und Sachsen. Unumwunden hat die Thüringer Linke-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow nach den teils verheerenden Wahlergebnissen in den beiden Ländern zu Protokoll gegeben, dass sie auf Ramelows Amtsbonus setze.

"West-Import" und "Seiteneinsteiger"

Betrachtet man Ramelows Laufbahn innerhalb der Linken, fallen einem Begriffe wie "West-Import" oder "Seiteneinsteiger" ein. Erst mit 43 Jahren trat der heute 63-Jährige in die Partei ein. Stets fremdelte er mit dem post-stalinistischen Erbe der SED-Nachfolgepartei, öffnete die Linke dadurch aber auch für jüngere Menschen und machte sie auch für eine eher moderat linke, bürgerliche Klientel wählbar.

Doch wer ist der Politiker, auf dem so viele Hoffnungen von Linke-Anhängern in Thüringen und ganz Deutschland ruhen?

Geboren wurde Bodo Ramelow am 16. Februar 1956 in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen. Gemeinsam mit drei Geschwistern wuchs er in einem evangelischen Haushalt auf. Mit elf Jahren musste er den Tod des Vaters verkraften. Die Schule beendete Ramelow 1971 mit einem Hauptschulabschluss. Während seiner Schulzeit wurde Legasthenie diagnostiziert - eine Behinderung, die ihn bis heute begleitet und beim Schreiben und Verfassen von Texten auf Hilfe angewiesen sein lässt. Bis Mitte der 70er-Jahre erlernte Ramelow den Beruf des Einzelhandels-Kaufmanns und erwarb die Fachhochschulreife. Seit Anfang der 80er-Jahre engagierte sich Ramelow bei der Einzelhandelsgewerkschaft - bis 1990 als Sekretär der damaligen Gewerkschaft HBV (Handel, Banken, Versicherungen) in Mittelhessen, danach bis 1999 in Thüringen.

Im April 1999 trat Bodo Ramelow schließlich der damaligen SED-Nachfolgepartei PDS bei. Auf Anhieb errang er Platz zwei auf der Landesliste der Partei für die Landtagswahl 1999. Zwei Jahre später wurde er Fraktionsvorsitzender der PDS-Fraktion im Landtag. Im Jahr 2003 nominierte die Partei erstmals einen eigenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten - Bodo Ramelow. Im Juni 2004 erreichte die PDS mit 26,1 Prozent ihr bis dahin bestens Ergebnis bei einer Landtagswahl. Am 18. September 2005 zog Bodo Ramelow über die Landesliste in den Deutschen Bundestag ein, um sich im Dezember 2007 erneut zum Spitzenkandidaten für die kommenden Landtagswahlen küren zu lassen.

Nach den Wahlen im August 2009 zeichnete sich erstmals die Möglichkeit einer rot-rot-grünen Regierungskoalition in Thüringen ab. Doch die Bedenken bei SPD und Grünen gegen einen linken Ministerpräsidenten waren (noch) groß. Auch Ramelows Erklärung, auf das Amt zu verzichten, hielt die SPD nicht davon ab, schließlich eine Koalition mit der CDU einzugehen.  

Erster Linke-Ministerpräsident

Fünf Jahre später allerdings sollte Ramelows Stunde kommen: Nach monatelangen Verhandlungen unterzeichneten Linke, SPD und Bündnis90/Die Grünen im November 2014 schließlich den Koalitionsvertrag. Am 5. Dezember wurde Bodo Ramelow schließlich zum Ministerpräsidenten gewählt - ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. Noch im Plenarsaal gab Ramelow das Versprechen ab, sich für die Aufarbeitung des SED-Unrechts zu engagieren. Ungeachtet dessen wurde Ramelows Wahl von teils heftigen Protesten begleitet - angeführt von der CDU und unterstützt von DDR-Opferverbänden.

Doch auch Kritiker des Linke-Ministerpräsidenten müssen anerkennen, wie größtenteils pragmatisch Ramelow das Land führt. So begrüßte er - auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle - die ersten ankommenden syrischen Flüchtlinge auf dem Bahnhof Saalfeld persönlich. Zugleich wurde er nie müde, Rechtstreue und Integrationsbereitschaft von den Neuankömmlingen einzufordern. Wer die Voraussetzungen für Asyl nicht erfülle, müsse - schweren Herzens - Deutschland verlassen, stellte Ramelow klar.

Aus Erfahrungen gelernt

Bodo Ramelow spielt mit seinem Hund.
Zur Familie Ramelow gehört auch Hund Attila. Bildrechte: dpa

Die Bilanz seiner ersten Amtsperiode als Ministerpräsident und Chef der rot-rot-grünen Koalition fällt gemischt aus. Auf der Plus-Seite stehen die sehr guten Wirtschaftsdaten und geringen Arbeitslosenzahlen - beides auch der insgesamt guten Konjunktur geschuldet. Eher glücklos agierte Ramelow jedoch bei einem seiner Hauptvorhaben: der Gebiets- und Verwaltungsreform. Pläne, die Zahl der Landkreise und kreisfreien Städte durch Fusionen zu reduzieren, verzögerten sich immer wieder, bis sie schließlich komplett beerdigt wurden.

"Wir haben daraus gelernt", sagt Bodo Ramelow heute. Und verweist darauf, dass sich mit Unterstützung des Landes immerhin 400 Gemeinden freiwillig zusammengeschlossen hätten. Eine Erfahrung, die Ramelow sicher auch in einer weiteren Amtsperiode hilfreich sein kann.

Bodo Ramelow ist in dritter Ehe mit der Italienerin Germana Alberti vom Hofe verheiratet. Er hat zwei erwachsene Söhne aus erster Ehe.

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 13:30 Uhr

2 Kommentare

Breakpoint vor 8 Wochen

Sie faseln! - Das Plakat zeigt den "Landesvater" Bodo Ramelow mit Einladungen an Menschen, die Zukunft Thüringens zu gestalten. Und wer den beliebten Ministerpräsidenten Ramelow behalten will, sollte "Die Linke" wählen, zumindest mit der Zweitstimme. Das ist doch völlig klar - für alle, die ein wenig Verstand (statt Placebo) im Kopf haben. ;-))

placebo vor 8 Wochen

Ein "Willkommen in Thüringen" sieht eher nach Tourismusverband aus ... Dass es sich hier um ein MP-Plakat der "Überparteilichkeit" handelt, sollte die Linke mal hinterfragen. Und beim "Was ein Mensch braucht" fehlt der Frieden ... scheinbar hat das Agentur der Überparteilichkeit einfach so vergessen ... wer braucht das schon!?

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