Coronavirus Wer bezahlt Verdienstausfall, wenn man in Quarantäne geschickt wird?

Als Schutzmaßnahme der Gesundheitsämter werden Menschen in Quarantäne geschickt. An Arbeiten ist dann oft nicht mehr zu denken. Wer zahlt aber in dieser Zeit den Lebensunterhalt? Thomas Becker hat recherchiert.

Eine Frau liegt mit Schnupfen auf dem Sofa
Wer vom Gesundheitsamt in häusliche Quarantäne gesteckt wird, kann nicht arbeiten gehen. Doch wer zahlt den Verdienstausfall? (Symbolbild) Bildrechte: imago/Westend61

Die Antwort gibt das Infektionsschutzgesetz. Auf dessen Basis werden die Maßnahmen angeordnet und am Ende gibt es sogar Entschädigungsleistungen. Zuständig sind die örtlichen Gesundheitsbehörden, die eine Quarantäne anordnen können beziehungsweise sogar müssen. Im aktuellen Fall würde das passieren, wenn jemand aus einem Risikogebiet zurückkommt oder mit einem nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten Kontakt hatte.

Niemand wird ohne Anlass in Quarantäne geschickt. Denn man muss sich immer vergegenwärtigen, welchen Weg das Virus eigentlich nimmt. Es reicht eben nicht, wenn mit einem Erkrankten nur im gleichen Raum gewesen ist. Direktes Anhusten oder eine sehr feuchte Aussprache wäre die eine Möglichkeit des Weiterreichens und die andere: Man schmiert sich die Coronaviren von kontaminierten Flächen wie Händen oder Türklinken in die eigenen Schleimhäute (Augen, Mund und Nase), sei es durch Anfassen oder Essen.

Kein Automatismus bei Ansteckung mit Coronavirus

Dass es eben keinen Automatismus gibt bei der Corona-Ansteckung, zeigt auch der Fall des Weimarer Ehepaares, das sich nach der Rückkehr aus Italien sofort beim Gesundheitsamt gemeldet hat. Sie wurde positiv getestet, er nicht. Die Goldene Ehrennadel hat der Weimarer Oberbürgermeister dafür zwar noch nicht verliehen, aber er hat klargemacht, dass das genau die richtige Entscheidung war - und die verordnete Quarantäne die logische Konsequenz.

Alle, die aus den vom Robert Koch-Institut definierten Risikogebieten kommen, müssen jetzt 14 Tage zu Hause bleiben. Und wenn Sie Symptome bei sich feststellen, müssen Sie sich mit der ärztlichen Hotline in Verbindung setzen. Dann werden Abstriche gemacht und entsprechend Behandlungen eingeleitet.

Peter Kleine Oberbürgermeister der Stadt Weimar

Das bedeutet aber nicht, dass man, bis die Symptome kommen, einfach "heimlich" zu Hause bleibt. Die Meldung an das örtliche Gesundheitsamt ist zwingend erforderlich, wenn man aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist, denn über eventuelle Maßnahmen entscheiden immer noch die Behörden. Und erst wenn sie die Quarantäne offiziell angeordnet haben, entstehen auch Anspruchsrechte bezüglich der Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz.

Wer zahlt bei Quarantäne von Angestellten?

Zunächst: Wer krankgeschrieben ist und zu Hause bleiben muss, der ist krankgeschrieben. Das ist auch bei Corona nicht anders, mit allen bekannten Folgen. Verhängt eine Behörde aber eine Schutzmaßnahme vorbeugend, also bei einem Gesunden, dann wird dem Arbeitnehmer in der Regel der Verdienstausfall ersetzt. Das bedeutet: Er bekommt in Quarantäne einfach weiterhin sein Geld vom Arbeitgeber. Der Arbeitgeber bekommt ausführliche Informationen beispielsweise von seiner Industrie- und Handelskammer (IHK).

Hier gibt es eine Sechs-Wochen-Grenze, die angesichts der maximal 14-tägigen Inkubationszeit keine Rolle spielen dürfte. Die ausgezahlten Beträge werden dem Arbeitgeber auf dessen Antrag von der zuständigen Behörde erstattet, so steht es in Paragraf 56 des Infektionsschutzgesetzes. Der Antrag ist innerhalb von drei Monaten beim zuständigen Gesundheitsamt einzureichen, darauf weist das Landesveraltungsamt hin.

Wer bezahlt Selbstständigen den Verdienstausfall?

Laut Infektionsschutzgesetz wird auch Selbstständigen im Falle einer behördlich angeordneten Schutzmaßnahme der Verdienstausfall ersetzt. Das reicht bei einem Tätigkeitsverbot auch bis hin zu den anfallenden anteiligen Betriebsausgaben. Auch hier ist ein entsprechender Antrag zu stellen und natürlich sind auch ein paar Nachweise erforderlich.

Was ist, wenn Kindergarten und Schule wegen Corona schließen?

Hier ist es nicht ganz so eindeutig. Das heißt, es wird durchaus im Einzelfall geschaut, ob es wirklich keine andere Betreuungsmöglichkeit gibt. Größere Kinder, die gesund sind und denen ein entsprechendes Verantwortungsbewusstsein unterstellt wird, können durchaus alleine zu Hause bleiben. Auch wird das Thema Großeltern angesprochen werden. Die zuständigen staatlichen Stellen laufen aktuell am Limit, sodass jeder Einzelne durchaus prüfen sollte, ob der Ruf nach dem Staat wirklich nötig ist.

Versorgung mit Lebensmitteln während Quarantäne gesichert

Dazu gehören auch Fragen nach der Versorgung während einer angeordneten Quarantäne zum Beispiel mit Lebensmitteln oder Medikamenten. In allen Fällen bisher haben sich im persönlichen Umfeld immer Freunde, Nachbarn oder Verwandte gefunden, die für Betroffene eingekauft haben.

Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand wirklich niemanden hat, haben die Behörden ganz sicher auch eine Lösung. Das war das eindeutige Signal aus dem Saale-Orla-Kreis, der als erstes in Thüringen Menschen in Quarantäne geschickt hat. Es ist überraschenderweise auch noch niemand verhungert in Quarantäne und wir müssen in Deutschland auch nicht befürchten, dass dies geschieht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Mittag | 12. März 2020 | 13:16 Uhr

1 Kommentar

mattotaupa vor 31 Wochen

"Auch wird das Thema Großeltern angesprochen werden." klar, schule und kita schließen wegen corona-panik und die kinder schafft man quer durchs land zu den großeltern, welche - im gegensatz zu kindern, lehrer und erziehern - einer besonderen risikogruppe angehören. gaaaanz doll durchdacht.

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