Finsterbergen - Wanderwege im Thüringer Wald
Mehr als 30 Waldgebiete werden zu Urwäldern rückgebaut. Bildrechte: imago/Bild13

Ein bisschen Urwald Thüringen überlässt einige Waldgebiete der Natur

Über 26.000 Hektar Wald werden in den kommenden Jahren in Thüringen verwildern. Die größte Fläche wird auf dem Possen entstehen. Die Forstwirtschaft erhält Entschädigungszahlungen von jährlich 750.000 Euro.

Finsterbergen - Wanderwege im Thüringer Wald
Mehr als 30 Waldgebiete werden zu Urwäldern rückgebaut. Bildrechte: imago/Bild13

Fünf Prozent der Thüringer Wälder sollen bis Ende 2029 weitgehend sich selbst überlassen werden. Einer entsprechenden Einigung habe das rot-rot-grüne Kabinett zugestimmt, teilten Landwirtschaftsministerin Birgit Keller (Linke) und Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) am Dienstag gemeinsam in Erfurt mit. So war das bereits im Rot-Rot-Grünen Koalitionsvertrag vereinbart worden. Über die konkreten Flächen hatte es zuvor zwischen beiden Ressorts zum Teil heftige Auseinandersetzungen gegeben.

Auf mehr als 26.000 Hektar der Thüringer Wälder darf die Säge nur noch zum Forstschutz oder für die Verkehrssicherung angeworfen werden. Etwa zwei Drittel dieser Flächen - etwa im Nationalpark Hainich - würden bereits jetzt nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt, sagte Siegesmund. Die Gesamtfläche der Wälder in Thüringen beträgt 520.000 Hektar.

balzender Auerhahn
Auerhühner könnten sich wieder ausbreiten. Bildrechte: IMAGO

Siegsmund sprach von einer Schatzkammer der Natur, die in den Wäldern entstehe. "Wo sich unsere Wälder natürlich entwickeln können und die Bäume sehr alt werden können und langsam verrotten, entstehen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen", sagte sie. Das sei gut für die biologische Vielfalt und gut fürs Klima.

Waldgebiet Possen wird teilweise Erholungswald

Insbesondere die Einbeziehung eines etwa 1.000 Hektar großen Waldstückes am Possen bei Sondershausen hatte für viel Unruhe gesorgt. Die Interessen der Jäger, Naturschützer und Erholungssuchenden waren aufeinander geprallt. Der Kompromiss sieht nun vor, dass 1.000 Hektar verwildern und 555 weitere Hektar als Erholungswald ausgewiesen werden.

Von den 26.000 Hektar Wald gehören rund 16.800 der Landesforstanstalt Thüringenforst. Der jetzt erzielte Kompromiss sieht vor, dass der Landesbetrieb für die ausbleibenden Erlöse aus dem Holzverkauf entschädigt wird. Dafür stelle Thüringen jährlich 750.000 Euro bereit, erläuterte Keller. Der Anteil für das laufende Jahr werde sofort angewiesen, sagte die Ministerin.

Waldwildnis Thüringen
Ausgewählte Thüringer Waldgebiete, die geschützt werden sollen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Naturschutzorganisationen BUND Thüringen, NABU Thüringen, WWF Deutschland und Zoologische Gesellschaft Frankfurt begrüßen gemeinsam mit der Bürgerinitiative "ProKyffhäuserwald" die Einigung zur Waldwildnis in Thüringen. "Auf fünf Prozent dürfen sich die Wälder in Thüringen fortan wieder regenerieren und natürlich entwickeln. Das ist ein wichtiger Beitrag für den Schutz der europäischen Buchenwälder, deren Verbreitungsschwerpunkt hier bei uns liegt", sagte Manuel Schweiger, Wildnisreferent der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt.

Waldwildnis ist ein entscheidender Baustein zur Erhaltung der Artenvielfalt im Wald.

Martin Schmidt, Landesvorsitzender des NABU Thüringen

Mehr als 30 verschiedene Waldflächen werden in Thüringen verwildern. Größere zusammenhängende Waldgebiete sind neben dem Possen nach den Angaben der beiden Ministerinnen in der Hohen Schrecke an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und im Pöllwitzer Wald im Landkreis Greiz zu finden. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll auf den vereinbarten Flächen der notwendige Waldumbau abgeschlossen werden. Dann beginne ein neuer Zyklus, der die biologische Vielfalt stärke, sagte Siegesmund.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

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Fr 14.12.2018 17:40Uhr 03:37 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 20:27 Uhr

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3 Kommentare

05.12.2018 15:59 Graf von Henneberg 3

Das sind knapp 30,00 €/ha und Jahr für eine staatlichen Betrieb aus Steuermitteln (dem Geld des Bürgers). Eine dreiviertel Million fürs Nichtstun. Ob das beim Privatwald - Besitzer ebenso geht? Da stehen die Blutsauger Schlange: Berufsgenossenschaft, Grundsteuer, Einkommenssteuer, Versicherungen, evtl. Gewässerunterhaltung usw. - diese Gelder müssen während der Umtriebszeit aufgebracht werden - da hat man noch keinen Meter Holz verkauft.

05.12.2018 08:26 martin 2

Ich begrüße es ausdrücklich, wenn ein Teil der Wälder aus der wirtschaftlichen Nutzung heraus genommen wird.

Ich bezweifele allerdings, dass ein einfaches Nichts-Mehr-Tun der sinnvollste Weg zur Renaturierung und Erhöhung der Artenvielfalt ist. Bei den meisten Flächen dürfte es sich ja um "Nutzwald" mit entsprechend heftigen Eingriffen des Menschen handeln. Ein heftig gestörtes System heilt sich nicht in absehbarer Zeit selbst, wenn einfach gar nichts mehr gemacht wird. Auch der Umbau mit Blick auf die klimatischen Veränderungen sollte aktiv unterstützt werden.

Und mit Blick auf Sachsen stelle ich mir (und dem MDR) die Frage, ob die Verwilderung dann auch mit Betretungsverboten verbunden werden soll?

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