Wendekinder in Führungspositionen Was bedeutet Ihnen Karriere?

Ostdeutsche sind auch 30 Jahre nach der Wende immer noch selten in Führungspositionen. Liegt das auch an einem anderen Begriff von Karriere? Wir haben uns umgehört.

Ein Mann
Paul Jokisch, geb. 1976, selbstständiger Kommunikationsdesigner in Erfurt Bei Karriere denke ich an Hierarchien, Machtkämpfe und rücksichtslose Selbstverwirklichung. Das halte ich nicht für erstrebenswert. Ich habe mich deshalb als Kommunikationsdesigner selbstständig gemacht. Als Selbstständiger muss ich mich zwar auch gegen Konkurrenten auf dem Markt durchsetzen, bin aber innerhalb meines Unternehmens unabhängig. Bildrechte: MDR/Julian Theilen
Ein Mann
Paul Jokisch, geb. 1976, selbstständiger Kommunikationsdesigner in Erfurt Bei Karriere denke ich an Hierarchien, Machtkämpfe und rücksichtslose Selbstverwirklichung. Das halte ich nicht für erstrebenswert. Ich habe mich deshalb als Kommunikationsdesigner selbstständig gemacht. Als Selbstständiger muss ich mich zwar auch gegen Konkurrenten auf dem Markt durchsetzen, bin aber innerhalb meines Unternehmens unabhängig. Bildrechte: MDR/Julian Theilen
Eine Frau
Claudia Grimm, geb. 1983, Personalleiterin in Eisenach "Karriere bedeutet für mich, sich weiterzuentwickeln. Und das ist mir schon wichtig. Finanzielle Unabhängigkeit hat mir auch immer schon viel bedeutet, meine Eltern waren nach der Wende arbeitslos. Ich wollte es immer besser haben. Ich möchte Karriere aber nicht um jedem Preis machen. Ich habe eine Familie, die geht vor." Bildrechte: MDR/Julian Theilen
Eine Frau
Mandy Tomasini, geb. 1978, Kunsthandwerkerin in Erfurt "'Karriere machen' ist für mich negativ besetzt. Da denke ich irgendwie immer, dass man dafür 'über Leichen gehen muss'. An sich ist für mich Karriere auch total uninteressant, Ehrgeiz habe ich aber. Ich will immer etwas Neues lernen, nicht stehen bleiben. Dafür muss ich aber keine bestimmte Position erreichen." Bildrechte: MDR/Julian Theilen
Ein Mann
Ronny Seraphin, geb. 1983, Gastronomieangestellter in Eisenach "Ich möchte Karriere machen, denn das bedeutet für mich, dass ich genügend Geld verdiene und nach vorne komme. Deshalb möchte ich mich bald auch selbstständig machen. Etwas eigenes aufzubauen, und damit vielleicht auch das eigene Ego stärken, das ist mir schon wichtig. Dann kann ich sagen: Ich habe etwas erreicht." Bildrechte: MDR/Julian Theilen
Boris Lochthofen
Boris Lochthofen, geb. 1975, Direktor des MDR-Landesfunkhaus in Erfurt "Das Wort 'Karriere' empfinde ich als eher unangenehm, und es gehört nicht zu meinem bevorzugten Wortschatz. Denn es ist sehr technisch und es transportiert für mich als Wort immer auch die Vorstellung, dass der berufliche Werdegang oder das Leben an sich strategisch planbar wären. Das ist aber nicht so. Es gibt sicher Gelegenheiten, die man nutzen kann. Aber es gibt eben auch Zufälle, die eine große Rolle spielen. Für mich war es kein erklärtes Ziel, eine 'Karriere' zu machen. Ich wollte als Journalist arbeiten und spannende Geschichten erleben und erzählen. Der Rest hat sich ergeben." Bildrechte: Julian Theilen
Ein Mann
Axel Salheiser, geb. 1976, Soziologe in Jena "Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass mir Anerkennung im Beruf unwichtig ist. Ich freue mich darüber, wenn ich in meinem Forschungsfeld etwas sinnvolles gemacht habe und das von Kolleginnen und Kollegen gewürdigt wird. Geld hingegen war für mich nie wirklich Triebfeder, auch Führungspositionen haben mich nicht gereizt." Bildrechte: MDR/Julian Theilen
Eine Frau
Silke Vorspohl, geb. 1978, Rechtsfachwirtin in Erfurt "Karriere bedeutet für mich persönlicher Aufstieg und genügend Auskommen für die Familie, also etwas positives. Ich bin Rechtsfachwirtin und arbeite seit 20 Jahren mit meinem Mann zusammen. In unserem Büro habe ich eine Führungsrolle. Ich bin damit gerade sehr zufrieden, bis jetzt reizt es mich nicht, in einem großen Unternehmen eine hohe Position zu haben." Bildrechte: MDR/Julian Theilen
Ein Mann
Stefan Bartsch, geb. 1973, Briefzusteller in Erfurt "Karriere ist an mir komplett vorbeigegangen. Ich bin sehr ortsverbunden, und deswegen kaum flexibel. Meine Frau und ich haben jetzt gebaut. Wir haben fünf Kinder. Ich macht meinen Job jetzt bis zur Rente, weiß also, was dann kommt." Bildrechte: MDR/Julian Theilen
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