Wendekinder in Führungspositionen Von Stimme zum Einfluss: Wendekinder in ihrer Lebensmitte übernehmen Führung

Adriana Lettrari ist Gründerin des Netzwerkes "3te Generation Ost". Sie erklärt, warum Wendekinder eine gute Chance haben, auf Chefposten zu landen .

von Adriana Lettrari

Adriana Lettrari vom Netzwerk "3te Generation Ost"
Adriana Lettrari Bildrechte: Adriana Lettrari

Die Herausforderungen der Zukunft könnten größer nicht sein: (Ost)deutschland muss die digitale Transformation von Arbeit und Gesellschaft konstruktiv meistern und steht in den kommenden Jahren vor einer nie dagewesenen sektorenübergreifenden Nachfolgewelle. In ihrer Lebensmitte sind nun die "Kinder der Revolution", die Wendekinder, als Nachfolger besonders gefragt. Sie sind es, die den Zukunftsthemen eine Gestalt geben werden müssen vor dem Hintergrund einer angespannten politischen Lage. Ihre Kindheit haben die zwischen 1975 und 1985 in der DDR Geborenen eingebettet in eine sozialistische Pädagogik und ihre Jugend im Transformationsraum Ostdeutschland erlebt.

Damit verfügen sie über eine einzigartige "Transformationskompetenz": Sie wissen, dass sich die Dinge von heute auf morgen von Grund auf ändern können. Sie haben Aufbrüchen, Umbrüchen und auch Abbrüchen ihres unmittelbaren Lebensraumes zugesehen und kreativ Wege gefunden, progressiv Neues entstehen zu lassen. Sie sind weltläufig und anpassungsfähig geworden, denn ein Viertel ihrer Generation ist abgewandert und kehrt nun teilweise in ihre Heimaten zurück. Persönliche Freiheit in Gemeinschaft ist ihnen ein bedeutsamer Wert. Ihre Erfahrungen und Fähigkeiten als "Change Maker", ihre pluralistischen und liberalen Stimmen werden in Deutschland, insbesondere in Ostdeutschland dringend benötigt.

Welches Erbe treten Sie hier an? Je höher die Positionen von Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Medien, Kultur und Wirtschaft, desto weniger ihrer ostdeutschen Elterngeneration finden die Wendekinder vor. Das in jüngster Vergangenheit viel besprochene ‚Eliterepräsentationsdefizit’ Ostdeutscher in Führungspositionen stellt die Wendekinder vor eine neue Herausforderung.

War es im Zuge von 20 Jahren Friedlicher Revolutions-Feierlichkeiten noch relevant, die Stimme zu erheben für einen positive mediale Darstellung dieser Generation, so stellt sich ihre Aufgabe nach 30 Jahren Mauerfall nun in einer neuen Qualität dar: von der Stimme zum Einfluss. Machtansprüche zu formulieren, um Verantwortung in Führungspositionen zu übernehmen und mit den wertvollen Erfahrungen einer doppelten Sozialisation aufzufüllen, ist das Gebot der zweiten Lebenshälfte der heute 40-Jährigen. Was auch immer sie dafür benötigen, sie werden es sich erschaffen: mit den Ressourcen, die sie sich zur Wendezeit erarbeitet haben.

Konferenz für Wendekinder in Führungspositionen Am 24. Juni 2019 findet in Berlin die erste Konferenz für Wendekinder in Führungspositionen statt. Kooperationspartner sind das „Netzwerk 3te Generation Ostdeutschland“, „DeZim“, „Fürstenberg Institut“ und die „Bundeszentrale für politische Bildung“.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 10:43 Uhr

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3 Kommentare

17.06.2019 17:04 Richard Rumbold 3

Nicht das die jungen Frauen nicht sympathisch wären, aber so wie ihre Bilder präsentiert werden, entspricht es dem, wie sich die westdeutschen Führungskräfte Frauen in Karriere vorstellen: Höher, schneller, weiter. Die Eliten reproduzieren sich, in dem sie ähnliche Typen heraussuchen. Typen, die zu ihnen passen.

17.06.2019 13:59 Pfingstrose 2

Wer es glaubt wird seelig. 20 Jahre zu spät.

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