Irmela Mensah-Schramm sprüht ein rotes Herz über eine rechtsextreme Schmiererei auf einem Stromkasten.
Irmela Mensah-Schramm sprüht ein Herz über eine rechtsextreme Schmiererei. (Archivfoto) Bildrechte: Irmela Mensah-Schramm

Eisenach NS-Schriftzug mit Herz übersprüht: Aktivistin zu Geldstrafe verurteilt

Seit mehr als 30 Jahren beseitigt oder übersprüht Irmela Mensah-Schramm rechtsextreme Parolen und Symbole. Nun ist die 73-jährige Berlinerin vom Amtsgericht Eisenach wegen Sachbeschädigung verurteilt worden.

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

von Ruth Breer

Irmela Mensah-Schramm sprüht ein rotes Herz über eine rechtsextreme Schmiererei auf einem Stromkasten.
Irmela Mensah-Schramm sprüht ein Herz über eine rechtsextreme Schmiererei. (Archivfoto) Bildrechte: Irmela Mensah-Schramm

Einen Tag nach dem Urteil ist Irmela Mensah-Schramm immer noch schockiert. Das Urteil macht ihr zu schaffen, aber mehr noch der Anschlag von Halle. Der steht in ihren Augen für all das, gegen das die Aktivistin seit Jahrzehnten kämpft: Hass, Menschenverachtung, Antisemitismus. Ihre Maxime sei der Buchenwald-Schwur "Nie wieder", sagt sie.

Und so bekämpft sie Nazi-Symbole und -Parolen, wo sie öffentlich auftauchen. Auf Häusern, in Unterführungen, an Ampeln und Lichtmasten. Sie kratzt bundesweit Aufkleber ab und entfernt Graffiti. Wo das nicht möglich ist, macht sie die ursprüngliche Botschaft mit der Sprühdose unkenntlich, eine kreative Arbeit. So werden Hakenkreuze zu tanzenden Figuren, aus "Fuck Asyl" wird "Für Asyl", aus "Merkel muss weg" formt sie "Merke: Hass weg".

Auf einer Wand steht geschrieben: Aus Hass macht Liebe.
Gesprühte Kunst von Irmela Mensah-Schramm. Bildrechte: Irmela Mensah-Schramm

In Eisenach machte sie im letzten Dezember aus der Ansage "NS-Zone" eine Herz-Zone, indem sie die Buchstaben NS mit einem Herz übersprühte. Diese und drei weitere Aktionen hatten jetzt ein gerichtliches Nachspiel. Denn jemand hatte die Aktion fotografiert und der Polizei gemeldet, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Sachbeschädigung in vier Fällen, darum ging es jetzt vor dem Amtsgericht. Bisher waren die Verfahren stets eingestellt worden. Das bot ihr der Richter auch diesmal an - gegen Zahlen einer Geldauflage von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Das lehnte Irmela Mensah-Schramm ab und wurde verurteilt zu 1.050 Euro Geldstrafe. Außerdem muss sie die Kosten des Verfahrens tragen.

Mehrfach für Engagement und Zivilcourage ausgezeichnet

Die 73-Jährige ist mit dem Urteil nicht einverstanden und will in Berufung gehen. "Ich habe keinen Fehler gemacht", sagt sie. Sachbeschädigung sei das, was diejenigen machten, die die Nazi-Parolen an die Mauern sprühten, sagt sie. Sie entferne nur die menschenverachtende Botschaft, mache das, wozu die Zivilgesellschaft aufgefordert sei. Denn eigentlich sei es doch Aufgabe des Staates, diese Slogans und verbotenen Symbole zu entfernen, sagt sie. Für dieses Engagement ist Irmela Mensah-Schramm immer wieder ausgezeichnet worden. Sie erhielt beispielsweise die Bundesverdienstmedaille, den Göttinger Friedenspreis oder erst im Juni in Erfurt den Jochen-Bock-Preis für Zivilcourage, verliehen vom Förderkreis Erinnerungsort Topf & Söhne und der Martin-Niemöller-Stiftung.

Und doch - es bleibe rechtlich Sachbeschädigung, sagt der Sprecher des Amtsgerichts Eisenach Gerd Holle. Er weist darauf hin, dass es in Deutschland kein Gesinnungsstrafrecht gibt. Sachbeschädigung bleibe Sachbeschädigung, auch wenn sie noch so gute Absichten verfolge. Wenn das so ist, sagt Irmela Mensah-Schramm, dann "sehe ich mich gern als Intensivtäterin".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrag hieß es, dass Frau Mensah-Schramm zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt wurde. Das ist nicht korrekt. Wir haben die Zahl korrigiert.

Irnela Mensah-Schramm am Schaber 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regional | 10. Oktober 2019 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2019, 17:40 Uhr

75 Kommentare

Jana vor 5 Wochen

Ein Hakenkreuz ist eine eindeutige rechte Schmiererei. Wenn ein Mensch ein Hakenkreuz entfernt, dann macht ihn das höchstens in den Augen eines AfD Gläubigen oder sonstigen Rechtsradikalen Menschen zu einem Linken.

Wenn Herr Seehofer ein Hakenkreuz mit einem Herz unkenntlich machen würde, dann wäre das Herz sicher keine linke Symbolik oder Schmiererei und Herr Seehofer sicher kein Linken.

Schalten sie doch einfach mal ihr Hirn ein statt sich auf Gedeih und Verderb einer Partei zu überlassen und nach Feinden außerhalb der eigenen Wagenburg zu spähen.

Ekkehard Kohfeld vor 5 Wochen

Wie viele tausend Links soll ich ihnen denn noch liefern arbeite sie doch erst mal die ab die ich schon gebracht
habe,aber scheinbar sind sie damit überfordert.
Ihr lügen und Unterstellungen bringen sie da nicht weiter lieber Troll (Krause).
Und auch nicht ihr üblicher Whataboutism mit dem sie sich versuchen aus der Affäre zu ziehen.Wie wäre es wenn sie erst mal unser Fragen beantworten würden bevor sie wieder eine neue Baustelle auf machen oder können sie das nicht?

Fakt vor 5 Wochen

Sind Sie tatsächlich so naiv, dass Sie glauben, jeder Google-Treffer entspricht einer Gewalttat von links? Das würde natürlich etliche Ihrer Beiträge erklären.

Mehr aus der Region Eisenach - Gotha - Bad Salzungen

Mehr aus Thüringen

Thüringen

Bei Hardisleben wird eine Brücke für einen Radweg eingehoben 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei Hardisleben im Landkreis Sömmerda wurde am Donnerstagmorgen eine Brücke eingehoben. Sie soll eine Lücke im Radwegenetz schließen.

Do 21.11.2019 14:00Uhr 00:32 min

https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/soemmerda/video-radwege-bruecke-kreis-soemmerda-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Zwei Frauen packen Schachteln mit Christbaumkugeln aus 3 min
Bildrechte: MDR THÜRINGEN