Vertrocknete Bäume im Nationalpark Hainich
Die Buchen im Nationalpark Hainich sterben. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Forstministerium "Masterplan 2030" soll den Wald in Thüringen retten

Trocken und heiß - so war's 2018, und 2019 geht es - zumindest bisher - so weiter. Den Bäumen macht das schwer zu schaffen. Sie leiden unter dem Wassermangel. Hinzu kommt, dass die geschwächten Bäume auch noch von Borkenkäfern heimgesucht werden. Der Wald geht regelrecht hektarweise kaputt. Das Land will nun gegensteuern. Forstministerin Birgit Keller (Die Linke) will am Dienstag in einer Sondersitzung des Kabinetts einen so genannten Masterplan 2030 zur Rettung des Waldes vorlegen.

Wolfgang Hentschel
Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

von Wolfgang Hentschel

Vertrocknete Bäume im Nationalpark Hainich
Die Buchen im Nationalpark Hainich sterben. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Den Wald retten wir nur gemeinsam. Das ist der erste Satz im Masterplan von Forstministerin Birigt Keller. Mit Absicht: denn die Ministerin hat in den letzten Wochen eine emotionale, aufgeheizte Debatte über die Rettung des Waldes erlebt. Viele verschiedene Organisationen, Einrichtungen, Parteien haben sich zu Wort gemeldet. Keller will daher mit ihrem Masterplan erst einmal wieder Ruhe in die Diskussion einkehren lassen. Und dazu beitragen, dass in logischen Schritten gegen die Waldschäden vorgegangen wird.

Dazu gehört laut Keller als erstes die Frage, wie der Wald der Zukunft überhaupt aussehen soll. Welche Aufgaben soll er erfüllen? Soll er vor allem der Holzindustrie als Rohstofflieferant dienen? Oder soll er das Klima stabilisieren? "Wenn wir sagen, der Wald ist derjenige, der das Klima mitbestimmt, dann müssen wir ihn so herstellen, dass er das Klima aushält in Zukunft", so Keller. Klimaresiliente Baumarten, wie es Experten nennen, sind gefragt. Dazu gehören nach Angaben von Tilo Kummer, Forstexperte der Landtagsfraktion der Linken, unter anderem die Walnuss, Robinien oder Baumhasel.

200 Millionen Bäume werden gebraucht

Keller will bei der Beseitigung der Waldschäden nicht auf die Eigentumsverhältnisse achten. Das Problem soll gelöst werden, egal, ob es um staatlichen, privaten oder kommunalen Forst geht.

Zumal der Wald über alle Eigentumsformen hinweg gleichermaßen geschädigt ist. "Wir haben große Kahlflächen im Wald, wenn wir dort die Sanierung durchgeführt haben. Das, was heute braun ist, das werden kahle Flecken werden. Und die müssen wir sehr schnell füllen und wieder aufforsten. Das heißt: in den nächsten zehn Jahren - so ist die Prognose jetzt - werden wir 200 Millionen neue, klimaresiliente Bäume pflanzen müssen", so Keller.

Auch Freiwillige sollen Bäume pflanzen

Dafür muss auch das Saatgut beschafft werden. Das aber laut Keller teilweise schon vorhanden ist. In der Baumschule Breitenworbis etwa werden ihren Angaben nach zwei Millionen junge Eichen herangezüchtet. Zudem sollen bei der Aufzucht von Setzlingen auch Agrarbetriebe mit eingebunden werden. Das Problem dabei ist allerdings: wer soll die Bäume pflanzen? Keller schlägt in ihrem Masterplan vor, hier auch ungewöhnliche, unbürokratische Wege zu gehen. Und auch auf freiwillige Helfer zu setzen. "Wir wollen die Menschen, die hier in der Lage und Willens sind, zu helfen, auch beteiligen", sagt Keller.

Gesamtkosten noch offen

Bei der Finanzierung des Waldumbaus schlägt Keller vor, den Bund mit in die Pflicht nehmen. Die Gesamtkosten für ihren Masterplan 2030 will Keller noch nicht genau beziffern. Darüber will sie noch das Kabinett beraten lassen. Allerdings stellte vergangene Woche bereits Ministerpräsident Bodo Ramelow einen Betrag von rund 50 Millionen Euro pro Jahr zur Debatte. "Es geht ja auch um den Waldumbau, den wir schon 30 Jahren ein bisschen betreiben. Das müssen wir jetzt in zehn Jahren schaffen. Und ich denke, dass die 50 Millionen Euro pro Jahr der Sache nahe kommen", sagt Keller.

Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Thüringenforst fällt alte Buchen im Rudolstädter Hain

Die Buchen im Rudolstädter Hain direkt an der Heidecksburg sind so trocken, dass große Äste abbrechen und zur Gefahr werden. Deshalb fällt ein Spezialtrupp des Thüringenforsts rund 150 der alten Bäume.

In einer grünen Waldkrone leuchten die vertrockneten Blätter der Buch in gelb-rot.
Die trockenen Buchen im Rudolstädter Hain sind deutlich an ihrer Färbung zu erkennen: Inmitten des Grüns des Waldes sind ihre Blätter gelb-rot wie im Herbst. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
In einer grünen Waldkrone leuchten die vertrockneten Blätter der Buch in gelb-rot.
Die trockenen Buchen im Rudolstädter Hain sind deutlich an ihrer Färbung zu erkennen: Inmitten des Grüns des Waldes sind ihre Blätter gelb-rot wie im Herbst. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Eine Holzbank neben einem Baum, dahinter ein Info-Schild für den Erlebnispfad im Rudolstädter Hain.
In einem Wald mit vielen Spaziergängern wie nahe der Heidecksburg sind die trockenen Buchen eine Gefahr für Leib und Leben. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Große Äste liegen auf dem Waldboden neben einem Baum.
Sind die Bäume extrem trocken, werfen sie nämlich große Äste bis hin zu ganzen Baumkronen ab, die zur Gefahr werden können. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Eine Hand hält ein großes vertrocknetes Teil einer Buche.
Teile der Bäume können mehrere Meter weit geschleudert werden, wenn sie vom Baum abfallen. An diesem Stück sieht man deutlich wie vertrocknet es ist. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Ein Auto mit der Aufschrift Thüringen Forst Verkehrssicherung steht in einem Wald.
Deshalb ist seit Montag ein Thüringenforst-Spezialtrupp im Rudolstädter Hain im Einsatz. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Eine ausgetrocknete Buche, von der sich langsam die Rinde ablöst.
Eine Woche lang werden sie jede Buche im Hain genau begutachten und entscheiden, ob sie gefällt werden muss. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Ein Förster mit gelbem Helm steht auf einem Baumstumpf einer frisch abgesägten Buche.
Martin Seebauer ist der Leiter des Spezialteams. Er rechnet damit, dass etwa 150 Buchen im Hain gefällt werden müssen. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Forstarbeiter deuten auf die Schnittkante eines abgesägten Baumstumpfs.
Und so zeigt er, wie man am Stumpf die Schädigung des Baumes erkennt: Entlang der Längsrisse ist hier zum Beispiel Weißfäule in die Buche eingedrungen. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Ein gelbes Forst-Fahrzeug fährt durch einen Wald.
Bei der Arbeit im Wald setzen die Forstarbeiter nicht nur auf Körperkraft und Kettensäge, sondern auch auf schweres Gerät. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Ein Forstfahrzeug zieht einen Buchenstamm hinter sich her durch den Wald.
Das hilft zum Beispiel dabei, die Bäume abzutransportieren. Sie bleiben allerdings im Wald. Bildrechte: MDR / Uwe Kelm
Alle (10) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 05. August 2019 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. August 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2019, 06:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

12 Kommentare

12.08.2019 01:06 Geldverschwendung 12

Die Wälder sind voll von Anflugbäumen. Es ist kaum noch ein durchwandern der Wälder möglich. Warum nimmt man diese Setzlinge nicht zum Aufforsten ? Eigentlich dürften diese Pflanzen besser geeignet sein als die herangezogenen... oder ? Vor allen diese sind preisgünstiger.

11.08.2019 23:39 Max 11

Fr. Keller und ihr sogenannter "Experte" Tilo Kummer (Fisch-Ing.) haben keine Ahnung von der Forstwirschaft. (siehe Lebensläufe) Es sollten richtige Fachleute, von Deutschland und/oder Europa, für die Auswahl der geeigneten Bäume sorgen. Ihr "Einfall" vom Masterplan mit der Hilfe von Freiwilligen ist doch von Äthiopien/Indien abgeschrieben. Die haben aber innerhalb eines Tages 350 Mio/220 Mio Bäume gepflanzt. Sie möchte 200 Mio in ZEHN Jahren pflanzen. Hääh
Aber vorher soll erst mal Ruhe einkehren...in was und warum? Zeit schinden bis sie es zur Rente geschafft hat?
Hoffentlich tun die Stromkapitalisten dann nicht über Nacht, auf den von Schadholz befreiten Waldschneisen ihre eigenen "Baumarten" pflanzen!!!
Ach und in einem der o.g. Länder haben die Behörden an dem Tag frei bekommen, und mit zu arbeiten.
Ich würde auch mitmachen.

Mehr aus Thüringen