Asylantrag und ein Stempel mit der Aufschrift »genehmigt«
Bildrechte: IMAGO

Weltflüchtlingstag Immer weniger Asylanträge in Thüringen

Die mit Abstand größte Zahl Asylsuchender kommt aus Syrien nach Thüringen, gefolgt vom Irak, Serbien und Nigeria. Rund ein Drittel von ihnen dürfen - zumindest vorerst - im Land bleiben. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni ruft der Thüringer Flüchtlingsrat zu mehr Zivilcourage und Solidarität mit Geflüchteten und Migranten auf.

Asylantrag und ein Stempel mit der Aufschrift »genehmigt«
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In Thüringen stellen immer weniger Menschen einen Asylantrag. Wie das Migrationsministerium anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni MDR THÜRINGEN mitteilte, wurden im Jahr 2017 noch 6.030 Anträge gestellt. 2018 waren es 4.852 und in diesem Jahr bis Ende April 1.478. Die meisten Anträge in diesem Jahr wurden demnach von Menschen aus Syrien (1.045), Irak (164), Serbien (144) und Nigeria (125) gestellt.

Bis Ende April wurden 190 Menschen abgeschoben. Aus dem laufenden Haushalt stehen dem Migrationsministerium für 2019 unter anderem 94,3 Millionen Euro für Wohnungen oder medzinische Versorgung von Flüchtlingen und weitere 12,5 Millionen Euro für Integrations-, Bildungs- und Beratungsangebote zur Verfügung. Besonderes Augenmerk richte sich dabei auf anerkannte Flüchtlinge und Asylsuchende, die auf absehbare Zeit in Thüringen bleiben werden.

Nicht jeder Asylbewerber darf bleiben

Nach Ministeriumsangaben enden etwa ein Drittel der Fälle mit einer Anerkennung als Flüchtling oder Asylberechtigter oder mit dem Gewähren von subsidiärem Schutz beziehungsweise mit dem Feststellen eines Abschiebeverbotes. In den übrigen Fällen prüften die Ausländerbehörden der Kommunen, ob Gründe für eine Duldung vorliegen. Dies könnten unter anderem fehlende Papiere, Krankheit oder die mangelnde Aufnahmebereitschaft des Herkunftslandes sein. Thüringen setze sich dafür ein, dass auch besondere Integrationsleistungen wie Spracherwerb oder Aufnahme einer Ausbildung oder Arbeit anerkannt werden.

Die Kapazitäten der Erstaufnahme wurden laut Ministerium auf ein den aktuellen Flüchtlingszugängen angepasstes Maß reduziert. Nur noch in Suhl werde eine Erstaufnahmestelle aktiv betrieben. Dort passierten wichtige Schritte des Asylverfahrens wie Erstuntersuchung, Identitätsprüfung und Antragstellung an einem Ort.

Im Durchschnitt blieben die Menschen bis zu drei Wochen in Suhl. Je nach Lage des Einzelfalls könne es auch zu einem längeren Aufenthalt kommen, etwa wenn Befunde von medizinischen Untersuchungen noch ausstünden oder spezielle persönliche Situationen, wie akute Erkrankungen, einer Verteilung entgegenstünden. Danach würden die Flüchtlinge in die Kommunen verteilt.

Geflüchtete finden immer häufiger Arbeit

Stärker in den Fokus rückt laut Migrationsministerium die Integration der hier bleibenden Geflüchteten. Dies sei eines der großen gesellschaftlichen Themen der Zukunft. Wenn es gelänge, die geflüchteten Menschen im Hinblick auf Sprache, Bildung und Ausbildung sowie auf den Zugang zum Arbeitsmarkt zu integrieren, könne dies die Zukunft Thüringens nachhaltig prägen. Mangelndes Engagement in der Integrationsarbeit würde mittelfristig weit höhere gesellschaftliche Folgekosten mit sich bringen. Thüringen brauche aufgrund der demografischen Entwicklung Zuwanderung. Die Wirtschaft und die Sozialsysteme würden ohne diese in eine problematische Situation laufen.

Drei junge Flüchtlinge arbeiten im Ausbildungszentrum der Siemens Professional Education an der Verdrahtung eines Schaltschranks
Drei junge Flüchtlinge arbeiten im Ausbildungszentrum von Siemens. Bildrechte: dpa

Geflüchtete finden in Thüringen zunehmend den Weg in den Arbeitsmarkt. Allerdings landen viele in gering-qualifizierten Jobs, wie Daten der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit zeigen. Im September 2018 waren rund 5.500 Menschen, die aus den acht häufigsten Asylherkunftsländern, kommen in Thüringen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Gleichzeitig waren knapp 10.300 Menschen aus diesen Ländern als arbeitssuchend, davon knapp 3.900 als arbeitslos registriert. Als arbeitssuchend gelten diejenigen mit einem geklärten Aufenthaltsstatus. Damit sind sie aber nicht automatisch auch arbeitslos - viele von ihnen absolvierten etwa noch Integrationskurse oder ähnliches, hieß es von der Arbeitsagentur.

Jena nimmt aus Seenot Gerettete auf

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni ruft der Thüringer Flüchtlingsrat zu mehr Zivilcourage und Solidarität mit Geflüchteten und Migranten auf. Bundesweit hätten sich bisher 60 Städte, darunter Jena, zu sicheren Häfen erklärt. Diese Städte haben sich laut Flüchtlingsrat dazu bereit erklärt, aus Seenot gerettete Menschen aufzunehmen. Auch alle anderen Thüringer Städte und Gemeinden seien dazu aufgerufen solidarisch zu handeln und sich zu einem "sicheren Hafen" zu erklären.

Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) lädt am Abend zu einer Ausstellungseröffnung und einem Vortrag in das Landeskirchenamt und die benachbarte Michaeliskirche in Erfurt ein. Geplant seien ein Auftritt des Theologen und Bürgerrechtlers Ralf-Uwe Beck zum Thema "Fluchtursachen, nicht Flüchtlinge bekämpfen!" sowie die Vernissage "Grenzland Traumland" von Sibylle Möndel, teilte die EKM mit.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 19. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 05:00 Uhr

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