Wegen und trotz Coronavirus Thüringer Städte planen Weihnachtsmärkte (oder auch nicht)

In etwas mehr als 20 Wochen ist Weihnachten. Höchste Zeit für viele Thüringer Städte und Gemeinden, sich Gedanken über ihre Weihnachtsmärkte zu machen. Planen wir wie sonst? Planen wir wegen Corona anders? Oder planen wir gar nicht? Die Antworten auf diese Fragen fallen höchst unterschiedlich aus.

Mit einem Feuerwerk wird Erfurter Weihnachtsmarkt eröffnet
Der Weihnachtsmarkt in Erfurt wird mit einem Feuerwerk eröffnet. Noch ist unklar, in welcher Form der Markt in der Landeshauptstadt abgehalten wird. Bildrechte: dpa

In der Landeshauptstadt Erfurt stehen die Chancen für einen Weihnachtsmarkt nicht schlecht. Auch wenn Kulturdezernent Thomas Knoblich den Ablauf noch nicht hundertprozentig weiß: "Wir wissen vieles noch nicht, wir wissen nur, dass wir daran festhalten und gewillt sind, das Ereignis stattfinden zu lassen. Sowohl für die Teilnehmer, als auch für den öffentlichen Handel und für die Hotelerie." Der größte Weihnachtsmarkt in Thüringen lockt jährlich bis zu zwei Millionen Besucher in die Landeshauptstadt. "Das Thema ist von hoher wirtschaftlicher Bedeutung der Stadt", sagt Knoblich. Es wird wohl weniger Angebote auf dem Domplatz geben. Und: Ohne ein Hygiene- und Sicherheitskonzept geht nichts.

Hygienekonzepte entscheidend

Auch in Nordhausen ist man zuversichtlich: "Wir planen einen Weihnachtsmarkt am gleichen Standort wie im vergangenen Jahr" heißt es aus dem Nordhäuser Rathaus. Bewerbungen der Händler liegen dort bereits vor. Neben einem Sicherheitskonzept wird es auch ein neues Hygienekonzept geben, das noch mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt werden muss.

Darüber hinaus muss jeder Händler ein eigenes Hygienekonzept für seinen Stand erstellen. Die Abstände zwischen den Ständen werden vergrößert. Und es wird mehr Sitzgelegenheiten und Stehtische geben, um größere Gruppen zu vermeiden und die Abstände einzuhalten. Das soll auch kontrolliert werden. Auf ein Bühnenprogramm müssen die Nordhäuser Weihnachtsmarktbesucher in diesem Jahr aber gänzlich verzichten.

Umfrage: Mehr als die Hälfte der Befragten erwägt Besuch eines Weihnachtsmarktes

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungs- Unternehmens Civey für den MDR kann sich eine knappe Mehrheit der Thüringer vorstellen, in diesem Jahr einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Knapp 54 Prozent der Befragten stimmten für "Ja, auf jeden Fall" oder "Eher ja". Ein Drittel steht einem Weihnachtsmarktbesuch dagegen skeptisch ("Eher nein") bis ablehnend ("Nein, auf keinen Fall") gegenüber. Gut 13 Prozent stimmten mit "Unentschieden".

Zur Umfrage

Die genaue Umfrage lautete: "Können Sie sich angesichts der Corona- Pandemie vorstellen, gegen Ende dieses Jahres einen Weihnachtsmarkt zu besuchen?" Das Meinungsforschungsinstitut Civey berücksichtigte für das Gesamtergebnis die Antworten von 5.022 Befragten ab 18 Jahren aus Thüringen, Sachsen und Sachsen- Anhalt. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent für das Ergebnis der drei Bundesländer und bei 4,4 Prozent für die Berücksichtigung ausschließlich Befragter mit Wohnsitz in Thüringen. Damit ist die maximale Abweichung der Ergebnisse, die man mithilfe der Stichprobe erzielt hat, von den realen Werten in der Grundgesamtheit gemeint. Der Befragungszeitraum war vom 20.07.2020 bis zum 03.08.2020.

Vorbereitungen laufen "ohne konkrete Einschränkungen"

Auch in Weimar laufen die Vorbereitungen "ohne konkrete Einschränkungen", wie es aus der Stadtverwaltung heißt. In den nächsten Wochen soll es ein Konzept für den diesjährigen Markt geben. "Man wird über Beginn- und Endzeiten genauso reden müssen, wie über den Umgang mit typischen Publikumsmagneten", teilte die Stadt mit. In Jena wird ebenfalls ein Hygienekonzept erarbeitet. Die Stadt überlegt sogar, die Dauer von vier auf sechs Wochen zu verlängern, um die Besucherströme mehr zu verteilen.

Weihnachtsmarkt 2018 in Weimar am Abend.
In den kommenden Wochen soll ein Hygienekonzept für den Weimarer Weihnachtsmarkt erarbeitet werden. Bildrechte: MDR/Maria Socolowsky

Optimismus kommt auch aus Mühlhausen. "Die Durchführung wird unter Beachtung der Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln anvisiert", heißt es aus dem Rathaus. Ähnlich in Heiligenstadt: Bürgermeister Thomas Spielmann (BI Menschen für Heiligenstadt) plant irgendwie schon mit einem Weihnachtsmarkt, allerdings deutlich kleiner und mit weniger Programm als sonst. So soll sich der Markt - wenn er denn stattfindet - auf die Einkaufsstraße beschränken. Marktplatz und Barockgarten bleiben dieses Jahr leer.

Oftmals noch unklar, in welcher Form Weihnachtsmarkt stattfindet

In Apolda konzentriert man sich erst einmal auf den abgespeckten Zwiebelmarkt. Das dortige Lichterfest wird derzeit noch nicht geplant, soll aber stattfinden. Auch Bad Salzungen geht davon aus, dass es einen Weihnachtsmarkt gibt. In welcher Form ist noch unklar. In Lauscha soll noch in diesem Monat entschieden werden, wie der Kugelmarkt aussehen soll. Bisher haben sich nur fünf Händler angemeldet. Sonst kommen laut Bürgermeister Norbert Zitzmann (SPD) mindestens 60 Gewerbetreibende und bis zu 25.000 Besucher.

In Schmalkalden haben nach Angaben der Stadtverwaltung schon Händler nach dem Herrscheklasmarkt - so heißt der Weihnachtsmarkt dort - nachgefragt.

Schmalkalden hat einen Vorteil. Der Herrscheklasmarkt ist klein und fein.

Stadt Schmalkalden

Die Planungen für den Markt laufen in engem Kontakt mit Ordnungs- und Gesundheitsämtern.

Sondershausen lässt sich bis Oktober Zeit für Planungen

Komplett gegenteilige Stimmen kommen aus Sondershausen. Die Stadtverwaltung dort plant aktuell noch gar nichts und will sich bis Oktober damit Zeit lassen. Denn dann soll es eine neue Verordnung vom Land geben. "Regeln wie Einbahnstraßensysteme ergeben bei Weihnachtsmärkten keinen Sinn", heißt es von der Stadt. Auch Altenburg und Eisenach planen noch nicht und wollen die Entwicklungen über den Sommer abwarten. Das Kulturamt in Saalfeld- Rudolstadt schätzt Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte nach eigenen Angaben als kritisch ein.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 04. August 2020 | 18:00 Uhr

16 Kommentare

emlo vor 7 Wochen

@Critica: An einem Schnupfenvirus sterben aber im Unterschied zum Corona-Virus nur ganz, ganz wenige Leute, auch wenn manche Männer bei einem Schnupfen meinen, ebenfalls bald das Zeitliche zu segnen. Und was das Nachplappern angeht: Denken Sie mal über Ihre eigenen Äußerungen nach!

Critica vor 7 Wochen

Lieber Bub,
ich kann Sie und Sie können mich auch mit dem Schnupfenvirus anstecken. Doch da ist das Geschrei sehr klein, weil "von oben" vorneweg nicht halb so viel Angst davor geschürt wurde. Strengen Sie einach mal ihren Kopf an, und zwar Ihren eigenen. Und nicht alles nachplappern, was Sie lesen oder hören.

Der Erfurter Bub vor 7 Wochen

Ach Sie arbeiten in einer medizinischen Koordinierungsstelle zur Unterbringung der Erkrankten in die jeweiligen Krankenhäuser? Ja dann ist die Zahl der Erkrankten tatsächlich wichtig für Sie. Sollte das aber wieder erwarten nicht ihr Job sein, frage ich mich was sie mit dieser Zahl wollen. Oder sind sie Statistiker? Ist ja nicht so das Infizierte andere anstecken könnten. Nein vollkommener Quatsch.

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